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7 Gründe, die gegen ein E-Bike sprechen

7 Gründe, die gegen ein E-Bike sprechen

Warum ich mich gegen ein E-Bike entschieden habe - Reiseblog Bravebird

Die ruhige Zeit in der Corona-Pandemie habe ich intensiv dazu genutzt, mich von Überflüssigem zu befreien, von Altem zu lösen und Überholtes gegen Nützlicheres auszutauschen. Zu Letzterem zählte auch der Wechsel zu einem für mich passenderen Fahrrad. Bislang hatte ich zwei sehr unterschiedliche Räder: ein sportliches Bike für Stadt und Land sowie ein Klapprad für Reisen mit dem Auto. Nur passten sie inzwischen nicht mehr so recht zu meinem jetzigen Alltag.

Bei der heutigen, enormen Vielfalt ist die Entscheidung für das passende Fahrrad gar nicht so einfach. Bei all den Überlegungen, in welchen Situationen ich das neue Fahrrad verwenden würde, schien mir ein E-Faltrad die beste Wahl zu sein. Ich könnte es problemlos im Auto, in der Bahn und im Zug mitnehmen, sah mich in den Alpen gazellenhaft bergauf bergab fahren und den 13 kg schweren Hundeanhänger würde ich auch spielend leicht hinter mir herziehen können. Soviel zur Theorie.

In Fahrradläden testete ich die wenigen, qualitativ hochwertigeren Marken der Falt-E-Bikes aus und war danach ziemlich ernüchtert. Moderne Falträder ohne E-Antrieb finde ich nach wie vor superklasse (↠ s. auch meinen Artikel „5 stylische Falträder für Citytrips & Ausflüge„), allerdings habe ich mich aus verschiedenen Gründen am Ende doch für ein klassisches, gebrauchtes Damenrad im Neuzustand entschieden.

Altes Fahrrad gegen ein neues austauschen, aber welches? - Reiseblog Bravebird
Meine beiden bisherigen Fahrräder. Der Vorteil bei hochwertigen Fahrrädern: man kann sie auch nach vielen Jahren bzw. sogar Jahrzehnten noch zu einem sehr guten Preis wieder verkaufen.

Welche Gründe sprechen gegen ein E-Bike oder Pedelec?

In grünen Lifestyle Print- und Online-Magazinen werden sie gerne als tolle Innovation dargestellt, die unsere Zukunft verbessern sollen. Selten gibt es etwas Kritisches zu lesen und in Sachen Nachhaltigkeit wird – wenn überhaupt – meist nur der problematische Umwelt-Aspekt „Akku“ angesprochen, der gegen das elektrische Fahrrad spricht; aber da gibt es noch einige weitere Argumente, die man meiner Meinung nach nicht unter den Tisch kehren sollte.

Anmerkung: Wir verwenden hierzulande allgemein den Begriff „E-Bike“, gemeint ist damit allerdings in erster Linie das „Pedelec“, das etwa 90-95% in Deutschland gefahren wird. Ein Pedelec fährt mit Tretunterstützung bis 25 km/h; ein E-Bike gilt eher als Leicht-Mofa, fährt auch ohne Tretleistung, braucht eine Zulassung und kann bis 45 km/h fahren. Da wir das Elektro-Fahrrad gemeinhin als E-Bike bezeichnen, verwende ich im Text beide Wörter; gemeint ist aber in der Regel das Pedelec.

1. Es fördert Bequemlichkeit

Mittlerweile gelten 30% der Weltbevölkerung als übergewichtig. In Deutschland sind es lt. RKI 67% der Männer und 53% der Frauen; jeweils ein Viertel ist stark übergewichtig. Dieser Trend wird sich Forschern zufolge zu einem der größten Gesundheitsprobleme der Zukunft entwickeln. Der Hauptgrund liegt hier sicher in schlechter Ernährung, aber natürlich hat sich auch unsere Fortbewegung stark zugunsten der Bequemlichkeit verändert.

Mein inneres Faultierchen ist in den letzten Jahren leider auch immer lauter geworden – und das hat sich u. a. auch bei meiner Figur bemerkbar gemacht. Und hier entsteht letzten Endes ein ungesunder Teufelskreis: je bequemer man wird und je mehr Gewicht man hat, umso weniger gern bewegt man sich und am Ende kommt man nur sehr schwer und langwierig wieder zu seinem früheren Ausgangs- und Wohlfühlgewicht zurück (- wenn überhaupt).

Wenn es eine einfache, günstige und zudem schöne Möglichkeit der Fortbewegung gibt, die das Verbrennen von Kalorien an der frischen Luft ermöglicht, ist das klassische Fahrrad auf jeden Fall das beste Mittel der Wahl. Seit über 200 Jahren bewährt und ein nützliches Utensil für unseren Körper, der gefordert werden sollte, um gesund, agil und fit zu bleiben. Für mich daher der Hauptgrund, mich gegen eine elektrische Unterstützung zu entscheiden.

E-Bike - Ja oder nein? - Reiseblog Bravebird

2. Es fördert Ungleichgewicht im Straßenverkehr

Wer gerne auf Uferpromenaden, Feldwegen oder im Wald spazieren geht, wird möglicherweise des Öfteren schonmal die Faust in der Tasche geballt haben, wenn ein wildes Klingeln im Hintergrund zum schnellen Sprung zur Seite auffordert. Während das klassische Fahrrad im Schnitt 15-18 km/h fährt, sind Pedelecs mit bis zu 25 km/h unterwegs und E-Bikes können sogar 45 km/h erreichen.

Deutschland steckt in Sachen Infrastruktur für Radfahrer immer noch in den Kinderschuhen und daher gestaltet sich das Miteinander auf gemeinsam genutzten Rad-, Geh- und Wanderwegen mit derart großen Geschwindigkeits-Unterschieden von Fußgängern, Radfahrern und E-Bikern als äußerst problematisch. Radfahrer haben keinen Vorrang auf gemeinsamen Geh- und Radwegen, stören aber den gemütlichen Spaziergang insbesondere mit Kindern und Hunden zum Teil gewaltig.

Ich bin täglich 2-5 Stunden überwiegend zu Fuß mit meinem Hund in der Natur unterwegs und habe mein eigenes Verhalten bedingt durch die zunehmende Zahl von Radfahrern und E-Bike-Fahrern bereits deutlich verändert. Mich nervt das ständige Anhalten und Passieren lassen extrem, da es mit einem genussvollen Spaziergang nichts mehr zu tun hat. Aus dieser Erfahrung heraus kommt für mich selbst ein Elektro-Fahrrad ebenfalls nicht in Frage.

