Du liest gerade
Warum ich die Kommentarfunktion auf meinem Blog deaktiviere

Warum ich die Kommentarfunktion auf meinem Blog deaktiviere

Warum ich keine Kommentare mehr zulasse - Reiseblog Bravebird

Manchmal gibt es Tage, an denen man nach einer langen Zeit des Überlegens eine Entscheidung trifft, weil der letzte Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Und gestern war es soweit. Die Kommentarfunktion wird bereits ab diesem Artikel nicht mehr zur Verfügung stehen.

Vor fast elf Jahren startete ich diesen Reiseblog, um Frauen dazu zu inspirieren, das Alleinreisen für sich zu entdecken. Damals waren die Grundlagen noch andere: Blogs waren im Trend und in Kombination mit Facebook ließen sich viele Menschen für alle möglichen Themen begeistern.

Alles wuchs, nur meine Begeisterung nicht

Vor allem Instagram und TikTok haben vieles verändert. Die Zahl der Influencer:innen ist exponentiell gestiegen und durch Corona hat sich das Konsumverhalten von sozialen Medien nochmals deutlich gesteigert. Vor allem letzteres hat dazu geführt, dass die Vorliebe für kurze ‚Info-Häppchen‘ zugenommen hat, während längere Texte als eher anstrengend empfunden werden.

Im Laufe der Jahre hat sich auch der Austausch verändert: Während früher die Kommentarspalten auf Blogs lebendig waren und dadurch auch für mich eine tolle Inspiration darstellten, verschoben sich die Kommentare und Meinungen nach und nach unter die Facebook-Posts und einige Jahre später dann in die privaten Nachrichten auf Instagram.

Aber nicht nur das hat sich verändert. Vor allem seit Corona und natürlich auch im Zuge der Klima-Diskussion hat sich der Ton auffällig gewandelt. Zeitgleich mit der Verringerung der Kommentare häufen sich seither die Beiträge von Männern, die meinen, es besser zu wissen. Diese Kommentare sind selten auf Augenhöhe und beinhalten oft populistische Meinungen, die aus einer bestimmten politischen Richtung kommen.

Es gibt nicht für jedes Problem eine Lösung - Kommentarfunktion - Reiseblog Bravebird

Kein zufriedenstellender Ausweg in Sicht

„Den kann man doch einfach blockieren!“, müsste man meinen, doch so einfach ist es nicht, wie ich nach meiner langjährigen Erfahrung hier sowie in den sozialen Medien und trotz meiner Ausbildung in gewaltfreier Kommunikation feststellen muss. Egal, wie man es dreht und wendet, man kann hier eigentlich nur verlieren:

Variante 1: Kommentator blockieren

Blockieren oder das Nichtfreischalten eines Kommentars wird oft als persönliche Ablehnung oder Bestrafung empfunden. Diese Wahrnehmung manifestiert sich dann in Frustration, Unmut oder dem Wunsch nach Rache, was zu negativen Ausdrucksformen wie Abwertungen oder Beleidigungen per E-Mail, Hasskommentaren oder dem gezielten Teilen von Blogartikeln in Foren mit hohem Empörungspotenzial führen kann.

Fazit: Die gewünschte Ruhe hat man dadurch in der Regel leider nicht.

Variante 2: Auf Kommentator eingehen

Diese Option mag zunächst als vielversprechend erscheinen. Erfahrungsgemäß führt dieser Weg jedoch regelmäßig zu emotionalen Auseinandersetzungen, in denen sachliche Argumente auf taube Ohren stoßen. Hinter solchen Kommentaren verbirgt sich häufig der Wunsch nach Aufmerksamkeit. Kritische Antworten können leicht in endlose Diskussionen abrutschen, die wenig Produktives hervorbringen und kostbare Zeit verschlingen. Abgesehen davon, dass es mit der Zeit extrem nervig wird.

Fazit: Sobald der Kommentator Gegenwind erfährt, beginnt fast immer eine nicht enden wollende Abwärtsspirale. Es wird behauptet, man könne keine Kritik vertragen, habe keine Ahnung, sei linksgrün versifft‘, begleitet von zahlreichen weiteren Abwertungen oder persönlichen Beleidigungen. Braucht kein Mensch.

Variante 3: Kommentar einfach stehen lassen

Die Option, abwertende Kommentare einfach stehen zu lassen, mag für den Kommentator zufriedenstellend sein. Jedoch ist es für mich oft keine geeignete Wahl. Das kommentarlose Stehenlassen von problematischen Äußerungen kann dazu führen, dass falsche Darstellungen möglicherweise von anderen als wahr und/oder richtig akzeptiert werden.

Fazit: Das Ignorieren von falschen oder irreführenden Informationen in Kommentaren kann dazu führen, dass sie bei Leser:innen Populismus oder Ähnliches fördern. Das möchte ich zumindest auf meiner eigenen Seite vermeiden.

Wenn es deinen inneren Frieden kostet, ist es zu teuer - Reiseblog Bravebird

Raue Zeiten → Neue Wege

Austausch stellt einen wesentlichen und erfüllenden Aspekt meiner öffentlichen Arbeit dar. Noch schöner ist, dass ich durch die wertvollen Interaktionen in den vergangenen Jahren viele tolle Menschen, sowohl Männer als auch Frauen, kennengelernt habe. Einige von ihnen zählen heute sogar zu meinen Freundinnen und Freunden.

Abwertende oder destruktive Kommentare sind glücklicherweise nur ein geringer Bestandteil meiner Arbeit. Dennoch werde ich den zunehmenden Trend von frauenfeindlichen Kommentaren, die immer noch viel zu wenig Konsequenzen erfahren, nicht weiter tolerieren. Wenn Männer derart extrem reagieren, indem sie trotz Blockierung und klarer Grenzen über viele Tage hinweg obsessiv Kommentare unter Artikel setzen wollen, E-Mails schreiben und keine Ruhe geben, geht das eindeutig zu weit und führt dann auch zeitnah zu einer Anzeige.

Gleichzeitig möchte ich hier keinen Raum für Populismus, rechtes Gedankengut oder andere Formen von Stimmungsmache zulassen. Daher wird die Kommentarfunktion von nun an deaktiviert sein. Wenngleich mit einem weinenden Auge und gleichzeitig natürlich unglaublich verärgert, sehe ich mit einem lachenden Auge einer anderen Form des Austauschs entgegen. Wie das aussehen wird, überlege ich mir noch.

Konstruktive Kritik ist natürlich immer willkommen und stellt einen wichtigen Bestandteil einer offenen Diskussion dar. Wenn dir einmal ein Fehler auffallen sollte, du Fragen hast oder mir etwas mitteilen möchtest, kann du dich am besten über Email oder Nachricht über Instagram an mich wenden. Vielen Dank für dein Verständnis!

BRAVEBIRD © 2013 - 2024. Alle Rechte vorbehalten.