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7 triftige Gründe, keine Kreuzfahrt zu buchen

7 triftige Gründe, keine Kreuzfahrt zu buchen

7 Gründe, Kreuzfahrtschiffe zu meiden - Reiseblog Bravebird

Immer häufiger werden wir durch die Medien über den Klimawandel und seine weitreichenden Folgen aufgeklärt und dennoch erweckt es bei den meisten Menschen den Anschein, als wenn das nicht ihr Problem zu sein scheint. Die Mehrheit macht weiter wie gehabt – vielleicht in der Hoffnung, dass es in naher Zukunft ein paar kluge Menschen geben wird, die alle Probleme easy per Knopfdruck lösen werden.

Nur können wir weder auf einen alternativen Planeten umziehen noch wird sich die bereits kritische Situation wieder verbessern, denn die Bevölkerung wächst stetig weiter und konsumiert, reist und speist nach Herzenslust. Aber warum soll man nun plötzlich verzichten, wenn andere es auch nicht tun? Ganz einfach: Wenn am Tisch mit dem Geburtstagskuchen plötzlich 10 statt 7 Leute wie im Vorjahr sitzen, wird man zwangsläufig ein kleineres Stück nehmen müssen – damit alle etwas abbekommen.

Allerdings hinkt der Vergleich, denn im Gegensatz zum aufgegessenen Kuchen kann man sein persönliches Umwelt-Belastungskonto bis ins Unendliche überziehen, ohne dafür etwas extra bezahlen zu müssen. Aber was hat das jetzt mit einer Kreuzfahrt zu tun? Eine ganze Menge! Hier die meiner Meinung nach ausschlaggebendsten Aspekte dieser umweltschädlichen Reiseart Kreuzfahrt:

1. Extremer CO2 Verbrauch

Um die fortschreitende Erderwärmung zukünftig auf 2°C zu begrenzen, dürfte jedem Menschen auf dieser Erde ein Ausstoß von lediglich 2,3 t CO₂ pro Jahr zustehen. Hierin sollten bereits alle alltäglichen Dinge enthalten sein: Wohnen und Strom, Verkehr und Mobilität und natürlich auch Nahrungsmittel sowie sonstiger Konsum. Nehmen wir die Kreuzfahrt ins Mittelmeer oder in die Karibik, die neben dem Flug noch eine intensive Betreuung und Verpflegung an Bord beinhaltet, sieht allein das schon so aus:

Co2 Ausstoß bei Kreuzfahrten - Reiseblog Bravebird
Quelle für die Berechnung: Atmosfair

Für die meisten ist diese Kreuzfahrt wahrscheinlich nicht die einzige Reise im Laufe eines Jahres. Für die Klimaschäden durch die erzeugten Treibhausgasemissionen kommt die Schifffahrt natürlich nicht auf. Obwohl diese Reisen im Durchschnitt immer günstiger werden und im Gegensatz zu früher heute für fast Jedermann erschwinglich sind, sind lt. Umfragen die wenigsten Kreuzfahrt-Reisenden gewillt, die entstandenen Emissionen ihrer Reise zu kompensieren.

Wie sehen die Konsequenzen für uns aus, wenn wir so weitermachen? Hier eine Prognose für die nächsten Jahre und Jahrzehnte in Kurzform:

  • Gletscher und Korallenriffe verschwinden ↠ durch steigenden Säuregehalt in Kombination mit der Erderwärmung kann das Meer umkippen, was massive Auswirkungen auf Mensch und Tier hat
  • Dürren, Überschwemmungen, Brände und Wirbelstürme nehmen zu ↠ bedroht insbesondere die Landwirtschaft mit großem Einfluss auf die Nahrungsmittelindustrie
  • Anstieg des Meeresspiegels durch das Schmelzen des Polareises ↠ verschiedene Inselgruppen werden unbewohnbar mit zu erwartender Völkerwanderung
  • Artensterben ↠ schon heute sind bereits über 25% aller Säugetiere vom Aussterben bedroht

2. Pures Gift für das Meer

Eigentlich lässt es sich mit dem normalem Menschenverstand nicht vereinbaren, dass das überhaupt möglich ist: Kreuzfahrtschiffe verbrauchen auf hoher See ca. 150 Tonnen pro Tag giftiges Schweröl – ein Abfallprodukt aus der Petrochemie, das eigentlich als Sondermüll entsorgt werden müsste. Zum Vergleich: Es enthält 3.500 Mal mehr Schwefel als für PKW erlaubt. Laut aktuellem Kreuzfahrt-Ranking des NABU gibt es nur ein einziges Kreuzfahrtschiff weltweit, das auf den Einsatz von Schweröl verzichtet.

