7 Gründe, die gegen ein E-Bike sprechen

Warum ich mich gegen ein E-Bike entschieden habe - Reiseblog Bravebird

Die ruhige Zeit in der Corona-Pandemie habe ich intensiv dazu genutzt, mich von Überflüssigem zu befreien, von Altem zu lösen und Überholtes gegen Nützlicheres auszutauschen. Zu Letzterem zählte auch der Wechsel zu einem für mich passenderen Fahrrad. Bislang hatte ich zwei sehr unterschiedliche Räder: ein sportliches Bike für Stadt und Land sowie ein Klapprad für Reisen mit dem Auto. Nur passten sie inzwischen nicht mehr so recht zu meinem jetzigen Alltag.

Bei der heutigen, enormen Vielfalt ist die Entscheidung für das passende Fahrrad gar nicht so einfach. Bei all den Überlegungen, in welchen Situationen ich das neue Fahrrad verwenden würde, schien mir ein E-Faltrad die beste Wahl zu sein. Ich könnte es problemlos im Auto, in der Bahn und im Zug mitnehmen, sah mich in den Alpen gazellenhaft bergauf bergab fahren und den 13 kg schweren Hundeanhänger würde ich auch spielend leicht hinter mir herziehen können. Soviel zur Theorie.

In Fahrradläden testete ich die wenigen, qualitativ hochwertigeren Marken der Falt-E-Bikes aus und war danach ziemlich ernüchtert. Moderne Falträder ohne E-Antrieb finde ich nach wie vor superklasse (↠ s. auch meinen Artikel “5 stylische Falträder für Citytrips & Ausflüge“), allerdings habe ich mich aus verschiedenen Gründen am Ende doch für ein klassisches, gebrauchtes Damenrad im Neuzustand entschieden.

Altes Fahrrad gegen ein neues austauschen, aber welches? - Reiseblog Bravebird
Meine beiden bisherigen Fahrräder. Der Vorteil bei hochwertigen Fahrrädern: man kann sie auch nach vielen Jahren bzw. sogar Jahrzehnten noch zu einem sehr guten Preis wieder verkaufen.

Welche Gründe sprechen gegen ein E-Bike oder Pedelec?

In grünen Lifestyle Print- und Online-Magazinen werden sie gerne als tolle Innovation dargestellt, die unsere Zukunft verbessern sollen. Selten gibt es etwas Kritisches zu lesen und in Sachen Nachhaltigkeit wird – wenn überhaupt – meist nur der problematische Umwelt-Aspekt “Akku” angesprochen, der gegen das elektrische Fahrrad spricht; aber da gibt es noch einige weitere Argumente, die man meiner Meinung nach nicht unter den Tisch kehren sollte.

[highlight color=”#a3d7df”]Anmerkung:[/highlight] Wir verwenden hierzulande allgemein den Begriff “E-Bike”, gemeint ist damit allerdings in erster Linie das “Pedelec”, das etwa 90-95% in Deutschland gefahren wird. Ein Pedelec fährt mit Tretunterstützung bis 25 km/h; ein E-Bike gilt eher als Leicht-Mofa, fährt auch ohne Tretleistung, braucht eine Zulassung und kann bis 45 km/h fahren. Da wir das Elektro-Fahrrad gemeinhin als E-Bike bezeichnen, verwende ich im Text beide Wörter; gemeint ist aber in der Regel das Pedelec.

1. Fördert Bequemlichkeit

Mittlerweile gelten 30% der Weltbevölkerung als übergewichtig. In Deutschland sind es lt. RKI 67% der Männer und 53% der Frauen; jeweils ein Viertel ist stark übergewichtig. Dieser Trend wird sich Forschern zufolge zu einem der größten Gesundheitsprobleme der Zukunft entwickeln. Der Hauptgrund liegt hier sicher in schlechter Ernährung, aber natürlich hat sich auch unsere Fortbewegung stark zugunsten der Bequemlichkeit verändert.

Mein inneres Faultierchen ist in den letzten Jahren leider auch immer lauter geworden – und das hat sich u. a. auch bei meiner Figur bemerkbar gemacht. Und hier entsteht letzten Endes ein ungesunder Teufelskreis: je bequemer man wird und je mehr Gewicht man hat, umso weniger gern bewegt man sich und am Ende kommt man nur sehr schwer und langwierig wieder zu seinem früheren Ausgangs- und Wohlfühlgewicht zurück (- wenn überhaupt).

