7 Gründe, die gegen eine Mitgliedschaft beim ADAC sprechen

Was spricht gegen eine Mitgliedschaft beim ADAC? - Reiseblog Bravebird

Wenn der ADAC im Radio, Fernsehen oder in Zeitungen erwähnt oder um fachliche Expertise gebeten wird, frage ich mich jedes Mal, ob den Redaktionen und Mitgliedern eigentlich bewusst ist, welche Auswirkungen die Unterstützung dieses Vereins auf die Verkehrspolitik, -praxis, Umwelt und nicht zuletzt uns alle hat.

Es scheint, als ob viele Menschen etablierte Institutionen wie den ADAC bedenkenlos akzeptieren, einfach weil sie seit Jahrzehnten an ihre Präsenz in unserem Leben gewöhnt sind. Doch bedeutet diese langjährige Gewohnheit automatisch, dass der ADAC immer im besten Interesse aller Verkehrsteilnehmer handelt? Und warum hinterfragen wir seine Rolle und Einflussnahme nicht kritischer?

Immer mehr Menschen vertrauen dem ADAC: Die Zahl der Mitglieder im Mobilitätsclub ist auf über 21,4 Millionen gestiegen.“, heißt es in einer Mitteilung des ADAC vom 16.01.2023.

– Wie kann das sein?

Bei meiner intensiven Beschäftigung mit den Themen Nachhaltigkeit und Mobilität ist mir der ADAC immer wieder negativ aufgefallen. Wenn dir Klima- und Umweltschutz, Vielfalt, Gleichstellung sowie eine moderne Verkehrswende am Herzen liegen, könnte es sinnvoller sein, dein Geld anders zu investieren als in diesen Verein. Hier sind einige Punkte, die du wissen solltest:

1. Einer der größten Lobbyverbände der Welt

Viele verstehen den ADAC nur als Pannenhilfe, jedoch steckt viel, viel mehr dahinter! Der ADAC ist der größte Verkehrsclub Europas. Sein Zweck ist es, die Interessen des Kraftfahrwesens, des Motorsports und des Tourismus wahrzunehmen und zu fördern. Neben der Pannenhilfe umfasst der ADAC ein Netzwerk von 27 Tochter- und Beteiligungsunternehmen, das Versicherungen, Finanzdienstleistungen, Autovermietungen und diverse andere Dienstleistungen anbietet. (Wikipedia)

Diese vielfältigen Geschäftsfelder machen den ADAC zu einem der größten Lobbyverbände der Welt, dessen Einfluss weit über Deutschland hinausreicht. Aber was ist daran problematisch?

Monopol ADAC

Da sich der ADAC nicht nur über Mitgliedsbeiträge, sondern auch durch andere Geschäftstätigkeiten finanziert, dürfte fraglich sein, wie unabhängig er agiert. Vielmehr vertritt der ADAC gemäß eigenem Kodex primär die Interessen seiner Mitglieder. Dies führt zwangsläufig dazu, dass politische Entscheidungsprozesse im Verkehrsbereich nicht immer im besten Interesse der Gesellschaft, des Gemeinwohls oder unserer Umwelt getroffen werden.

Ein paar Beispiele zum Handeln und Lobby-Einfluss des ADAC:

  • ADAC (2023) verzichtet beim Thema Tempolimit auf eine Empfehlung an die Politik, obwohl sogar 54 Prozent der eigenen Mitglieder dafür sind.
  • VDI Verlag (2024): „Kürzlich forderte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) deutsche Städte auf, dem Beispiel von Paris folgend, höhere Parkgebühren für zunehmend größer werdende SUVs einzuführen.“ – „Der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) kritisiert diesen Vorschlag.“
  • Merkur.de (2022): Abgasnorm Euro 7 – „Statt einer Verbotsdiskussion brauche es laut ADAC ein klares Bekenntnis zum Verbrenner, Schulze macht sich für eine Weiterentwicklung der Fahrzeuge und Kraftstoffe stark.“
  • Autor Motor Sport (2021): ADAC-Technikpräsident gegen Verbrenner-Verbote, eine Abkehr vom Auto an sich sieht er ebenfalls nicht.
  • Spiegel (2020): ADAC und FDP kritisieren Verschärfung der Strafen für Verkehrssünder
  • Hamburger Abendblatt (2020): ADAC, FDP und AfD vereint in Kritik an neuem Radweg. – Missfallen an der je Richtung rund einen halben Kilometer langen Pop-Up-Bikelane, da es zu mehr Staus führe
  • SAZ Bike (2021): ADFC Bayern kritisiert Umfrage von ADAC und Bayerischem Verkehrsministerium als einseitig und tendenziös – „Bei der Frage, welches neue Auto man sich kaufen würde, gibt es die Option ‚keines‘ z.B. nicht. Das Fahrrad fehlte.
  • Merkur (2014): „ADAC hält nichts von 0,0 Promillegrenze“ – obwohl die Gewerkschaft der Polizei dies fordert und laut Umfragen die Mehrheit der Bevölkerung und Mitglieder dafür ist.
  • Merkur (2023): „Senioren und Rentner sollen Fahrtauglichkeit nachweisen: ADAC kritisiert geplante Führerschein-Regelungen“ – obwohl in vielen Ländern bereits Pflicht.
  • ADAC Regionalclub Pfalz (2022): „Anwohner der Orte entlang der Biker-Routen ärgern sich immer öfter über Lärm, gründen Bürgerinitiativen. Mehrere Bundesländer prüfen die Möglichkeit von Fahrverboten an Sonn- und Feiertagen.“ – „Der ADAC ist gegen solche Kollektivstrafen für Motorradfahrer.“
Menschen fühlen sich von Straßenverkehrslärm belästigt - Reiseblog Bravebird
Stell‘ dir vor, 3/4 der Bevölkerung fühlt sich von Verkehrslärm belästigt – und keinen interessiert’s
(Quelle Statistik: Umweltbundesamt)