Während man also gerade an Bord sein All you can eat-Sushi verdrückt, vergiftet man im gleichen Moment das fragile Ökosystem unter sich mit verheerenden Auswirkungen für Fische, Vögel und andere Meeressäuger. Letzten Endes endet das Gift natürlich auch wieder in unserer Nahrungskette, wodurch man sich ernsthaft überlegen sollte, ob man einen Fisch mit einem durchschnittlichen Alter zwischen 10-50 Jahren mit Schadstoffen aus Mikroplastik und Öl wirklich noch ruhigen Gewissens essen kann.

Kreuzfahrt Entwicklung Passagierzahlen - Reiseblog Bravebird
Quelle: Statista

Warum ist das heute schlimmer als früher? Zum einen, weil es bis in die 1960er Jahre noch gar kein Schweröl gab. Zum anderen, weil die Zahl dieser umweltschädlichen Schiffe kontinuierlich zunimmt und ständig neue, größere und ressourcen-fressende Kreuzfahrtkolosse hinzukommen. Von „grünen“ Alternativen ohne Schweröl wird aufgrund der kostenintensiveren Investitionen und mangels Vorschriften in der Regel abgesehen.

3. Massentourismus fördert lokalen Kollaps

Wir kennen die Bilder mit den großen Herden von Menschen, meist angeführt von einer Person mit einem leuchtenden Fähnchen in der Hand. Venedig, Dubrovnik, Palma de Mallorca, Barcelona, Cozumel und Miami sind nur einige der Klassiker, die regelmäßig von riesigen Menschenmengen überflutet werden. Wie ein großer Schwarm Termiten werden hier die Geschäfte und Sightseeing-Spots angesteuert – ein Zustand, der immer mehr Einheimische nachvollziehbarer Weise die Flucht ergreifen lässt.

In das eigentlich so grazile Venedig laufen jährlich 650 Kreuzfahrtschiffe ein und im Hafen von Palma de Mallorca liegen manchmal fünf monströse Schiffe gleichzeitig nebeneinander, deren bis zu 11.000 Gäste sich dort ausbreiten. Man braucht nicht lange darüber nachzudenken, wie man es finden würde, wenn man selbst dort lebt. Und gleichzeitig dürfte nahe liegen, dass die eigentliche Authentizität immer mehr verloren geht, wenn sich an diesen Orten alles nur noch um Tourismus dreht.

Kreuzfahrtschiff - Antarktis - Reiseblog Bravebird

Aber nicht nur die Hot Spots leiden unter dem immensen Ansturm, der natürlich auch mit großen Mengen Müll, Einwegartikeln und einem hohen Ausmaß an Luftverschmutzung verbunden ist. Immer mehr Menschen setzen sich nach ihrem Langstreckenflug in einen Dampfer z. B. Richtung Antarktis oder Grönland, um sich die mitverantworteten Veränderungen des Klimawandels live beim Schmelzen der Eisberge ansehen zu können.

4. Ausbeutung unter Deck

Wenn man selbst als Gast schon tagelang in einer ca. 15 qm-Kabine verbringt und das sogar teilweise ohne Fenster, lässt sich erahnen, wie mehrere tausend Mitarbeiter und Hilfskräfte in den unteren Etagen leben und schlafen müssen. Dort herrscht eine Art Zwei-Klassen-Gesellschaft: Einerseits die Mitarbeiter im organisatorischen Service-, Hotel- und Restaurantbereich und andererseits die einfachen Hilfskräfte. Letztere kommen größtenteils aus ärmeren Ländern wie Philippinen, Indien und Indonesien.

Eine 7-Tage-Woche mit 12 Stunden täglich gehört zum Alltag, Sozialleistungen und Überstunden werden in der Regel nicht gezahlt, Trinkgeld muss oft abgegeben werden und viele der einfachen Arbeiter verdienen gerade mal ein paar hundert Euro im Monat bei Saisonvertrag und vollem Einsatz – das sind bei vielen 1,50 bis 2,50 Euro Stundenlohn für ein Leben größtenteils ohne Tageslicht bei Klimaanlage und Kunstlicht!