Wenn es eine einfache, günstige und zudem schöne Möglichkeit der Fortbewegung gibt, die das Verbrennen von Kalorien an der frischen Luft ermöglicht, ist das klassische Fahrrad auf jeden Fall das beste Mittel der Wahl. Seit über 200 Jahren bewährt und ein nützliches Utensil für unseren Körper, der gefordert werden sollte, um gesund, agil und fit zu bleiben. Für mich daher der Hauptgrund, mich gegen eine elektrische Unterstützung zu entscheiden.

E-Bike - Ja oder nein? - Reiseblog Bravebird

2. Fördert Ungleichgewicht im Straßenverkehr

Wer gerne auf Uferpromenaden, Feldwegen oder im Wald spazieren geht, wird möglicherweise des Öfteren schonmal die Faust in der Tasche geballt haben, wenn ein wildes Klingeln im Hintergrund zum schnellen Sprung zur Seite auffordert. Während das klassische Fahrrad im Schnitt 15-18 km/h fährt, sind Pedelecs mit bis zu 25 km/h unterwegs und E-Bikes können sogar 45 km/h erreichen.

Deutschland steckt in Sachen Infrastruktur für Radfahrer immer noch in den Kinderschuhen und daher gestaltet sich das Miteinander auf gemeinsam genutzten Rad-, Geh- und Wanderwegen mit derart großen Geschwindigkeits-Unterschieden von Fußgängern, Radfahrern und E-Bikern als äußerst problematisch. Radfahrer haben keinen Vorrang auf gemeinsamen Geh- und Radwegen, stören aber den gemütlichen Spaziergang insbesondere mit Kindern und Hunden zum Teil gewaltig.

Ich bin täglich 2-5 Stunden überwiegend zu Fuß mit meinem Hund in der Natur unterwegs und habe mein eigenes Verhalten bedingt durch die zunehmende Zahl von Radfahrern und E-Bike-Fahrern bereits deutlich verändert. Mich nervt das ständige Anhalten und Passieren lassen extrem, da es mit einem genussvollen Spaziergang nichts mehr zu tun hat. Aus dieser Erfahrung heraus kommt für mich selbst ein Elektro-Fahrrad ebenfalls nicht in Frage.

3. Nicht so wirklich “öko

Die Problematik von Lithium-Ionen-Akkus ist den meisten hinlänglich bekannt. Daher nur in Kürze:

  • Für die Herstellung eines E-Bikes bzw. Pedelecs werden etwa 35% mehr Rohstoffe verwendet als für ein herkömmliches Fahrrad. In Südamerika gibt es regelmäßig Unruhen wegen der Lithium-Gewinnung, da der extrem hohe Verbrauch von Wasser der indigenen Bevölkerung schadet. Der Kobalt-Abbau erfolgt teils illegal und nicht selten durch Kinderhand. Für Akku-Rohstoffe gibt es keine Zertifizierungen oder andere Standards für faire Bedingungen.
  • Die durchschnittliche Lebensdauer der Batterie beträgt je nach Hersteller, Modell und Lagerung 500-1.000 Ladezyklen; nach Angaben von Werkstätten selten mehr als 4 Jahre.
  • Die Akkus können nur zu ca. 50-70% recycelt werden (sofern sie nicht verbotener Weise im Restmüll landen).
  • Ohne Versorgung des Akkus mit Ökostrom kein ökologischer Fortschritt.

Nun ließe sich argumentieren, dass man dann auch auf Handy und Laptop verzichten müsste. Hier sehe ich allerdings den Unterschied, dass Handy und Laptop täglich im Einsatz befindliche Arbeitsgeräte sind; ein Pedelec oder E-Bike hingegen wäre z. B. in meinem Fall ein gelegentlich verwendetes Freizeitgerät, auf das ich verzichten kann, zumal es eine bewährte Alternative ohne Akku gibt.

Unterwegs mit dem Hundeanhänger - Reiseblog Bravebird
Früh morgens jenseits der Massen unterwegs in der Wahner Heide

4. Ein ziemlich teures Vergnügen

Laut Umfragen wären über 75% der Befragten bereit, mehr als 2.000 Euro für ein E-Bike oder Pedelec auszugeben. Die meisten investieren offenbar zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Ein hoher Kaufpreis für ein qualitativ hochwertiges Produkt ist an sich kein Problem, wenn da nicht der enorme Wertverlust wäre. Schon im 1. Jahr verliert das E-Fahrrad etwa 30% an Wert und nach nur drei Jahren kann der Wert um 80% auf einen Bruchteil des Kaufpreises gesunken sein. Speiche24 bietet einen Restwertrechner an.