3. Es ist nicht so wirklich „öko

Die Problematik von Lithium-Ionen-Akkus ist den meisten hinlänglich bekannt. Daher nur in Kürze:

  • Für die Herstellung eines E-Bikes bzw. Pedelecs werden etwa 35% mehr Rohstoffe verwendet als für ein herkömmliches Fahrrad. In Südamerika gibt es regelmäßig Unruhen wegen der Lithium-Gewinnung, da der extrem hohe Verbrauch von Wasser der indigenen Bevölkerung schadet. Der Kobalt-Abbau erfolgt teils illegal und nicht selten durch Kinderhand. Für Akku-Rohstoffe gibt es keine Zertifizierungen oder andere Standards für faire Bedingungen.
  • Die durchschnittliche Lebensdauer der Batterie beträgt je nach Hersteller, Modell und Lagerung 500-1.000 Ladezyklen; nach Angaben von Werkstätten selten mehr als 4 Jahre.
  • Die Akkus können nur zu ca. 50-70% recycelt werden (sofern sie nicht verbotener Weise im Restmüll landen).
  • Ohne Versorgung des Akkus mit Ökostrom kein ökologischer Fortschritt.

Nun ließe sich argumentieren, dass man dann auch auf Handy und Laptop verzichten müsste. Hier sehe ich allerdings den Unterschied, dass Handy und Laptop täglich im Einsatz befindliche Arbeitsgeräte sind; ein Pedelec oder E-Bike hingegen wäre z. B. in meinem Fall ein gelegentlich verwendetes Freizeitgerät, auf das ich verzichten kann, zumal es eine bewährte Alternative ohne Akku gibt.

Unterwegs mit dem Hundeanhänger - Reiseblog Bravebird
Früh morgens jenseits der Massen unterwegs in der Wahner Heide

4. Es ist ein ziemlich teures Vergnügen

Laut Umfragen wären über 75% der Befragten bereit, mehr als 2.000 Euro für ein E-Bike oder Pedelec auszugeben. Die meisten investieren offenbar zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Ein hoher Kaufpreis für ein qualitativ hochwertiges Produkt ist an sich kein Problem, wenn da nicht der enorme Wertverlust wäre. Schon im 1. Jahr verliert das E-Fahrrad etwa 30% an Wert und nach nur drei Jahren kann der Wert um 80% auf einen Bruchteil des Kaufpreises gesunken sein. Speiche24 bietet einen Restwertrechner an.

Hinzu kommen die Wartungskosten, die jährlich bei ca. 300 Euro liegen sollen. Und Reparaturen? Eine Umfrage des Versicherers Wertgarantie in Kooperation mit Statista in 2020 ergab: rund 20% der befragten E-Bike-Fahrer beklagten technische Defekte (Akku, Motor, Display); knapp 16% hatten Schäden durch Unfälle. Den Akku sollte man nach einem Unfall austauschen zur Vorbeugung der Gefahr einer Selbstentzündung. Ein neuer Akku kostet ab 500 Euro aufwärts.

Mit meinem bekannten Reiseblog ein hochwertiges Pedelec kostenfrei gesponsert zu bekommen, ist relativ unproblematisch. Nur muss ich mir – abgesehen vom Eigennutz – die Frage stellen, ob ich Werbung für einen Trend machen möchte, den ich nicht für 100% sinnvoll erachte. Die Frage habe ich mit einem „Nein“ beantwortet. Hier übrigens ein interessanter Beitrag eines Fahrradhändlers, der heute trotz finanzieller Einbußen keine E-Bikes mehr vertreibt.

5. Es verursacht eine höhere Unfallgefahr

Fahrradfahrer:innen sind ohnehin bereits die gefährdetsten Verkehrsteilnehmer. Nach einer Studie der Allianz Versicherung in 2019 haben Elektro-Fahrräder darüber hinaus eine deutlich höhere Unfallquote. Die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Unfalls soll demnach bei einer Fahrt auf dem E-Bike 3x höher sein als auf einem normalen Fahrrad ohne Motor. Lt. Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der auf einem Pedelec verunglückten Personen im Frühjahr 2020 im Vergleich zum Frühjahr 2019 um etwa 52% an.

Wenn E-Bike-Fahrer verunfallen, geschieht dies lt. Statistik oft bei einem Alleinunfall. Gründe dafür werden u. a. in der höheren Geschwindigkeit, dem höheren Gewicht, der anderen Bremstechnik und psychomotorischen Defiziten vermutet. Dann gibt es natürlich bei uns noch die vielen maroden Straßen und Radwege mit Unebenheiten, Löchern und Dellen, die insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten zu gefährlichen Stürzen führen können.

Die statistisch nicht erfassten, milderen Unfälle wie Umkippen, Ausrutschen sowie Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmern und Fußgängern dürften um ein Vielfaches höher sein als die vorliegende Statistik. Man gefährdet nicht nur sich selbst, sondern auch andere Verkehrsteilnehmer.

Verkehrsunfälle mit E-Bikes und Pedelecs 2020 - Reiseblog Bravebird

6. Es hat ein hohes Gewicht

Während ein normales Fahrrad im Durchschnitt um die 11-15 kg wiegt, können Pedelecs und E-Bikes schonmal 20-25 kg auf die Waage bringen. Wenn man keine Garage hat und das Elektrofahrrad im Keller oder in der Wohnung ohne Aufzug unterstellen muss, kann das auf Dauer eine ziemlich sportliche Angelegenheit werden. Auch in den Kofferraum des Kombis legen ist dann nicht mehr ganz so einfach, sofern der Akku sich nicht separat abnehmen lassen sollte.

Meine ursprüngliche Idee, ein E-Faltrad für die Reise im Zug, Bus und Auto mitzunehmen, schlug bei meinen Tests im Fahrradladen fehl, denn ein 20 kg schweres – wenn auch klein gefaltetes – Fahrrad neben meinem Koffer, einem Rucksack und ggf. noch meinem Hund mit Hundebox zu transportieren ist schlichtweg nicht praktikabel. Auch ein klassisches Pedelec oder E-Bike im Zug mitzunehmen ist gar nicht so einfach, denn es muss ohne Hilfe des Zugpersonals in den Zug ein- und ausgeladen werden können.

Im Flugzeug ist die Mitnahme eines Fahrrads mit E-Antrieb wegen möglicher Brandgefahr bei den meisten Airlines untersagt. Manche schicken den Akku separat per Post ans Reiseziel, was allerdings auch nochmal mit Kosten verbunden und zudem umständlich ist. Also alles in allem ist das hohe Gewicht in vielen Fällen lästig und abgesehen davon muss ich natürlich auch ständig den Akku herumtragen, um ihn irgendwo laden zu können. Vom Laden in der Wohnung raten Experten wegen Brandgefahr ab.