Kreuzfahrtschiff - Massen an Bord - Reiseblog Bravebird

Wie kann das sein und wieso gilt hier nicht das Mindestlohngesetz? Ganz einfach, weil kein deutsches Kreuzfahrtschiff mehr in Deutschland registriert ist. Gewerkschaften sind nicht nur unerwünscht, sondern auch aufgrund der unterschiedlichen Nationen schwer umsetzbar. Ein Freifahrtschein also für die Reedereien, die nicht nur ihre eigenen Regeln, sondern auch Steuereinsparungen in Millionenhöhe machen können. Wer eine Kreuzfahrt bucht, beteiligt sich somit automatisch an dieser Ausbeutung.

5. Der skurrile Weg der Nahrungsmittel

Die größten Schiffe haben über 5.000 Touristen an Bord, die auf ihrer Fahrt in den bis zu 10 Restaurants und ebenso vielen Bars kulinarisch versorgt werden wollen und das natürlich möglichst fürstlich. Laut Statistik wird auf solch einer Reise wesentlich mehr gegessen und getrunken als zu Hause und hier entscheidet natürlich der organisatorische Weg, den die Unmengen von Nahrungsmitteln für eine Kreuzfahrt zurücklegen müssen. Auch die 2.000 Mitarbeiter auf solch einem Schiff brauchen Nahrung.

Woher kommen also die Lebensmittel? Normaler Weise müsste man meinen, dass gerade bei Karibik-Kreuzfahrten Früchte und Gemüse lokal gekauft und verwendet werden. Fehlanzeige! Die Bananen in der Karibik sind nicht schön genug, Früchte kommen aus Brasilien oder Mexiko, Trüffel aus Frankreich, Getränke aus aller Herren Länder, Fleisch aus Argentinien, um nur einiges zu nennen – und das wird alles erstmal nach Deutschland geschafft, um dann in die Karibik geflogen zu werden.

Diese hierbei entstehenden CO2-Emissionen bei dieser Menge an Kreuzfahrtschiffen und Flügen kommen noch zusätzlich zu den eigenen bzw. denen des Schiffes hinzu. Die lokale Bevölkerung hat demnach gar nichts oder wenig von dem Besuch der Touristen. Während man meinen müsste, dass man als Reisender auch etwas zurückgeben müsste, wenn man schon seinen Fuß auf das Land setzt, ist das in diesem Fall lediglich Luftverpestung, Müll und verunreinigtes Wasser.

Wasserfußabdruck auf einer Kreuzfahrt - Zitat Frank Herrmann - Reiseblog Bravebird

6. Gesundheitsrisiken für Menschen

Ungefähr 40% der Reisezeit liegt ein Kreuzfahrtschiff in Häfen. Hierbei wechselt es auf Dieselbetrieb, läuft in dieser Zeit kontinuierlich weiter und verbraucht dabei die Energie einer Kleinstadt. Die Konsequenz? Der NABU hat 2015 eine Studie veröffentlicht, welche die massiven Gesundheitsschäden für Anwohner durch Schiffsabgase belegt. Die WHO ging bereits 2012 davon aus, dass jährlich etwa 50.000 Menschen durch diese Abgase sterben, insbesondere durch die krebserzeugenden Rußpartikel.

Vollkommen anders als bei einem „normalen“ Urlaub auf Land bleibt auf dem Schiff Tag und Nacht und jeden Tag für tausende Menschen alles eingeschaltet: Beleuchtung, Klimatisierung, Kühlung, Unterhaltung & Co. Und das kostet nicht nur Strom und somit größtenteils umweltschädliche Ressourcen, sondern auch gute Luft: Während auf einer stark befahrenen Straße in Berlin ca. 15.000 Feinstpartikel gemessen werden, sind es in der Umgebung eines Kreuzfahrtschiffes im Hafen mehr als 500.000!

7. Wohin geht wohl der ganze Müll?

Tausende Menschen verbrauchen Massen von Müll auf solch einem Schiff – aber wo geht der hin? Viele Tonnen Lebensmittel-Abfälle werden einfach über Bord geworfen und das ist insofern giftig, weil sie das Wasser überdüngen und Algenwachstum und Sauerstoffmangel fördern. Das sogenannte „Grauwasser“ aus Duschen und Spülen und sogar das „Schwarzwasser“ aus den Toiletten wird ebenfalls ins Meer geleitet – laut NABU eine echte Katastrophe!