Hinzu kommen die Wartungskosten, die jährlich bei ca. 300 Euro liegen sollen. Und Reparaturen? Eine Umfrage des Versicherers Wertgarantie in Kooperation mit Statista in 2020 ergab: rund 20% der befragten E-Bike-Fahrer beklagten technische Defekte (Akku, Motor, Display); knapp 16% hatten Schäden durch Unfälle. Den Akku sollte man nach einem Unfall austauschen zur Vorbeugung der Gefahr einer Selbstentzündung. Ein neuer Akku kostet ab 500 Euro aufwärts.

Mit meinem bekannten Reiseblog ein hochwertiges Pedelec kostenfrei gesponsert zu bekommen, ist relativ unproblematisch. Nur muss ich mir – abgesehen vom Eigennutz – die Frage stellen, ob ich Werbung für einen Trend machen möchte, den ich nicht für 100% sinnvoll erachte. Die Frage habe ich mit einem “Nein” beantwortet. Hier übrigens ein interessanter Beitrag eines Fahrradhändlers, der heute trotz finanzieller Einbußen keine E-Bikes mehr vertreibt.

5. Eine höhere Unfallgefahr

Fahrradfahrer:innen sind ohnehin bereits die gefährdetsten Verkehrsteilnehmer. Nach einer Studie der Allianz Versicherung in 2019 haben Elektro-Fahrräder darüber hinaus eine deutlich höhere Unfallquote. Die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Unfalls soll demnach bei einer Fahrt auf dem E-Bike 3x höher sein als auf einem normalen Fahrrad ohne Motor. Lt. Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der auf einem Pedelec verunglückten Personen im Frühjahr 2020 im Vergleich zum Frühjahr 2019 um etwa 52% an.

Wenn E-Bike-Fahrer verunfallen, geschieht dies lt. Statistik oft bei einem Alleinunfall. Gründe dafür werden u. a. in der höheren Geschwindigkeit, dem höheren Gewicht, der anderen Bremstechnik und psychomotorischen Defiziten vermutet. Dann gibt es natürlich bei uns noch die vielen maroden Straßen und Radwege mit Unebenheiten, Löchern und Dellen, die insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten zu gefährlichen Stürzen führen können.

Die statistisch nicht erfassten, milderen Unfälle wie Umkippen, Ausrutschen sowie Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern und Fußgängern dürften um ein Vielfaches höher sein als die vorliegende Statistik. Man gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.

Verkehrsunfälle mit E-Bikes und Pedelecs 2020 - Reiseblog Bravebird

6. Hohes Gewicht

Während ein normales Fahrrad im Durchschnitt um die 11-15 kg wiegt, können Pedelecs und E-Bikes schonmal 20-25 kg auf die Waage bringen. Wenn man keine Garage hat und das Elektrofahrrad im Keller oder in der Wohnung ohne Aufzug unterstellen muss, kann das auf Dauer eine ziemlich sportliche Angelegenheit werden. Auch in den Kofferraum des Kombis legen ist dann nicht mehr ganz so einfach, sofern der Akku sich nicht separat abnehmen lassen sollte.

Meine ursprüngliche Idee, ein E-Faltrad für die Reise im Zug, Bus und Auto mitzunehmen, schlug bei meinen Tests im Fahrradladen fehl, denn ein 20 kg schweres – wenn auch klein gefaltetes – Fahrrad neben meinem Koffer, einem Rucksack und ggf. noch meinem Hund mit Hundebox zu transportieren ist schlichtweg nicht praktikabel. Auch ein klassisches Pedelec oder E-Bike im Zug mitzunehmen ist gar nicht so einfach, denn es muss ohne Hilfe des Zugpersonals in den Zug ein- und ausgeladen werden können.

Im Flugzeug ist die Mitnahme eines Fahrrads mit E-Antrieb wegen möglicher Brandgefahr bei den meisten Airlines untersagt. Manche schicken den Akku separat per Post ans Reiseziel, was allerdings auch nochmal mit Kosten verbunden und zudem umständlich ist. Also alles in allem ist das hohe Gewicht in vielen Fällen lästig und abgesehen davon muss ich natürlich auch ständig den Akku herumtragen, um ihn irgendwo laden zu können. Vom Laden in der Wohnung raten Experten wegen Brandgefahr ab.