7. Es bringt weniger echten Genuss

Immer häufiger frage ich mich, wo wir als Gesellschaft eigentlich genau hin wollen mit unserem Tempo-Wahnsinn. Schnelle Computer und das Internet nehmen uns viel Arbeit ab, aber wir müssen dafür im Gegensatz zu früher um ein Vielfaches mehr leisten – in derselben Zeit. Viele Menschen fühlen sich dadurch überfordert. Jeder dritte Verkehrstote stirbt durch zu hohe Geschwindigkeit. Fast Food hat kaum Nährstoffe und zu viele Kalorien. Also was bringt die Schnelligkeit in unserem Alltag?

Klar ist es effizient, wenn wir das E-Bike für den täglichen Arbeitsweg nutzen können. Nur wird lt. Statistik das E-Bike bzw. Pedelec von mehr als 75% aller Besitzer:innen in der Freizeit genutzt und hier frage ich mich, wie uns die Schnelligkeit weiterbringen soll.

Die Natur ist so ein großes Geschenk an uns und ist es da nicht sinnvoll, wenn wir sie aufmerksam und langsam mit allen Sinnen genießen als nur schnell mal durchzufahren? Erfreulicher Weise wächst die Zahl der Menschen, die feststellen, dass das Motto „Höher, Schneller, Weiter“ nicht das große Glück verspricht.

Rheinpromenade Knotenpunkt für Fußgänger und Radfahrer - Reiseblog Bravebird
Ein beliebter Geh- und Radweg in Köln am Rhein. Den nur etwa 3 m schmalen Weg müssen sich bei schönem Wetter besonders an Wochenenden hunderte Fußgänger, Kinder, Senioren mit Rollatoren, Skater, E-Scooter mit Rad- und Pedelec-Fahrern mit Geschwindigkeiten von bis zu 25 km/h teilen – und das in zwei Richtungen!

Zusammenfassung

Wie bei vielen der heutigen technischen „Innovationen“ sehe ich im E-Bike oder Pedelec keine wirkliche Errungenschaft, die 1.) den Verkehr signifikant verbessert oder 2.) erheblich zum Umweltschutz beiträgt. Laut Umfragen nutzen mehr als 75% ihr Elektrofahrrad in der Freizeit und nicht z. B. als vollständigen Ersatz für das Auto, wodurch es sich in erster Linie nur um ein zusätzliches Verkehrsmittel mit Lithium-Ionen-Akku handeln dürfte.

Wenn ein E-Bike lediglich ein normales Fahrrad oder den Spaziergang ersetzt, hat es keinen Umweltnutzen; durch den Stromverbrauch des Akkus ist sogar das Gegenteil der Fall. Und da unsere Straßen ursprünglich weder für die wachsende Anzahl überbreiter SUVs noch für regen, schnellen Radverkehr ausgelegt sind, kann hier ein E-Bike aktuell nicht viel verbessern. Im Wald, auf gemütlichen Wanderwegen und auf Promenaden sind überdurchschnittlich schnelle Radfahrer störend für Fußgänger.

Kurzum: Warum bleibe ich selbst beim klassischen Fahrrad?

  • Ich bin körperlich fit und gesund, wohne in einer flachen Region und brauche daher keine zusätzliche elektronische Unterstützung.
  • Es ist ein zusätzliches Verkehrsmittel und Freizeitgerät für mich und das sollte ohne Lithium-Ionen-Akku auskommen.
  • Ein leichtes Fahrrad bekomme ich ohne große Anstrengung in den Kofferraum oder auf den Heck-Gepäckträger.
  • Ich bin mit dem Fahrrad fast nur in der Natur unterwegs und da möchte ich langsam und bewusst unterwegs sein.
  • Meinem Hund würde ich schnelleres Fahren bis 25 km/h nicht zumuten.
  • Geringer zu erwartender Wertverlust, auch nach vielen Jahren.
  • Geringe Reparatur- und Wartungskosten.
  • Bestmöglich in Harmonie mit Fußgängern unterwegs.
  • Kann in Zug, Bahn und Flugzeug mitgenommen werden.
  • Auf Reisen oder in den Bergen würde ich mir mit dem Leihen eines Pedelecs eine exklusive Freude machen und dadurch u. a. mit diesem Beitrag ein kleines, lokales Unternehmen unterstützen.

Noch 3 Fahrrad-Tipps

  1. Wenn dein Elektrofahrrad (oder das deiner Eltern) schon länger im Keller steht, weil es doch nicht gefahren wird, verkaufe es am besten zeitnah, z. B. über Ebay Kleinanzeigen. Damit vermeidest du einen noch höheren Wertverlust, der Akku kann weiter genutzt werden und durch den Kauf deines gebrauchten Fahrrads wird möglicherweise der Kauf eines neuen E-Bikes vermieden.
  2. Achte bei deiner Hausratversicherung darauf, dass dein Fahrrad bei einem Diebstahl nicht nur dann versichert ist, wenn es im Keller untergebracht war, sondern auch draußen bei angemessener Sicherung durch ein Fahrradschloss.
  3. Notiere die Rahmennummer, damit dein Fahrrad bei einem Diebstahl identifiziert werden kann. Eine Hilfestellung gibt hier die Fahrradpass-App der Polizei. Einfach downloaden und Daten eintragen: App-Store oder Google Play Store.

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Zeige Kommentare (30)
  • Liebe Ute,
    vielen Dank für einen weiteren tollen Artikel und kritischen Blick in unsere Gegenwart. Mir stellt sich schon lange die Frage bei dem ganzen „E-Wahnsinn“, für wen oder was das gut ist. Hier wird auf Kosten anderer (Menschen) ein grünes Gewissen verkauft, selten stellt sich jemand die Frage, unter welchen Bedingungen E-Bikes- E-Autos etc. hergestellt werden bzw. unter welchen menschenverachtenden Umständen die Rohstoffe „gewonnen“ werden und wieviel Sondermüll mit jedem Kauf produziert wird. Wir haben auch vor Jahren, als unsere Fahrräder bei der Inspektion waren, einmal eines Probe gefahren, außer dass man schneller unterwegs ist, fanden wir keinen Grund, der einen Tausch gerechtfertigt hätte.

    Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind wichtig, keine Frage, aber jeder muss für sich die Frage beantworten, ob mit diesem Kauf (gleich, um welchen Gegenstand es sich handelt), etwas für die Umwelt getan oder die Umwelt zusätzlich belastet wird.