Nur ein kleiner Teil des Mülls wird an Bord recycelt, ein Teil landet auf Deponien an Land und dann werden noch einige Tonnen auf dem Schiff direkt verbrannt. Kontrollen in jeglicher Hinsicht gibt es nur selten und da lässt sich erahnen, wie die Realität jenseits offizieller Angaben aussieht. Und dann kann man sich noch Gedanken darüber machen, wieviele Lebensmittel von den Buffets – die wesentlich mehr Essensreste produzieren als das À la Carte-Geschäft – einfach unnötig weggeschmissen werden…

Kreuzfahrtschiff - Massen an Bord - Reiseblog Bravebird
Gerade an Deck ist man einer überdurchschnittlich hohen Feinstaubbelastung ausgesetzt

Fazit zum Thema Kreuzfahrt:

Es ist fraglich, wie ein Urlaub in einer kleinen Kabine mit mehreren tausend Menschen auf einem Schiff ohne Ausweichmöglichkeit so einen großen Hype erfahren kann. Zugleich ist es bedauerlich, dass so viele Menschen offensichtlich keine Freude mehr am Entdecken haben und der Bequemlichkeit den Vorzug geben. Dennoch darf das nicht der Grund sein, trotz all der oben genannten Faktoren solch eine Reise anzutreten:

  • Man schadet mit dieser Reise massiv der Umwelt und unterstützt auf negative Weise den Klimawandel: Flug, Kreuzfahrt selbst, Nahrungsmittel-Transport, hoher Verbrauch von Fleisch und sonstiger tierischer Produkte, hohe Produktion von Müll
  • Man schadet sich und den Menschen an den Anlegestellen durch krebserzeugende Rußpartikel.
  • Obwohl man Orte und Regionen durchfährt und besucht, hat die lokale Bevölkerung bis auf ein paar Shops ausschließlich Nachteile zu verzeichnen.
  • Man beteiligt sich unmittelbar an der Ausbeutung von Mitarbeitern. Kann es wirklich eine tolle Reise sein, wenn Menschen für mich für Hungerlöhne ohne Tageslicht unter mir schuften müssen?
  • Als Massentourist schadet man in den betreffenden Hafenstädten den Einheimischen durch ein hohes Müllaufkommen sowie starker, nachteiliger Veränderung der Infrastruktur und der lokalen Preise.
  • Durch den überdurchschnittlich hohen Verzehr von Lebensmitteln und anschließender Entsorgung übrig gebliebener Speisereste auf einem Kreuzfahrtschiff (u. a. durch überwiegende Buffet-Darbietung) fördert und unterstützt man Massentierhaltung. Diese ist maßgeblich am Klimawandel beteiligt.
  • Für die Vergrößerung von Häfen in Deutschland (und an allen anderen Häfen der Welt) werden Steuergelder in Millionenhöhe verwendet – ob wir wollen oder nicht.

Nur, weil all diese Faktoren unerklärlicher Weise legal sind, bedeutet das nicht, dass es okay ist. Bedenke: Was wir in der Zukunft tun werden, hängt vom Jetzt ab!


Informationen und Bücher

FAIRreisen von Frank Herrmann

Das Handbuch für alle, die umweltbewusst unterwegs sein wollen. Eine umfassende Quelle über die Auswirkungen des Tourismusbooms auf Klima, Umwelt und die Menschen vor Ort und hilfreiche Tipps, wie nachhaltiges Reisen möglich sein kann. Erhältlich als Taschenbuch und E-Book

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Wahnsinn Kreuzfahrt von Wolfgang Meyer-Hentrich

Die Schattenseiten eines Booms – Was früher ein Privileg für Wohlbetuchte war, ist heute ein Massenvergnügen: Kreuzfahrten. Ob AIDA, TUI Cruises, MSC oder andere – mit günstigen Preisen locken sie jedes Jahr mehr Menschen auf ihre Schiffe. Wolfgang Meyer-Hentrichs ebenso kritisches wie unterhaltsam geschriebenes Buch macht klar: Das Geschäftsmodell der Kreuzfahrtunternehmen basiert auf Steuervermeidung, Ausbeutung des Personals und dem skrupellosen Umgang mit der Natur. Den Preis dafür zahlen letztlich wir alle. Erhältlich als Taschenbuch und E-Book.