7. Weniger echter Genuss

Immer häufiger frage ich mich, wo wir als Gesellschaft eigentlich genau hin wollen mit unserem ständig steigenden Tempo. Schnelle Computer und das Internet nehmen uns viel Arbeit ab, aber wir müssen dafür im Gegensatz zu früher um ein Vielfaches mehr leisten – in derselben Zeit. Viele Menschen fühlen sich dadurch überfordert. Jeder dritte Verkehrstote stirbt durch zu hohe Geschwindigkeit. Fast Food hat kaum Nährstoffe und zu viele Kalorien. Also was bringt die Schnelligkeit in unserem Alltag?

Klar ist es effizient, wenn wir das E-Bike für den täglichen Arbeitsweg nutzen können. Nur wird lt. Statistik das E-Bike bzw. Pedelec von mehr als 75% aller Besitzer:innen in der Freizeit genutzt und hier frage ich mich, wie uns die Schnelligkeit weiterbringen soll. Die Natur ist so ein großes Geschenk an uns und ist es da nicht sinnvoll, wenn wir sie aufmerksam und langsam mit allen Sinnen genießen als nur schnell mal durchzufahren?

Erfreulicher Weise wächst die Zahl der Menschen, die feststellen, dass das Motto “Höher, Schneller, Weiter” nicht das große Glück verspricht. Eine schöne Hör-/Buchempfehlung wäre hier »Mythos Überforderung« von Michael Winterhoff.

Rheinpromenade Knotenpunkt für Fußgänger und Radfahrer - Reiseblog Bravebird
Ein beliebter Geh- und Radweg in Köln am Rhein. Den nur etwa 3 m schmalen Weg müssen sich bei schönem Wetter besonders an Wochenenden hunderte Fußgänger, Kinder, Senioren mit Rollatoren, Skater, E-Scooter mit Rad- und Pedelec-Fahrern mit Geschwindigkeiten von bis zu 25 km/h teilen – und das in zwei Richtungen!

Zusammenfassung

Wie bei vielen der heutigen technischen “Innovationen” sehe ich im E-Bike oder Pedelec keine wirkliche Errungenschaft, die 1.) den Verkehr signifikant verbessert oder 2.) erheblich zum Umweltschutz beiträgt. Laut Umfragen nutzen mehr als 75% ihr Elektrofahrrad in der Freizeit und nicht z. B. als vollständigen Ersatz für das Auto, wodurch es sich in erster Linie nur um ein zusätzliches Verkehrsmittel mit Lithium-Ionen-Akku handeln dürfte.

Wenn ein E-Bike lediglich ein normales Fahrrad oder den Spaziergang ersetzt, hat es keinen Umweltnutzen; durch den Stromverbrauch des Akkus ist sogar das Gegenteil der Fall. Und da unsere Straßen ursprünglich weder für die wachsende Anzahl überbreiter SUVs noch für regen, schnellen Radverkehr ausgelegt sind, kann hier ein E-Bike aktuell nicht viel verbessern. Im Wald, auf gemütlichen Wanderwegen und auf Promenaden sind überdurchschnittlich schnelle Radfahrer störend für Fußgänger.

Kurzum: Warum bleibe ich beim klassischen Fahrrad?

  • Ich bin körperlich fit und gesund, wohne in einer flachen Region und brauche daher keine zusätzliche elektronische Unterstützung.
  • Es ist ein zusätzliches Verkehrsmittel und Freizeitgerät für mich und das sollte ohne Lithium-Ionen-Akku auskommen.
  • Ein leichtes Fahrrad bekomme ich ohne große Anstrengung in den Kofferraum oder auf den Heck-Gepäckträger.
  • Ich bin mit dem Fahrrad fast nur in der Natur unterwegs und da möchte ich langsam und bewusst unterwegs sein.
  • Meinem Hund würde ich schnelleres Fahren bis 25 km/h nicht zumuten.
  • Geringer zu erwartender Wertverlust, auch nach vielen Jahren.
  • Geringe Reparatur- und Wartungskosten.
  • Bestmöglich in Harmonie mit Fußgängern unterwegs.
  • Kann in Zug, Bahn und Flugzeug mitgenommen werden.
  • Auf Reisen oder in den Bergen würde ich mir mit dem Leihen eines Pedelecs eine exklusive Freude machen und dadurch u. a. mit diesem Beitrag ein kleines, lokales Unternehmen unterstützen.