    Viele Grüße Joachim

    • Lieber Joachim,
      vielen Dank für deine Sichtweise und Beschreibung, die es auf den Punkt bringt. Bei der Recherche zu diesem Artikel war ich überrascht, wie stark das „E-“ in Zeitschriften, Magazinen, Sendungen etc. unreflektiert als das moderne Non-Plus-Ultra vermittelt wird. Eine Entwicklung, die sich – glaube ich – nicht mehr aufhalten lassen wird.
      Ich wünsche dir/euch weiterhin gute Fahrt und bis bald mal wieder!
      Viele Grüße
      Ute

  • Danke für den wirklich tollen Beitrag, es macht mir immer ein große Freude, etwas von Dir zu lesen.

    In Sachen Pedelec sehe ich das persönlich für mich eigentlich kaum anders, als Du. So lange es meine Beine hergeben, brauche ich kein E-Fietz. Und meinen Anhänger ziehe ich auch zum und vom Baumarkt – kein Ding. Allerdings glaube ich schon, das die deutlich übergewichtige Gesellschaft mit einem Pedelec eine sehr niedrige Eintrittsschwelle bekommt, sich überhaupt zu bewegen. Frag einen Hausarzt. Jeder wird Dir sagen, das egal welche Art der Bewegung – und sei es elektrisch gestützte – besser ist, als keine.

    Und jeder, der dafür seine 1,5t Blech stehen lässt, ist ein Gewinn. Ich weiß, das sind leider nur ¼ der Pedelec-Besitzer. Es ist besser als nichts *seufz*. Vielleicht ist es aber gar nicht so finster, wie die Zahl glauben machen möchte? Der e-Mountainbiker vom Wochenende fährt vielleicht mit seinem normalen Fahrrad werktags zu Arbeit? Vielleicht lässt endlich die Autodummheit nach. Muss einem doch auffallen, das man im Berufsverkehr ständig von Fahrrädern überholt wird?!

    Grüße vom naiven Träumer ;)

    • Hallo Stephan,
      sorry für meine späte Rückmeldung und Danke für deine reflektierte Sichtweise! Auf jeden Fall gibt es für das E-Bike oder Pedelec verschiedene sinnvolle Einsatzbereiche und je mehr es das Auto ersetzt, umso besser. In Bezug auf die diversen Problemfelder besonders im Verkehr (Straßen, Radwege etc.) bin ich jedoch leider eher skeptisch, dass sich diesbezüglich etwas positiv verändern wird. Aber ich wohne natürlich auch in einer Großstadt im bevölkerungsreichsten Bundesland und sollte daher vielleicht in Betracht ziehen, nach MeckPomm zu ziehen mit viiiel Platz um mich herum :)
      Freue mich auf weitere Beiträge von dir, bleib‘ weiterhin gesund und viele Grüße
      Ute

  • moin Ute,
    ein ambitionierter Beitrag, vielen Dank dafür. Jetzt weiß ich warum du ein E Bike zweifelhaft findest und das finde ich verständlich. Jedoch…

    Man wird durch das Bike fahren nicht zum besseren Menschen, aber es passiert etwas mit dir.
    Ich gleite anstrengungslos voller Genuss durch die Landschaft freue mich auf die mit Leichtigkeit genommene Hürde des Hügels mit Ausblick. Wunderbar! Spaziergänger und Hundebesitzer begegne ich rücksichtsvoll und bedanke mich, wenn sie, wie ich, Rücksicht nehmen.
    Der Gegenwind ist mein Freund geworden, ich spüre seine Kraft und er nimmt es gelassen wenn er mich kraftvoll umspült und an mir zupft. Anstrengungslos ist diese Begegnung nicht, jedoch fordert sie keine Reserven und so fällt mir die Betrachtung dieses Erlebnisses leicht und ein besonderer Moment entsteht.- Den Rückenwind empfinde ich als Windstille. Nun sind wir gleichauf in der Geschwindigkeit und Unebenheiten an denen die Luft verwirbelt und das mir zugeneigte Gras haben meine Aufmerksamkeit. Ein kleiner Vogel begleitet mich und teilt den Eindruck des sich tragen Lassens, in der Bewegung dieser riesigen Menge Luft. Ein kleiner Anteil davon im Reifen ist ausreichend um mitzumachen

    (Absatz gestrichen, weil knackiger gefragt)

    • Hi Arne,
      vielen Dank für deine Sichtweise. Ich bin überrascht, dass diese genüsslichen Eindrücke offenbar mit einem normalen Fahrrad nicht erreichbar sein sollen; kann ich jedenfalls für mich nicht bestätigen. In einer Werbung auf Instagram wurde mir heute ein T-Shirt mit einem Fahrrad-Print angezeigt mit der Aufschrift „Warum ich ohne Akku Fahre? Weil ich es kann“ – und musste schmunzeln ;)
      Wünsche dir weiterhin gute Fahrt und viele Grüße
      Ute

        • Steht auch im Text: Laptop Arbeitsgerät (täglich viele Stunden im Einsatz) – ein E-Bike oder Pedelec gelegentliches Freizeitgerät, bei den meisten Menschen Zusatz zum Auto und Menschen sind 200 Jahre lang ohne Akku beim Rad ausgekommen ;)

          • Stimmt. Aber es fehlt auch etwas:
            Unangestrengtes Radfahren kann einfach mehr. Es setzt Kräfte frei, die eben sonst nicht genutzt werden können.
            Ein Tausch der Kräfte der Sinn macht. Und genau wie auf deinem T-Shirt: weil ich es kann, schalte ich mein Akku an…

          • Nur leider setzt auch dieses Argument nicht die sozialen (solidarischen), ökologischen und sicherheitstechnischen Defizite außer Kraft.

          • Ok, zum Glück lebe ich nicht wie vor 200 Jahren, aber wenn es für dich anstrebenswert ist…
            Zum Abschluss noch ein Update deiner Thesen:
            E- Bikes mobilisieren dicke junge alte und schwache, wiegen mittlerweile soviel wie ein normales Fahrrad 15kg und kosten 1000,- € (sushibike), können auch ein Arbeitgerärt sein und haben das Potential entspannt zur Verbesserung des menschlichen Wohlbefindens und somit ein kleines bisschen auch zur Verbesserung unserer Welt beizutragen.
            Ich danke dir für deine Zeilen.
            Ich habe etwas über Bloggerinnen dazugelernt…

