Schon wieder Aufstehen in tiefster Nacht. Um 4 Uhr holte uns ein Fahrer mit einem Toyota Landcruiser ab, der uns zum Ausgangspunkt des Viewpoints brachte. Und auch hier gab es natürlich einen steilen Aufstieg von 247 Treppenstufen. Von den Strapazen des Vortages noch etwas schlaff, kamen wir nach einer geschlagenen halben Stunde schnaufend oben an. Man hätte einen Teil der Strecke auch mit einem Pferdchen zurücklegen können, aber wir wollten es aus eigener Kraft schaffen. Jetzt konnte der Sonnenaufgang über dem Bromo-Tengger-Nationalpark kommen – wir waren bereit! 

Und wir wurden nicht enttäuscht. Wir grenzten uns von den etwa 50-80 anderen Besuchern etwas ab, indem wir noch ein wenig höher kletterten. Viele Fotografen krabbeln einen steilen Weg entlang etwa 10-20 Minuten höher, aber für uns sollte dieser Ausblick ausreichen. Der Abstieg war hier im Gegensatz zum Krater Ijen ein Kinderspiel. Unten angekommen fuhren wir mit dem Landcruiser durch die einsame Lava-Wüste an den Rand des Mt. Bromo, der ebenfalls mit einem halbstündigen Aufstieg und am Ende mit steilen Treppenstufen aufwartete.

Die Stimmung im Nebel mit einer außergewöhnlichen Stille in the “Sea of Sand” zog mich magisch in ihren Bann. Es fühlte sich irgendwie surreal an, wie eine Mischung aus Leben auf dem Mond und einem Western in der Wüste. Die zahlreichen, nach und nach heranpreschenden Jeeps vollgepackt mit Touristen zerstörten meine Idylle allerdings schnell und emotionslos.

Auch hier warteten wieder Pferdchen auf gehfaule Kundschaft. Wir wollten uns lieber auf unsere eigenen Füße verlassen, obwohl sich meine Beine sicher über eine zeitweise Unterstützung gefreut hätten. Andererseits hatte ich keine Lust auf weiteren Muskelkater durch sattelloses Reiten auf wilden Vierbeinern.

Bevor es an den Aufstieg ging, trat unerwartet ein Tempel aus dem Nebel hervor. Damit hatten wir nicht gerechnet, so einsam und verlassen mitten in der Wüste. In dem Hindu-Tempel Pura Luhur Poten findet jedes Jahr ein einmonatiges Fest namens Yadnya Kasada statt, bei dem Opfergaben in den Krater geworfen werden.

Der Weg bis nach oben zum Kraterrand war unerwartet lang und am Ende auch noch mal richtig anstrengend. Eben noch in warme Sachen eingepackt, musste ich mich während des Aufstiegs alle paar Meter mehr und mehr entblättern.

Am Kraterrand angelangt, konnten wir in den rauchenden Schlund des Bromo schauen. Obwohl ich normaler Weise keine Höhenangst habe, war es mir aufgrund mangelnder Absperrungen auf dem etwa 2 m breiten Kraterrand schon etwas mulmig zumute…

Wir fragten uns, ob hier schonmal Menschen ausrutschten und in den Krater fallen. Und was dann wohl passieren würde? Wäre man unweigerlich zum Sterben verurteilt oder gäbe es eine Rettung? Es war viel steiler, als es auf dem Foto aussieht und die zum Teil rücksichtslose Drängelei mancher Besucher brachte uns dazu, an manchen Stellen des Kraterrandes zu sitzen, bevor wir am Ende noch in dieses dunkle, rauchende Loch purzeln würden.

Um 8 Uhr war dann schon alles vorbei. Wir fuhren zurück durch die Wüste zu unserem Hostel, in dem bereits ein gutes Frühstück auf uns wartete. Und eine Stunde später ging es mit Sack und Pack in einer 4-stündigen Autofahrt zurück nach Surabaya. Für die Empfehlung unseres Guides, die Zigarrenfabrik zu besuchen und eine Heritagetour zu machen, war es leider schon zu spät. Weder im Reiseführer noch im Internet fanden wir etwas Besonderes, das noch einen Besuch in dieser Stadt wert gewesen wäre. Daher suchten wir erneut die große Shopping-Mall in der Nähe auf und schlugen uns auf der obersten Etage die Bäuche mit fantastischem Sushi voll.

Zur Tages- und Nachtzeit ist dieser Ort einfach wunderschön und maximal romantisch, wenn man die anstrengenden Aufstiege einmal kurz ausblendet. Morgen geht es schon in aller Frühe wieder zurück nach Bali und von dort aus wenige Stunden später in den Flieger Richtung deutsche Heimat. In Denpasar, der Hauptstadt Balis, werden wir uns wahrscheinlich noch ein letztes Mal mit einer Massage, einer Mani- oder Pediküre verwöhnen lassen.

Ein viel zu kurzer, aber wunderschöner Urlaub neigt sich dem Ende zu. Wir sind ein wenig traurig, dass wir nicht mehr Zeit in Indonesien verbringen konnten. Es gibt hier so viel zu sehen… Wir werden es auf eine andere Reise vertagen müssen. Mareike wird dieses Land bestimmt in ihre Weltreise-Planung in ein paar Jahren mit einbeziehen und ich bin in Gedanken schon wieder mit neuen Reisen beschäftigt.

 

2 Kommentare

  1. Hallo Ute, vielen Dank für deine Eindrücke über Bali/Java. Wir haben im Mai 3 Wochen eingeplant. Ubud, Lombok und die Gillis stehen auf dem Programm. Mt. Bromo/Kraten Ijen würde ich jedoch unheimlich gerne sehen. würdest du uns so einen 3-Tagestrip von Bali aus empfehlen oder ist es etwas zu hektisch und touristisch?

  2. wow die Bilder sind einfach schon magisch! Besonders das letzte gefällt mir sehr gut.
    Ich befinde mich auch derzeit auf Bali zu dem Vulkan muss ich auch unbedingt.
    Liebe Grüße
    Lisa

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