Ein Gastbeitrag von Stefany Seipp

Viele Menschen sind der Ansicht, dass sie alleine nichts bewirken können, um der Umwelt etwas Gutes zu tun. Viel zu viele sind außerdem der Meinung, dass sie das gerade auf Reisen nicht müssen. Dabei ist es absolut möglich und kann noch dazu eine so fantastische Win-Win-Situation sein! Fangen wir doch einfach mal mit dem Essen auf Reisen an. Essen musst du jeden Tag mehrmals und daher hast du auch mehrmals täglich die Möglichkeit, eine nachhaltige Entscheidung zu treffen. Und ja, es ist tatsächlich so einfach, wie es klingt! 

Wie du im Urlaub essen gehen solltest

“Regional” und “saisonal” sind die zwei kleinen Zauberworte, an denen du dich orientieren kannst. Gehe anstatt zur weltbekannten Fastfood-Kette (die mit dem goldenen M) lieber in eine Seitenstraße und finde dort ein kleines, familiengeführtes Restaurant, das seine Speisen selbst zubereitet und dabei Wert auf Regionalität der Produkte legt. Wenn du dich im Urlaub lieber selbst versorgst, versuch doch mal, einen lokalen Wochenmarkt zu finden, auf dem Bauern und Händler aus der Region ihre frischen Produkte anbieten! Vielleicht findest du ja sogar ein Feld zum Selber-Ernten?

Lokales Essen prägt die Kultur

Wenn du an Italien denkst, denkst du da nicht auch sofort an leckere Pizza mit frischem Basilikum und zerlaufendem Mozzarella? Oder an einen köstlichen Espresso gefolgt von einer Kugel Gelato? Wenn das Wort “England” fällt, fallen dir da nicht auch gleich die berühmten Fish and Chips und Earl Grey Tee mit Milch ein? Du siehst, Essen gehört genauso zur Kultur wie berühmte Sehenswürdigkeiten oder die Sprache eines Landes. Und eine echte hausgemachte italienische Pizza schmeckt ganz anders als eine, die du hierzulande in den Restaurants bekommst. Lass dich von der lokalen Esskultur deines Ziellandes begeistern!

Kurze Transportwege für mehr Nachhaltigkeit

Es ist eine ganz einfache Schlussrechnung: Je weiter das Produkt gereist ist, um auf deinen Teller zu gelangen, umso früher musste es auch geerntet oder produziert werden und umso haltbarer musste man es für diese Reise machen. Dass dabei viel an Geschmack und Vitaminen verloren geht, dürfte sich von selbst verstehen. Aber vor allem produziert es einiges an CO2-Emissionen, eine Frucht um die halbe Welt zu schaffen, bevor sie überhaupt in die Supermärkte kommt.

Durchschnittlich reist unser Essen fast 2.500 Kilometer, bevor es auf unseren Tisch kommt. Wenn du alles zusammenrechnest, kommst du auf einen extrem großen ökologischen Fußabdruck. Informiere dich daher, woher die Produkte kommen, die angeboten werden, und entscheide dich im Zweifel immer für das regionale Produkt! Zwar liegt das importierte Produkt schon im Supermarktregal, aber indem du es ignorierst, setzt du ein Zeichen dafür, dass keine Nachfrage besteht.

Regionales und saisonales Essen schmeckt besser

Vielleicht hast du ja selbst schon mal Tomaten oder etwas Anderes angepflanzt. Wenn nicht, möchte ich dir dringend anraten, einen kleinen Strauch Balkontomaten zuzulegen. Du wirst überrascht vom vollmundigen Geschmack der Frucht sein, wenn du sie mit dem Geschmack von Supermarkttomaten aus Rumänien vergleichst.

Aber auch saisonale Unterschiede kannst du leicht erkennen. Denk doch nur an den vollen, reifen Geschmack einer leckeren Erdbeere zur Hauptsaison, während die Produkte, die du im Frühling oder Herbst im Supermarkt bekommst, eher wässrig und fade schmecken. Ebenso ist es in den Restaurants deiner Urlaubsdestinationen – halte dich an Restaurants, die mit regionalen und saisonalen Zutaten kochen, und du wirst mit einem super Geschmack belohnt!

Kleiner Tipp: In vielen Ländern werden gerade in der einfacheren Gastronomie in großem Umfang Plastik- und Einwegprodukte verwendet wie Tüten, Besteck, Strohhalme etc.. Weise bei der Bestellung einfach darauf hin, dass du den Coffee to go ohne Plastikdeckel oder den Drink ohne Strohhalm haben möchtest, bringe selbst eine handliche Tupperdose oder Tüte für den Transport mit oder steck’ dir in Asien einfach wiederverwendbare Stäbchen in die Tasche. Damit setzt du nicht nur ein Zeichen für deine Wertschätzung der Umwelt gegenüber, sondern regst andere damit auch zum Nachdenken an.