Noch 3 Fahrrad-Tipps

  1. Wenn dein Elektrofahrrad (oder das deiner Eltern) schon länger im Keller steht, weil es doch nicht gefahren wird, verkaufe es am besten zeitnah, z. B. über Ebay Kleinanzeigen. Damit vermeidest du einen noch höheren Wertverlust, der Akku kann weiter genutzt werden und durch den Kauf deines gebrauchten Fahrrads wird möglicherweise der Kauf eines neuen E-Bikes vermieden.
  2. Achte bei deiner Hausratversicherung darauf, dass dein Fahrrad bei einem Diebstahl nicht nur dann versichert ist, wenn es im Keller untergebracht war, sondern auch draußen bei angemessener Sicherung durch ein Fahrradschloss.
  3. Notiere die Rahmennummer, damit dein Fahrrad bei einem Diebstahl identifiziert werden kann. Eine Hilfestellung gibt hier die Fahrradpass-App der Polizei. Einfach downloaden und Daten eintragen: App-Store oder Google Play Store.
Zeige Kommentare (11)
  • Liebe Ute,
    vielen Dank für einen weiteren tollen Artikel und kritischen Blick in unsere Gegenwart. Mir stellt sich schon lange die Frage bei dem ganzen “E-Wahnsinn”, für wen oder was das gut ist. Hier wird auf Kosten anderer (Menschen) ein grünes Gewissen verkauft, selten stellt sich jemand die Frage, unter welchen Bedingungen E-Bikes- E-Autos etc. hergestellt werden bzw. unter welchen menschenverachtenden Umständen die Rohstoffe “gewonnen” werden und wieviel Sondermüll mit jedem Kauf produziert wird. Wir haben auch vor Jahren, als unsere Fahrräder bei der Inspektion waren, einmal eines Probe gefahren, außer dass man schneller unterwegs ist, fanden wir keinen Grund, der einen Tausch gerechtfertigt hätte.

    Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind wichtig, keine Frage, aber jeder muss für sich die Frage beantworten, ob mit diesem Kauf (gleich, um welchen Gegenstand es sich handelt), etwas für die Umwelt getan oder die Umwelt zusätzlich belastet wird.

    Viele Grüße Joachim

    • Lieber Joachim,
      vielen Dank für deine Sichtweise und Beschreibung, die es auf den Punkt bringt. Bei der Recherche zu diesem Artikel war ich überrascht, wie stark das “E-” in Zeitschriften, Magazinen, Sendungen etc. unreflektiert als das moderne Non-Plus-Ultra vermittelt wird. Eine Entwicklung, die sich – glaube ich – nicht mehr aufhalten lassen wird.
      Ich wünsche dir/euch weiterhin gute Fahrt und bis bald mal wieder!
      Viele Grüße
      Ute

  • Danke für den wirklich tollen Beitrag, es macht mir immer ein große Freude, etwas von Dir zu lesen.

    In Sachen Pedelec sehe ich das persönlich für mich eigentlich kaum anders, als Du. So lange es meine Beine hergeben, brauche ich kein E-Fietz. Und meinen Anhänger ziehe ich auch zum und vom Baumarkt – kein Ding. Allerdings glaube ich schon, das die deutlich übergewichtige Gesellschaft mit einem Pedelec eine sehr niedrige Eintrittsschwelle bekommt, sich überhaupt zu bewegen. Frag einen Hausarzt. Jeder wird Dir sagen, das egal welche Art der Bewegung – und sei es elektrisch gestützte – besser ist, als keine.

    Und jeder, der dafür seine 1,5t Blech stehen lässt, ist ein Gewinn. Ich weiß, das sind leider nur ¼ der Pedelec-Besitzer. Es ist besser als nichts *seufz*. Vielleicht ist es aber gar nicht so finster, wie die Zahl glauben machen möchte? Der e-Mountainbiker vom Wochenende fährt vielleicht mit seinem normalen Fahrrad werktags zu Arbeit? Vielleicht lässt endlich die Autodummheit nach. Muss einem doch auffallen, das man im Berufsverkehr ständig von Fahrrädern überholt wird?!