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Zeige Kommentare (37)
    • Hi Martin,
      vielen Dank für dein Feedback. Leider finden immer erst bewusste Änderungen statt, wenn Menschen selbst sicht- oder spürbar beeinträchtigt werden. Daher bin ich gespannt, wie lange es dauern wird, bis sich hier etwas verändern wird.
      Viele Grüße!
      Ute

  • Ein Argument (in Häfen kein Landstrom) ist wahr und sollte schnellstens per Gestz umgestellt werden. Aber der Rest der negativen Aspekte trifft auf jeglichen Massentourismus und auf die meisten unserer Lebensgewohnheiten zu. Ein Kreuzfahrtschiff verbraucht soviel Strom wie eine Kleinstadt (es ist eine Kleinstadt, 7.000 Personen), der Transport der Lebensmittel erfolgt auch an Land über große Entfernungen, Ausbau der Häfen (wohl hauptsächlich wegen immer größerer Containerschiffe), direkte Ausbeutung der Menschen (Textilherstellung in Asien etc.).
    Der Artikel ist einfach nur populistisch und zeugt von wenig analytischem Verstand.

    • Lieber Hans-Dieter,
      mir scheint, als hättest du ein paar Dinge nicht so richtig verstanden. Gerne möchte ich daher etwas zu deiner Argumentation sagen: Kreuzfahrtschiffe tragen maßgeblich zum Massentourismus bei! Eine „Kleinstadt“ hat nicht im Ansatz diesen extremen Wasser- und Stromverbrauch wie das klassische Reisen auf dem Land (s. z. B. Skizze zum Wasserfußabdruck). Den Umwelt-/Schweröl-Aspekt mit der Umweltverschmutzung sehe ich in deiner Argumentation ebenfalls nicht. Dass die Einheimischen der Anlegehäfen von dieser Reiseart fast nur Schaden nehmen, ist mit keiner anderen Reiseart vergleichbar. Auch die hohe gesundheitliche Beeinträchtigung nicht. Auch gibt es keine Reiseart, durch die so viel Müll und Essensreste ins Wasser geworfen werden.
      Es ist zwar nachvollziehbar, jedoch wenig zielführend, eine solch schädliche Reiseart mit anderen negativen Einflüssen, Leid oder Unrecht in diesem Segment gleichzusetzen. Das macht es nicht besser.
      Beste Grüße

  • Hallo Ute,
    ich stimme Dir vollkommen zu und bin immer wieder erstaunt, dass selbst ansonsten durchaus ökologisch interessierte Menschen so begeistert von Kreuzfahrten sind.
    Aber dass Du zum amerikanischen Amazon verlinkst, das bekannterweise 1.) seine Mitarbeiter ausbeutet, 2.) dem lokalen Handel sowie den deutschen Online-Anbietern erheblichen Schaden zufügt und 3.) tonnenweise Neuware aus Rücksendungen aus Kostengründen vernichtet und somit ganz erheblichen Umweltschaden verursacht, finde ich nicht so gut. Ich weiß, das machen viele. Aber wäre es nicht in Deinem Sinne, eher auf den lokalen Buchhandel oder zumindest auf deutsche Online-Anbieter hinzuweisen?
    Ich hoffe, Du nimmst diese Anmerkung nicht übel. Ansonsten finde ich Deine Posts immer sehr interessant.
    Viel Freude weiterhin bei Deinen Reisen!
    Viele Grüße
    Angelika

    • Hallo liebe Angelika,
      vielen Dank für diesen Kritikpunkt. Mir ist das mit Amazon bewusst. Leider ist es eine der wenigen, besseren Einnahmequellen für einen Blog, wenn ich nicht überall Werbung aufpoppen lassen möchte :( Das Ding ist – wenn ich nicht dorthin verlinke – kaufen Leser es dann dennoch dort und ich habe nichts davon. Dein Gedanke, auch andere Anbieter aufzuführen, ist super und habe ich kürzlich auch auf einer anderen Plattform wie Utopia gesehen. Ich werde meinen Blog diesbezüglich in Kürze komplett umstellen – daher nochmals Danke für die Anregung!
      Viele Grüße
      Ute

      — Nachtrag: In diesem Artikel habe ich es schon geändert :) —

      • Hallo Ute,
        vielen Dank für Deine Antwort und dass Du schon Alternativen zu Amazon aufführst. Ich dachte mir zwar schon, dass die Verlinkung mit Amazon für Dich eine Einnahmequelle darstellt, wollte es aber dennoch mal ansprechen. Aber so, wie Du es jetzt gemacht hast, ist es doch schon super!
        Ich freue mich auf viele weitere tolle Beiträge von Dir!
        Viele Grüße
        Angelika