  • Hallo Ute
    Ich bin zufällig über den Spiegel Artikel auf deinen Blog gekommen und finde das sehr spannend, was Du schreibst. Ich sehe die ganze Influencer Gemeinde als sehr kritisch. Aus ganz vielen Sichtweisen heraus, Erschreckt hat mich z.B. in Videos eingebettete Werbung für Süßigkeiten bei Beiträgen für Kinde, keine Chance das offiziell zu regulieren und sehr schwer für die Eltern.
    Den Beitrag zu den E-Bikes finde ich Grunde korrekt, aber der Titel passt nicht. Es sollte heißen „7 Gründe warum ein E-Bike nicht zu meiner aktuellen Situation passt“.
    Ich selber, gehöre zu den vielen Übergewichtigen in Deutschland, bin zwar übergewichtig aber trotzdem recht aktiv. Nach einer Ernährungsumstellung und einem immensen Gewichtsverlust, bin ich viel gewandert. 30-50km in der Woche. Das kostet unglaublich viel Zeit, hatte ich damals aber. Heute mit Frau und Kind, Haus und den pflegebedürftigen Eltern im Haus, ist das nicht mehr drin. Ich kann auch keine 3-5h im Wald spazieren gehen.
    Allerdings kann ich durch mein E-Bike mein Auto stehen lassen, und das immer öfter. Der Weg zum Einkaufen geht mit E-Rad und Anhänger und auch in der Corona Homeoffice Zeit muss ich dann und wann mal ins Büro, auch diese 23km versuche ich mit dem E-Bike zu erledigen. Meine Kondition lässt den Heimweg mit dem Bio-Rad allerdings nicht zu. Trotzdem bin ich in 2 Jahren 2500km gefahren. Das habe ich mit dem Bio-Bike in 8 Jahren nicht geschafft. Ich wohne „in“ der schwäbischen Alb, also in einem Tal und muss eigentlich immer den Berg rauf. Und die Hemmung das nicht zu schaffen, fällt mit dem E-Bike.
    Ich bin übrigens der Meinung das sich die Mehrheit mit dem E-Bike deutlich mehr bewegt als sie es mit dem Bio-Rad machen würde. Und es ist auch nachgewiesen, das E-Biker deutlich mehr und häufiger fahren. Daher passt auch die Unfallstatistik, allerdings die Auswertung dazu nicht. Wenn ein E-Biker doppelt so viel fährt wie der Bio-Radler, wären es nur 2,45-mal mehr Unfälle, also weniger als der Anstieg der verkauften Räder. Pro km gesehen, reduzieren sich die Unfälle also.
    Trotzdem mach auf jeden Fall weiter so, kritische Berichte gibt es viel zu wenig, nur die heile Welt gilt, in der aber niemand lebt.
    Gruß
    Andreas

  • Ich bin auch ein „Hasser“ dieser E-Bikes. Manchmal frage ich mich, wieso fährt eigentlich keiner mehr normal Fahrrad. Ich habe sogar schon Kinder und Jugendlichem mit E-Bikes gesehen. Ein großer Teil der E-Bike-Fahrer sind rücksichtslos und sehr egoistisch unterwegs. Sie fühlen sich auch noch toll, wenn sie mich bergauf und bei Gegenwind mit ihrem E-Bike überholen. Zum Teil denken sie auch noch, sie tun was für ihre Gesundheit, da sie ja Rad fahren. Nein, sie fahren nicht Rad. Der größte Blödsinn sind Rennräder mit E-Motor. Entweder mache ich Sport, dann auf die alte Weise aus eigener Kraft oder ich tue nur so.

  • Hallo Ute,
    auch von mir vielen Dank für diesen inspirierenden Beitrag. Allerdings bin ich hoffentlich nicht der Einzige, der dank Pedelec das Auto nicht mehr braucht. Hier im (bergigen) Stadtgebiet (ich wohne 5 km vom Zentrum weg) erledige ich alle Wege mit dem E-Bike, zu Fuß oder der Straßenbahn statt mit dem Auto. Mit einem normalen Rad würde ich das nur bedingt schaffen. Weitere Strecken fahre ich fast nur noch mit der Bahn. Was stimmt: Mit dem E-Bike baue ich an Leistungsfähigkeit und Kondition ab, sodass ich für die gleiche Strecke mit dem E-Bike bald genau so viel Kraft brauche wie früher mit dem Fahrrad ohne Motor. Deshalb fahre ich auf flacher Strecke und geringen Steigungen nur noch mit Unterstützungsstufe 1. Mein Akku hält seit 4 1/2 Jahren gut durch und ich hoffe, das bleibt so.

  • Solange man im Flachland wohnt, mag das alles stimmen. Ich wohne in einer Kleinstadt im Mittelgebirge und bin Dank Pedelec in der ganzen Stadt mobil. Das Pedelec erschließt mir Orte, die ich sonst nur umständlich mit dem Bus oder langwierig zu Fuß erreichen kann. Ich liebe mein Pedelec!
    Trainieren kann man übrigens auch mit Pedelec, indem man die Motorleistung entsprechend niedrig einstellt. Die niedrigste Stufe gleich nur das zusätzliche Gewicht aus. Aber ich kann halt jederzeit den Motor zuschalten, bei Steigungen oder Gegenwind. Radfahren macht mir dadurch jetzt immer Spaß, wohingegen es früher häufig eher nervig oder frustrierend war.

  • Hallo,

    Du hast die Gründe gegen einen Kauf für Dich gut heraus gearbeitet. Ich stimme aber nicht damit überein, dass das deshalb pauschal für alle gilt.

    Es gibt auch andere Anwendungsszenarien: Das Rentnerehepaar, das die neuen e-bikes rein zur Freizeitgestaltung nutzt mag damit ein zusätzliches Konsumprodukt erwerben, es kann aber einen erheblichen Zugewinn an Lebensqualität bedeuten, wenn gemeinsame Radreisen wieder möglich werden, die ohne Unterstützung einfach nicht mehr gingen. Im Vergleich zu garnicht Rad fahren ist Pedelecfahren auf alle Fälle mehr Bewegung.

    Ich selbst nutze Pedelecs und e-Bikes als mein primäres Alltagsfahrzeug. Mit dem 45km/h Modell (auch ein versicherter Umbau eines L1e-A Fahrzeugs, weil mir die Modelle auf dem Markt alle zu schwer sind) habe ich ein Gefährt, das mir im Alltag einen praktikaben Radius um die 20km ermöglicht und im städtischen Umfeld ungefähr genauso schnell ist wie ein PKW (ohne Stau). Nachteilig ist nur, dass man stärker dem Wetter ausgestzt ist, aber das ist eine Gewohnheitssache und so häufig ist wirklich schlechtes Wetter garnicht, wie man denken mag.
    Mit diesem Einsatzradius (20km einfach mal eben so im Alltag mit dem stinknormalen Fahrrad zu fahren ohne in Versuchung zu kommen doch den PKW zu nutzen schaffen mache Leute, aber das sind vielleicht 0,1% der Bevölkerung) verkommt das Auto nicht mehr zu primären Fahrzeug. Ich fahre mehr km mit den Elektro-Fahrrädern im Jahr als mit dem PKW. Ist das bei Dir auch so?