    Grüße vom naiven Träumer ;)

    • Hallo Stephan,
      sorry für meine späte Rückmeldung und Danke für deine reflektierte Sichtweise! Auf jeden Fall gibt es für das E-Bike oder Pedelec verschiedene sinnvolle Einsatzbereiche und je mehr es das Auto ersetzt, umso besser. In Bezug auf die diversen Problemfelder besonders im Verkehr (Straßen, Radwege etc.) bin ich jedoch leider eher skeptisch, dass sich diesbezüglich etwas positiv verändern wird. Aber ich wohne natürlich auch in einer Großstadt im bevölkerungsreichsten Bundesland und sollte daher vielleicht in Betracht ziehen, nach MeckPomm zu ziehen mit viiiel Platz um mich herum :)
      Freue mich auf weitere Beiträge von dir, bleib’ weiterhin gesund und viele Grüße
      Ute

  • moin Ute,
    ein ambitionierter Beitrag, vielen Dank dafür. Jetzt weiß ich warum du ein E Bike zweifelhaft findest und das finde ich verständlich. Jedoch…

    Man wird durch das Bike fahren nicht zum besseren Menschen, aber es passiert etwas mit dir.
    Ich gleite anstrengungslos voller Genuss durch die Landschaft freue mich auf die mit Leichtigkeit genommene Hürde des Hügels mit Ausblick. Wunderbar! Spaziergänger und Hundebesitzer begegne ich rücksichtsvoll und bedanke mich, wenn sie, wie ich, Rücksicht nehmen.
    Der Gegenwind ist mein Freund geworden, ich spüre seine Kraft und er nimmt es gelassen wenn er mich kraftvoll umspült und an mir zupft. Anstrengungslos ist diese Begegnung nicht, jedoch fordert sie keine Reserven und so fällt mir die Betrachtung dieses Erlebnisses leicht und ein besonderer Moment entsteht.- Den Rückenwind empfinde ich als Windstille. Nun sind wir gleichauf in der Geschwindigkeit und Unebenheiten an denen die Luft verwirbelt und das mir zugeneigte Gras haben meine Aufmerksamkeit. Ein kleiner Vogel begleitet mich und teilt den Eindruck des sich tragen Lassens, in der Bewegung dieser riesigen Menge Luft. Ein kleiner Anteil davon im Reifen ist ausreichend um mitzumachen

    (Absatz gestrichen, weil knackiger gefragt)

    • Hi Arne,
      vielen Dank für deine Sichtweise. Ich bin überrascht, dass diese genüsslichen Eindrücke offenbar mit einem normalen Fahrrad nicht erreichbar sein sollen; kann ich jedenfalls für mich nicht bestätigen. In einer Werbung auf Instagram wurde mir heute ein T-Shirt mit einem Fahrrad-Print angezeigt mit der Aufschrift “Warum ich ohne Akku Fahre? Weil ich es kann” – und musste schmunzeln ;)
      Wünsche dir weiterhin gute Fahrt und viele Grüße
      Ute

        • Steht auch im Text: Laptop Arbeitsgerät (täglich viele Stunden im Einsatz) – ein E-Bike oder Pedelec gelegentliches Freizeitgerät, bei den meisten Menschen Zusatz zum Auto und Menschen sind 200 Jahre lang ohne Akku beim Rad ausgekommen ;)

          • Stimmt. Aber es fehlt auch etwas:
            Unangestrengtes Radfahren kann einfach mehr. Es setzt Kräfte frei, die eben sonst nicht genutzt werden können.
            Ein Tausch der Kräfte der Sinn macht. Und genau wie auf deinem T-Shirt: weil ich es kann, schalte ich mein Akku an…

          • Nur leider setzt auch dieses Argument nicht die sozialen (solidarischen), ökologischen und sicherheitstechnischen Defizite außer Kraft.

          • Ok, zum Glück lebe ich nicht wie vor 200 Jahren, aber wenn es für dich anstrebenswert ist…
            Zum Abschluss noch ein Update deiner Thesen:
            E- Bikes mobilisieren dicke junge alte und schwache, wiegen mittlerweile soviel wie ein normales Fahrrad 15kg und kosten 1000,- € (sushibike), können auch ein Arbeitgerärt sein und haben das Potential entspannt zur Verbesserung des menschlichen Wohlbefindens und somit ein kleines bisschen auch zur Verbesserung unserer Welt beizutragen.
            Ich danke dir für deine Zeilen.
            Ich habe etwas über Bloggerinnen dazugelernt…

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