    • wo ich schon mal dabei bin: Die etwas unsachliche Berichterstattung gegenüber amazon verstehe ich nicht ganz:
      1. Die Mitarbeiter werden nach deutschem Tariflohn und Mindestlohn bezahlt. Die Kampagne gegen amazon rührt daher, dass einige Gewerkschaften dort gerne einen anderen Tarifvertrag sehen würden und darüber hinaus keinen wirklichen Fuß in die Tür bekommen. Ich schätze auch, dass die meisten Leute freiwillig bei amazon arbeiten.
      2. Hm, als das Automobil erfunden wurde hat es auch den lokalen Kutschenbetreibern ganz schön viel Schaden verursacht. Seit wann ist wirtschaftlicher Erfolg etwa schlechtes? Der lokale Handel hat sein Scheitern leider grösstenteils selbst verschuldet.
      3. Alle Versandunternehmen welche Konsumartikel verkaufen, und insbesondere die Modeanbieter, agieren beim Retourenmanagement so wie amazon. Und das schon, seitdem die Ware nur mittels Papierkatalogen angeboten wurde. Ist vielleicht eine unangenehme Wahrheit, ist aber so.

  • Über Kreuzfahrten wollte ich auch schon lange mal schreiben, aber das wird etwas Längeres. Ich war zweimal auf so einem Schiff (von Europa nach Brasilien und von Kolumbien zurück nach Europa, weil es jeweils günstiger war als ein Flug), und ich verstehe echt nicht ganz die Begeisterung für Kreuzfahrten.
    Ok, man kommt langsamer voran als mit dem Flugzeug, das ist in meinen Augen etwas Positives.
    Aber die Art des Reisens ist einfach nichts für mich. Man fühlt sich wie in einer Shopping Mall auf dem Wasser, ständig wird einem etwas angedreht, alles geht um Konsum und andere oberflächliche Dinge. Und dementsprechend sind 95% der Passagiere. Intellektuell ist da nicht viel los.

    • Hi Andreas,
      Danke für diesen Einblick. Es macht mich oft traurig, dass Menschen immer bequemer und dabei gleichzeitig so anspruchsvoll sind, dass alles um sie herum völlig egal zu sein scheint. Mal sehen, wie sich das alles entwickeln wird…
      Liebe Grüße
      Ute

  • Liebe Ute,
    ich ziehe mal wieder meinen Hut vor dir für diesen tollen Artikel. Sachlich und gut erklärt, warum Kreuzfahrten keine gute Sache sind! Viel, viel mehr Leute sollten das lesen müssen, bevor sie sich für eine Kreuzfahrt entscheiden!
    Alles Liebe,
    Kathi

    • Hallo liebe Kathi,
      vielen Dank für deinen Zuspruch! Ich fürchte, dass solche Artikel am Ende wenig bringen, denn der Egoismus ist bei vielen Menschen einfach zu groß. Viel wichtiger wäre, dass viele Dinge endlich verboten werden, aber das wird bestimmt erst passieren, wenn vieles zu spät ist :(
      Liebe Grüße!
      Ute

  • Hm, bei der Suche nach „kritischem Reiseblog Kreuzfahrt“ bin ich bei dir fündig geworden, besten Dank für die gute Zusammenfassung. Die Recherche ist für einen in meinem Blog angedachten Artikel zum gleichen Thema – ich werde aber einen anderen Schwerpunkt setzen. Denn: bei all den Umweltsünden dieser Reiseart, bin ich mehr darüber erstaunt, wieso Menschen es gut finden, auf einem fahrenden Hotel eingepfercht zu sein. Und sich auf sehr ausgetretenen Pfaden durch die Gegend schippern lassen, um dann für alberne Ausflüge noch mal zu zahlen. Ich verstehe es nicht…Und wie so oft, es ist niemand bereit, sein eigenes Verhalten dem Planeten gegenüber zu überdenken – und zu ändern. Ich bin mal auf den ersten Kommentar hier gespannt, der fragt, wie du als Reisebloggerin das viele Fliegen entschuldigst ;-)