Investiere dein Geld in die Wirtschaft vor Ort

Jedes Mal, wenn du Essen gehst, entscheidest du unbewusst, wen du mit deinem Geld unterstützen möchtest – die heimische Wirtschaft oder einen internationalen Konzern, der schon mehr als genug Geld hat. Wenn du in Taiwan in einem amerikanischen Fast-Food-Riesen isst, bleibt der taiwanesischen Ökonomie im Endeffekt kaum etwas davon übrig und du trägst nur einen Teil dazu bei, dass die reichsten Konzerne noch reicher werden.

Keine Angst vor Krankheiten

Viele gehen deshalb gerade in asiatischen Ländern nicht in den Seitenstraßen oder lokalen Restaurants essen, weil sie sich fragen, wie frisch das Essen dort wirklich ist und ob dort wirklich die Hygienestandards herrschen, die wir von Europa gewohnt sind. Vor Infektionen kannst du dich absichern, indem du auf durchgegarte, gebratene oder gekochte Speisen setzt, anstatt auf rohe. Mach auch lieber einen Bogen um Buffets, da hier die Speisen meist länger stehen und einen Nährboden für Keime bilden. Wenn du kannst, wirf auch einen Blick in die Küche, um zu sehen, wie sauber sie ist.

Essen mit Locals vertreibt Vorurteile

Gerade an touristischen Orten verliert lokales Essen mehr und mehr an Wert. Das bedeutet, dass Einheimische in den verschiedensten Ländern der Welt oft zu Recht misstrauisch Touristen gegenüber sind, weil der Tourismus ihnen eigentlich kaum zugutekommt. Wenn du jedoch lokal essen gehst, kommst du mit Einheimischen in Kontakt, kannst mit ihnen sprechen, dich interessiert geben und somit den Kontakt zwischen den verschiedenen Kulturen verbessern.

Nachhaltiges Essen auf Reisen - Reiseblog BravebirdWenn du dich bei den Einheimischen als sozial verantwortungsbewusst Reisender präsentierst, kannst du daran mitwirken, Vorurteile gegenüber Touristen oder sogar gegenüber ganzer Nationen aus dem Weg zu räumen. Regionales und saisonales Essen ist frischer und schmeckt dadurch auch um Welten besser. Zudem unterstützt du die heimische Wirtschaft, wenn du in einheimischen Restaurants essen gehst und die großen Ketten links liegen lässt. In vielen Ländern ist das sogar die budgetschonendere Alternative!

Gleichzeitig kommst du mit den Locals ins Gespräch und kannst auf diese Weise vielleicht sogar einen anderen coolen Reisetipp erfahren, den du sonst nicht gekannt hättest.

Du siehst: Regionales Essengehen ist eine absolute Win-Win-Situation, von der du natürlich auch zuhause profitieren kannst.

 


Gastautorin: Stefany Seipp
Stefany Seipp leitet das Informationsportal für nachhaltigen Tourismus Green Pearls und hat nicht nur 80 Länder der Erde bereist, sondern ist nach 30 Jahren Erfahrung in der Tourismus-Branche eine wahre Expertin zu den Themen Nachhaltigkeit und Komfort sowie Umweltschutz und Optimierung des sozialen Gleichgewichts.

 

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5 Kommentare

  1. Wunderbar, dass du diesem wichtigen Thema auf dem Blog Raum gibst. Besonders in Asien tat es mir immer weh, wie verschwenderisch mit Plastik umgegangen wird.

    Trotzdem ist besonders das Probieren von lokalen Gerichten interessant und schafft schon durch die Gerüche bleibende Erinnerung. Außerdem finde ich es großartig, von einer Reise zurück zu kommen und dann mit meinen Freunden in Deutschland in ein entsprechendes Restaurant zu gehen.

    1. Hallo liebe Jana,
      das Plastik-Thema begleitet mich auch in Deutschland sehr intensiv und finde es extrem schwer, dieses Material zu umgehen… da scheiden extrem viele Produkte aus (selbst Bio). Auch stoße ich oft auf komische Gesichtsausdrücke von Mitarbeitern, wenn man den Coffee to go ohne Deckel haben möchte oder beim Drink sagt, dass man keine Strohhalme braucht. Da bedarf es noch viel Zeit, befürchte ich, bis da mal ein besseres Bewusstsein zur Normalität geworden ist. Dank dir jedenfalls für dein unterstützendes Feedback!
      Liebe Grüße
      Ute

  2. Toller Artikel :) Ich stelle auch immer wieder fest, dass man am besten und günstigsten essen kann wenn man sich an einheimische Gerichte und Restaurants hält. Sind dort viele Einheimische anzutreffen ist das meist ein gutes Zeichen.

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