    Zur Ökobilanz steht etwas in der Pedelecation Studie: https://www.ifeu.de/projekt/pedelection/
    Ich halte es auch für sinnvoll, wenn die Dinger langlebiger werden (meine Pedelecs sind nun ca. 10 Jahre alt, aber ich kann alles daran selber reparieren inkl dem Bau der Akkus, das ist nicht der Normalfall), aber ein 20-25kg Produkt ist, sofern es gut genutzt wird, nicht per se das Megaproblem.
    Zur Gesundheit ist es nachweislich so, dass der Vorteil der Bewegung beim Radfahren (egal ob mit oder ohne Motor) alle anderen Nachteile wie Unfallgefahr, Schadstoffe um Größenordnungen übertrifft. Zumindest für den Durchschnittsmenschen in Deutschland, der sich viel zu wenig bewegt.
    Für Konflikte auf Radwegen gilt §1 der STVO, wie für alle anderen auch. Man muss an die Leute appellieren, sich daran zu halten, dann lösen sich 90% der Probleme schon mal.

    Schade ist, dass bei e-bikes bestimmte Zielgruppen aktuell nicht adressiert werden. Für Dich wäre vermutlich ein Faltrad als e-bike mit vielleicht 16-17kg Gewicht interessant und einem Konzept mit nur kleinem Akku für Unterstützung bergauf, das sich aber auch problemlos ohne e-Antrieb bzw. ohne Akku fahren lässt. Technisch ist das heute kein Problem, es ist noch nicht mal teuer, aber man muss sich das selber bauen (können), denn als Fertigpedelec gibt es das schlichtweg nicht in geeigneter Form.

  • Meine Kollegen in der Firma haben mich gebeten auf meinem Blog einen Artikel zu verfassen, welches denn das ideale Reiserad wäre. Ich habe lange überlegt, ob ich auf meinem Blog so einen Artikel veröffentlichen soll und mich letztendlich dagegen entschieden. Der Grund dafür ist relativ einfach. Im Vordergrund stehen meine Touren und Eindrücke. Ich will zeigen, wie schön die Natur und Landschaft sein kann. Ich will aber nicht den Oberlehrer abgeben. Klar verfüge ich über genügend Wissen. Ob mit oder ohne „E“ ist eine sehr individuelle Frage, die ich nicht mit einem Blogbeitrag individuell beantworten kann.
    Pedelecs mit den verbauten Akkus belasten unsere Umwelt. Das ist richtig. An dem Artikel merke ich aber, dass der letzte Besuch beim Fahrradhändler wohl eine Weile her war. Die Läden sind komplett wegen Lieferschwierigkeiten aus Fernost ausverkauft. Für viele stellt sich also eine ganz andere Frage? Wie bekomme ich zu einem vernünftigen Preis ein Fahrrad, das zu mir passt! Und hier sind Punkte zu beachten, auf die in diesem Artikel gottlob nicht eingegangen wird.
    Reisen mit dem Fahrrad ist eine tolle Sache. 2005 bin ich von Berlin über Heidelberg in die Nähe von Ingolstadt geradelt. 1100 Kilometer quer durch Deutschland. Wohl mein schönster Urlaub bis heute. Genutzt habe ich dafür ein einfaches Fitness-Rad aus dem Discounter für nicht einmal 500 Euro neu. Übernachtet habe ich in Pensionen und Hotels und zurück ging es mit der Bahn. Mein Auto hatte ich eine Woche vorher verkauft, weil ich im Berliner Stadtverkehr mit dem Rad schneller war.

    • Hallo Michael,
      vielen Dank für deinen Beitrag. Auch, wenn ich diese Neukauf-Manie von fast allem nicht nachvollziehen kann: Bei einem Fahrradhändler in meinem Stadtteil sind lt. Internetseite fast 80 verschiedene E-Bikes vorrätig und sofort lieferbar. Bei Ebay-Kleinanzeigen werden gerade zwischen 8.000-9.000 E-Bikes jeweils für Damen und Herren angeboten. Da wird doch sicher für einen Suchenden irgendetwas dabei sein. Und hier möchte ich gerne anfügen, dass wir von einem monströsen Luxusproblem sprechen. Des Weiteren finde ich es schade, dass es als „oberlehrerhaft“ empfunden wird, wenn man seine Meinung oder fachliche Expertise darlegt. Gerade diese Vielfalt ist doch wichtig, damit sich Menschen eine Meinung bilden können. Der unkritische Einheitsbrei ist doch furchtbar heutzutage. Wie dem auch sei, ich wünsche dir weiterhin viel Freude mit deinen Radtouren!
      Viele Grüße, Ute

  • Hallo Ute,
    irgendwie vertiefe ich mich immer mehr in Deine Beiträge und regen mich immer sehr zum Nachdenken an. Danke dafür!
    Da ich selbst begeisterter Radler bin, hat mich natürlich auch Dein Bericht über E-Bikes sehr interessiert. Ich stimme Dir voll und ganz zu. Für mich kommt ein E-Bike oder Pedelec ebenfalls nicht in Frage, die Gründe dagegen sind ähnlich gelagert wie Deine. Der Hauptgrund allerdings ist ebenfalls die Beschaffungssituation der Rohstoffe der Akkus. Egal, ob bei E-Bikes oder E-Autos. Solange es keine alternativen Möglichkeiten für die Beschaffung gibt und, wieder einmal, Indigene oder Afrikanische Völker für unseren Luxus ausgebeutet werden, sind solche Artikel für mich ein absolutes no go!
    Wobei ich den Einsatz für ältere Menschen, gerade hier im Schwarzwald, nachvollziehen kann. Ich glaube, ein großer Teil der älteren Nutzer würde nicht Radeln, wenn es keine E-Bikes gäbe. Auch bei Lastenrädern kann ich den Einsatz nachvollziehen. Wobei ich ja eigentlich auch zum Klientel der „Älteren“ gehöre mit 62 Jahren ;-).
    Ich bleibe trotzdem meinen 3 Fahrrädern treu, das älteste ist mittlerweile über 40 Jahre alt, das jüngste 15 Jahre. Ich nutze sie leider nur in der Freizeit, da ich beruflich einen sehr großen Radius abdecken muss, den ich mit Muskelkraft nicht abdecken könnte. Ich mache große Touren und habe schon einige Touren durch die Alpen und Dolomiten hinter mir. Alleine dafür wäre ein E-Bike absolut untauglich, da die Akkukapazität für eine Tour über mehrere Tage abseits von Lademöglichkeiten nicht ausreicht. Und dann mal eben ein 25 Kilo Bike schieben oder auch mal tragen? Oh ha :-).