    • Hallo Dirk,
      vielen Dank für deine Meinung. Ich für meinen Teil habe seit inzwischen drei Jahren keinen Flug mehr selbst gebucht und saß seitdem lediglich auf 1-2 Pressereisen pro Jahr im Flieger. Seit 2017 kompensiere ich meine Flüge außerdem über Atmosfair. Ich könnte mit den vielen Angeboten, die ich inzwischen von Veranstaltern und Agenturen bekomme, mindestens das halbe Jahr komplett in der Weltgeschichte unterwegs sein, lehne das aber der Umwelt zuliebe ab. Die meisten Reiseblogger verbraten geschätzt 50.000 to CO2 im Jahr und das Schlimme ist, dass sie durch ihr Verhalten das Ganze nochmals deutlich negativ potenzieren. Was deinen Ansatz über die Geschmacksfrage angeht, kann ich dir zustimmen, aber über Geschmack möchte ich persönlich niemanden be- oder verurteilen. Wenn jemandem diese Art zu reisen gefällt, ist das seine Sache. Aber was er damit anrichtet, sollte er wissen – und darauf kam es mir an. Dennoch kann man über das Thema nicht genug schreiben und aufklären, daher viel Erfolg schonmal!
      Viele Grüße!
      Ute

      • Hallo Ute, so war das mit dem Fliegen ja gar nicht gemeint ;-). Ich fliege auch recht viel, aber man kann seinen ökologischen Fußabdruck ja auch anderweitig verkleinern: CO2 Ausgleich spenden für jeden Flug, kein Auto haben, nur ÖPNV benutzen, kein Fleisch essen, keine Milch konsumieren, möglichst wenig Plastik im Haushalt benutzen etc. etc. Aber wer eine Kreuzfahrt macht, der wird nix für seinen ökologischen Fußabdruck für die nächsten 500 Jahre oder so kompensieren können , wie du sehr schon ausgearbeitet hast!

  • Hallo Ute,
    ein großartiger Artikel und schön auf den Punkt (die sieben Punkte gebracht). Ich habe selber noch nie eine Freuzfahrt gemacht, vor allem wegen dem Massentourismus an Bord. Daher habe ich mir auch noch keine Gedanken darüber gemacht, was noch alles dahinter steht. Da es aber sowieso eine Art Hotelanlage auf Speed ist und Hotelanlagen für mich auch tabu sind werde ich wohl auch niemals auf so ein Schiff steigen.

    Aber ich muss auch sagen es gibt viele Themen bei denen man sich wundern kann, weshalb das eigentlich gesetzlich erlaubt ist…

    Grüße,
    Markus

    • Hi Markus,
      manchmal denke ich mir auch, dass ich vieles am liebsten gar nicht gewusst hätte, denn das wirkt sich schon manchmal auf die eigene Laune aus. Mich macht es alle, wie vielfältig die Umweltverschmutzung und grausam die Massentierhaltung ist und die Politik keine Schritte einleitet, um diese katastrophalen Entwicklungen zu stoppen. Danke daher für deinen Zuspruch und viele Grüße! Ute

  • Moin, ich lebe auf einer Ferieninsel. Man setzt hier auf Traumschiffe behördlicherseits, weil fälschlicherweise angenommen wird, die Touristen würden wenigstens hier einheimische Gastronomie und Geschäfte beglücken. Aber die sind doch alle pappsatt.
    Aufklärung ist notwendig!
    Dein Artikel fasst alles super zusammen. Ich verbreite grad über Facebook.
    Danke für den Beitrag!

    • Hallo liebe Sabine,
      vielen Dank für dein Feedback und ja, du beschreibst leider die traurige Wahrheit. Dank dir für’s Teilen und Verbreiten, denn Aufklärung ist hier einer der wichtigen Wege.
      Viele Grüße und frohe Weihnachten
      Ute

  • Liebe Ute,

    Leider finden sich in deinem Artikel wenig Quellen, die deine Aussagen belegen. Es wäre schön, wenn du diese nennen könntest.
    Auch denke ich, es wäre im Sinne einer fairen Berichterstattung wichtig zu betonen, dass Kreuzfahrten lediglich ein Prozent des weltweiten Schiffsverkehrs ausmachen. Einige Städte – wie Venedig – haben ihren Kreuzfahrthafen an eine Reederei verkauft. Ich denke, dass sollte auch Erwähnung finden..

    • Liebe Catharina,
      du findest bereits eine ganze Menge Links am Ende des Artikels. Wenn du dich intensiver einlesen bzw. das Geschriebene nachlesen möchtest, empfehle ich dir insbesondere das erwähnte Buch „FAIRreisen“ von Frank Herrmann, woraus die meisten der im Artikel Informationen enthalten sind. Im neuen Buch „Wahnsinn Kreuzfahrt“ werden sogar noch weitere haarsträubende Informationen aufgeführt, die nicht in diesem Artikel enthalten sind (Beispiel hier im Artikel der Morgenpost). Abgesehen davon sind die verschiedenen Punkte mit wenigen Klicks umfangreich nachzulesen. Wem ein Hafen gehört, finde ich persönlich völlig uninteressant, da es in dieser akuten Klimakrise darum gehen sollte, erst gar nicht eine Kreuzfahrtreise zu buchen.