    Und um gleich den Kommentaren hier vorzugreifen…ja, ich besitze auch ein Handy und einen Laptop. Aber auch hier mache ich den -ich muss alle zwei Jahre das neueste Modell haben- Hype nicht mit. Ich habe einen Vertrag ohne Handy und kaufe mein Handy nach anderen Kriterien: möglichst Nachhaltig! Dazu zählt z. B. auch die Reparaturfreundlichkeit! Und da gibt es für mich nur zwei Marken: Fairphone und Shift. Hier gibt es Ersatzteile und die Geräte können komplett zerlegt und repariert werden. Ich nutze die Geräte, bis sie wirklich den Geist aufgeben, und das dauert bei selbst gekauften Geräten tatsächlich sehr lange. Mein Laptop habe ich gebraucht gekauft, erfüllt seinen Dienst wunderbar und kostete einen Bruchteil eines Neukaufs. Meine Bilanz bis jetzt? Seit ich Handys nutze? 6 Geräte, zwei davon wurden mir als Gebrauchtgeräte geschenkt!

    So, und jetzt hole ich mein jüngstes Mountainbike aus der Garage ;-), viele Grüße, Peter

  • Sehr geiler Bericht, lieben Dank! Ich ergänze noch – ändere ab: Ein Fahrrad (manche sprechen ja schon von BIObike!) ist nicht nur auf Flachlandtiroler begrenzt. Ich selbst, 57, mit fortgeschrittener Hüftarthrose, fahre täglich hier im Mittelgebirge mit meinem 26 Jahre alten 21-Gang-Trekkingrad meine 1,5 bis 2 Stunden. Wenn ICH das kann, können es 80 Prozent der landläufigen E-Bike-Fahrer auch. Der Kernpunkt ist die von dir angesprochene Bequemlichkeit. Der Radhändler meines Vertrauens sagte uns knallhart ins Gesicht: „Wenn du einmal E-Bike gefahren bist, bist du dauerhaft für ein normales Fahrrad versaut.“ Und genau diesen Weg in die Bequemlichkeit möchte ich mir selbst verbauen (ganz davon abgesehen, dass ich für den Preis eines E-Bikes schon einen halben Kleinwagen bekomme). Wenn ich mit meinem Trekki zweimal die Erik-Zabel-Route gefahren bin, bin ich geschafft wie nach 3 Stunden Mukkibude, mit dem Unterschied, dass ich an der frischen Luft war. Ein genialeres Gefühl hinterher lässt sich für mich nicht denken. Und nebenbei – offene freundliche Anerkennung bei meinen motorlosen Bergtouren bekomme ich a) von Fußgängern, b) von Joggern/Walkern und c) von Rennradlern – NIE, aber wirklich nie von E-Bikenden, die teils mit Mitleidsattitüde, teils verbissen-hochmütig und grundsätzlich ohne zu klingeln an mir den Berg hinauf vorbeirauschen. LG aus FröndenBERG an der Ruhr!

  • Moin Ute,
    Danke für diesen schönen Beitrag. Ich fand das Thema interessant, weil ich gerade mein (wirklich zugstarkes) E-Bike nach 4 Jahren gegen ein normales getauscht habe – und mich wundere, warum ich zufriedener bin. Grund für den Tausch war, dass ich mir einen neuen Akku hätte kaufen müssen. Bestimmt ist und bleibt es eine Geschmacksfrage, welche Sorte Fahrrad man wählt. Aber ich möchte der Liste von Nachteilen von E-Bikes – zumindest hier in Norddeutschland, und wenn man wie ich notorisch kälteempfindlich ist – ein Detail hinzufügen: Bei kräftigerer Unterstützung wird es auf den Dingern schnell sehr, sehr kalt! Ich musste mich, wenn ich im Frühling zum Stall gefahren bin, so dick einpacken, dass es schon bizarr war. Mit leichter Unterstützung fahren, das ist zwar wärmer. Aber dabei habe ich mich immer geärgert, weil ich genau zu spüren glaubte, wieviel Prozent der Muskelkraft nur dazu investiert wird, das 25 kg schwere Bike zu bewegen. Nimmt man mir hingegen den Motor weg, wechsle ich schlagartig in den „Yogamodus“. Es ist mir egal, wie lange ich für die Strecke brauche, ich genieße die Bewegung und freue mich über Vögel und alles, was ich sehe. Muss irgend was Psychologisches sein :)
    (Und, hey, wir sprechen uns im Winter/bei Herbststürmen nochmal – ich glaube, dann bin ich nicht mehr ganz so euphorisch wie jetzt, hihi)
    Bis dahin aber:
    Ein verliebtes Lob an mein neues Analog-Rad!

  • Ich bin wohl aus der 25% welche pedelecs zum arbeiten nutzen und fine E Räder toll. Ich kann morgens mit einem pedelec meine beiden Kinder in die KiTa fahren und anschließend weiter zur Arbeit. Abends dann wieder zurück. Früher hab ich für die 8km Strecke das Auto genommen, jetzt genießen wir alle das meistens schöne Wetter und die Aussicht, da wir einem Fluss entlang fahren. Manchmal halten wir dort an und es gibt für alle ein Eis. Ohne Parkplatzsuche oder Stau.

    Ginge das auch ohne Akku? Theoretisch schon, doch dann bräuchte ich für die ganze Reise knapp über eine Stunde und wäre echt gerädert. Mit der Zusatzlast von den beiden Kindern, Anhänger und Gepäck kommt mann sonst nicht so gut von der Stelle weg. Und das dann zwei mal am Tag? Der innere Schweinehund spielt schon mit den Autoschlüsseln…

    Mein pedelec ist 24 Jahre alt, den hab ich quasi „upcycled“, neue Halterung dran, kunstoff weg und Akku für 230€ drauf. Das Rad selbst hat 100€ gekostet. Noch neue Reifen dran und ne Glühbirne und schon ist alles top und stgvo konform. Könnte ich locker gewinnbringend verkaufen.