      • Leider sind die meisten Quellenangaben nicht mehr verfügbar. Mich würde interessieren, ob diese Zahl von 3 t CO2 für eine 10-tägige Kreuzfahrtreise eine pro Kopf-Angabe ist, oder pro Schiff? Wo finde ich diese Info?

        • Hallo Lena,
          vielen Dank für den Hinweis, ich habe nur einen verwaisten Link gefunden und korrigiert. Es sind pro Kopf-Angaben, ein ganzes Kreuzfahrtschiff dürfte etwa je nach Kapazität 8.000 bis 12.000 t CO2 ausstoßen. Du kannst das explizit ausrechnen z. B. bei myclimate unter https://co2.myclimate.org/de/offset_further_emissions. Zusätzlich müsstest du danach noch den Flug, der wahrscheinlich für den Hin- und Rückflug zum Hafen noch hinzu kommt, dazu addieren.

  • Ich schlage vor, die Meßstationen, die man in den Innenstädten aufstellt, um Fahrverbote bei zu hohen Abgaswerten zu begründen, auch verpflichtend in jeden Hafen zu stellen muß. Dann würden bei dauerhaften Überschreiten der Grenzwerte genügend Druck erzeugt, um zum Beispiel die Kreuzfahrtschiffe mittels Ökostrom zu versorgen. Was in Oslo funktioniert, geht auch anderswo?!?
    Und die WHO könnte sich ja auch mal für ein „gesünderes“ Seerecht starkmachen und die ganze Schweröl-Diskussion beenden: Wenn giftig für Mensch-Tier-Umwelt, dann wenigstens so verteuern, dass alternative Antriebsarten billiger sind.

    • Lieber Harry,
      ich wünschte, es würde überhaupt mal etwas in Sachen Kreuzfahrt passieren, aber Fehlanzeige… Ich hoffe, deine Anregungen gehen mal irgendwann in Erfüllung.
      Viele Grüße!
      Ute

  • Soweit, so richtig.
    ABER:
    Was ist mit den Emissionen vom Löwenanteil der Seeschifffahrt, den Frachtschiffen.? Zu glauben, wenn man die Kreuzschifffahrt verteufelt, sei das Schadstoffproblem gelöst, sagt bewusst die Unwahrheit. Zur Ausbeutung des Personals an Bord: Arbeitsbedingungen/ Lohn müssen auf „deutschen“ Schiffen wie AIDA oder MEIN SCHIFF den Bedingungen für Arbeitnehmer in Deutschland angepasst werden. Das Problem der „Ausflaggung“ muss von der Politik korrigiert werden und damit auch die Umrüstung auf umweltfreundlichere Antriebe!

    • Tachchen,
      deine Frage irritiert mich ein wenig, denn warum sollte ich mit einem Reiseblog über die Seeschifffahrt sprechen? Bei Umweltthemen wird gern auf ein noch größeres Problem hingewiesen, um ein anderes zu relativieren, aber das macht es ja nicht besser. Und immer auf die Politik zu verweisen, die etwas ändern sollte, ist sichtlich seit langem kein eine Farce. Zum Entgelt: Wenn man dem Buch „FAIRreisen“ Glauben schenken darf (und das würde ich einfach mal annehmen), hat kein einziges Kreuzfahrtschiff seinen Hauptsitz in Deutschland und deshalb werden auch keine deutschen Arbeitsverträge geschlossen, was z. B. leicht den Erfahrungsberichten zu AIDA auf Kununu nachzulesen ist. Und besonders schlimm geht es hier ja wie gesagt nicht den deutschen Arbeitnehmern, sondern denen aus Entwicklungsländern, die keine andere Wahl haben.

  • So Ist der Mensch, Fährt mit dem Schiff in die Arktis, um den Klimawandel zu betrachten und seine Kinder im SUV zur Klimademonstration. Und wenn Töchterchen ein Pferdchen will, dass bekommt es es. Stehen bei uns massenweise auf den Weiden rum und langweilen sich, wenn die Damen den Spaß verloren haben.

  • Super, dass du darüber schreibst. Ich hatte auch ursprünglich mal für eine Kreuzfahrt gespart, aber mein Sparziel jetzt aber auf eine Destination abgeändert wo wir sogar mit dem Zug hinfahren können.

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