    Ich habe mich hierher verirrt als ich nach Gegenargumente gesucht habe als mich heute eine, ich sag mal militante veganerin, beim Fahrrad abschließen, angesprochen hat wozu ich denn ein elektro Rad fahre und ob mir die Umwelt egal sei. Mir ist die Kinnlade nach unten gefallen ich habe dann 5 Minuten ihren Monolog angehört, mich freundlich für den Denkzettel bedankt und ihr noch einen schönen Tag gewünscht. Gerne hätte ich sie gefragt ob sie ein Smartphone besitzt. Das ist mir in dem Moment nicht eingefallen. Auch zum Vergleich von Auto vs E-Bike hatte ich keine Zahlen parat. Auf jeden Fall weiß ich das es Menschen gibt die das Thema kritisch sehen und kenne deren Argumentation. Bis auf die problematische Sache mit der Herstellung des Akkus, teile diese jedoch nicht. Bin mir aber sicher das wir noch eine bessere Lösung für das Speichern der Energie finden werden. Ich wünsche allen Rad Freunden Freude beim Radeln, egal ob mit Akku oder nicht.

  • 1. Es fördert Bequemlichkeit TOTAL FALSCH
    das E-Bike animiert zu mehr Fahrten mit dem Fahrrad,
    endlich machte es Spass mit 20 km/h den Berg hoch und mit 40 wieder runter zu fahren
    2. Es fördert Ungleichgewicht im Straßenverkehr KOMMT auf den Fahrer und die Stecke an
    3. Es ist nicht so wirklich „öko„ EHER FALSCH
    E-Bike Fahrer fahren mehr km und sparen dadurch mehr Resourcen bei anderen Fahrzeugen (PKW)
    4. Es ist ein ziemlich teures Vergnügen: LEIDER RICHTIG
    5. Es verursacht eine höhere Unfallgefahr RICHTIG
    7. Es bringt weniger echten Genuss FALSCH
    mit einem E-Bike kann man weitere Strecken fahen.
    auf den Berg hoch zum Aussichtspunkt – mit dem E-Bike kein Problem
    E-Bike = mehr Genuss, weil keine Quälerei am Berg mehr

    • Tachchen Antony,
      nun ja…
      1.) damit beschreibst du eigentlich, dass es vorher zu unbequem war… Außerdem geht es hierbei in erster Linie um den Antrieb, sich überhaupt ein E-Bike oder Pedelec zuzulegen. Über 50% der Deutschen sind inzwischen übergewichtig und das schreit nicht gerade nach einem sehr sportlichen, aktiven Lebensstil.
      2.) dieses Argument kann man eigentlich für fast alles anbringen.
      3.) Quelle bzw. Statistik fehlt. Hier sind diverse Faktoren wichtig, z. B. wie viele E-Bikes gekauft und nach wenigen Kilometern nicht mehr genutzt werden und im Keller stehen. Oder wie viele Menschen das Fahrrad tatsächlich anstatt des Autos nehmen; und wie viele das E-Bike zusätzlich in der Freizeit verwenden. Daher ist Statistik schon entscheidend.
      7.) Ich würde mal sagen, dass der eigene Erfolg, ohne elektrischen, bequemen Antrieb einen Berg hinaufzukommen, wesentlich stärker empfunden wird, als wenn man einfach rauftransportiert wird. Ich für meinen Teil (auch wenn hier in keiner Weise entscheidend) freue mich wahnsinnig, dass ich gesund und frisch in der Lage bin, ohne elektrische Hilfe ans Ziel zu kommen. Und ich werde auch weiterhin Männer, die ihr Renn- oder Fahrrad ohne Hilfsmittel mit eigener Körperkraft bewegen, wesentlich sexyer finden.
      Beste Grüße und weiterhin viel Spaß ;)

  • Danke dir für die Darlegung einer anderen Sichtweise und den Link zu dem Händler, der sie Pedeles aus seinem Sortiment genommen hat. Ich hatte die letzten Tage auch überlegt, ob ein Pedelec mir einige Fahrten mit dem Auto ersetzen würde und mich am Berg innerhalb unserer Stadt unterstützt. Dann der Gedanke: oh, dieses schwere Ding bergab fährt sich wohl anders als normalerweise (mehr Gewicht, andrer Schwerpunkt). Dann hab ich deinen Text gelesen und ich bin etwas erschrocken, dass die Akkus nur so kurzlebig und kaum recycelbar sind. 2, 3, 4 Jahre ist ja ein Witz. Ich dachte, die halten wenigstens so 8-10 Jahre… Das ist wirklich eine Schande und tut mir leid bzw. hat mich dazu gebracht, darauf zu verzichten und mein altes weiterzunutzen, dafür schieb ich lieber den Berg hoch.

  • Hallo Ute, dein Bericht über die Sinnhaftigkeit und Nutzung der E-Bikes gefällt mir wirklich gut, leider gibt es zuwenig Berichte übern den Missbrauch der Elektromobilität.
    Wie du schreibst werden ca. 75% der E-Bikes in der Freizeit genutzt, ich bin sogar der Ansicht es sind noch viel mehr. Zuhause bin ich in Bayern, Ammertal im Landkreis GAP,
    jeder Radlverleih hat nur noch E-Bikes, damit auf die Berghütte, Essen, Trinken und wieder runter.
    Es geht aber leider noch schlimmer, bei uns im Ort gibt es Rentnerehepaare die seit sie ein E-Bike haben ca. 5000km im Jahr mehr mit dem Auto fahren >>> weil:
    nach 3 Monaten die nahe Umgebung abgefahren wurde, dann kommt der Fahrradträger auf die Hängerkupplung um immer wieder neue „Radziele“ anzufahren.
    Ganz extrem sind die Tagesradlfahrer wie z.B. Augsburg, Ingolstadt und München, seit es E-Bikes gibt sind alle Wanderparkplätze zugeparkt, E-Bike runder und eine Runde
    ohne Anstrengung durch die Berge gedreht – Anfahrt und Rückfahrt mit dem Auto mal locker um die 200km.
    …..da sag ich nur: Ziel verfehlt !!
    Viele Grüße aus Bayern

  • Hallo Ute,

    Ich habe ihren Eintrag gelesen und muss sagen ich stimme mit vielen der genannten Meinungen nicht überein. Bin aber dankbar für ihre Darstellung, da Sie zu erneuten nachdenken und hinterfragen anregen.

    Nur der Teil der wirklich verstörenden wirkt, ist ihre Buchempfelung am Ende. Ein Kinderschänder sollte nicht empfohlen werden.

    • Hallo Momo,
      vielen lieben Dank für den Hinweis, die Kritik an dem Autor war mir bislang nicht bekannt. Der Inhalt des Buchs handelte in erster Linie von Erwachsenen, war sachlich und nachvollziehbar. Dennoch habe ich den Link rausgenommen. Ein Kinderschänder (= sexueller Missbrauch) ist er allerdings nicht, mit solch extremen Verurteilungen sollte man meiner Meinung nach sehr vorsichtig umgehen.
      Viele Grüße und nochmals Danke!
      Ute

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