Viele weitere Aspekte zur Lobbyarbeit des ADAC findet man auf Lobbypedia oder LobbyControl.

2. Der ADAC und der Klimaschutz

Der ADAC unterstützt und fördert neben Elektroautos, deren Herstellung natürlich auch Unmengen an CO2 verursacht, alles, was fossile Brennstoffe verbraucht: PKW, SUV, LKW, Trucks, Rennwagen, Busse, Campingfahrzeuge, Oldtimer, Motorräder und andere motorisierte Fortbewegungsmittel. Er fördert zudem die Sportschifffahrt, vermietet weltweit Yachten, Motorboote & Co.; Kreuzfahrten stehen auf seinem Reiseportal ebenfalls hoch im Kurs.

Diese uneingeschränkte Unterstützung all dieser teils sehr klimaschädlichen Verkehrsmittel steht im krassen Widerspruch zu den dringend notwendigen Bemühungen um mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit, da fossile Brennstoffe und die Ressourcen zur Herstellung von Fahrzeugen aller Art einen erheblichen Beitrag zum Klimawandel und zur Umweltzerstörung leisten.

Wenn man durch die Artikel und Tests auf der Seite des ADAC surft, scheinen die Klimakrise und die drastischen, notwendigen Maßnahmen im Verkehrssektor nicht existent zu sein. Und das, obwohl ADAC Verkehrsexperte Prof. Dr. Suthold im Interview (2021) fordert: „Alle müssen endlich ihre Hausaufgaben für mehr Klimaschutz machen. Dazu zählen der Bund, die Kommunen, die Fahrzeughersteller und auch wir Menschen.“ Den ADAC selbst hat er in der Aufzählung im Interview ausgelassen. Große Worte, aber wo sind die großen Taten?

Der Mobilitätswandel erfordert Verhaltensänderungen, die über alternative Antriebe im Pkw hinausgehen“, fordert der ADAC. Dabei sehe man Haushalte mit überdurchschnittlichem Einkommen „stärker in der Verantwortung“, weil sie ein höheres Mobilitätsniveau haben.

Interview mit Gerhard Hillebrand, Verkehrspräsident des ADAC, 2022
Reduktion von Emissionen Verkehr - ADAC
Zum Artikel

Auf dem Instagram-Profil des ADAC habe ich lange gescrollt und keinen einzigen exklusiven Tipp zum Umdenken für mehr Nachhaltigkeit gefunden. Zu gewinnen gibt es schwere SUV oder teure E-Bikes und auf Magazin-Covers präsentieren sich die größten Wohnmobile und schönsten Womo-Touren. Auf Instagram werden die PS-stärksten Newcomer des Jahres mit „Verbrenner-Power“ gefeatured und Influencerinnen werden eingesetzt, um Vanlife öko und grün zu machen.

Bei den Ratschlägen zum nachhaltigen Campen wird stets die Entfernung als das entscheidendste Detail unterschlagen. Bei Umfragen wie „So campen die Deutschen“ wird der Aspekt Wildcamping ausgelassen und auch die große Problematik des Wildcampings wird vom ADAC nicht ein einziges Mal thematisiert. Bei meinem Faktencheck zur Nachhaltigkeit bei Reiseportalen (2022) war mein Recherche-Resultat zum ADAC Reiseportal: „Nachhaltigkeit existiert auf der Homepage schlichtweg nicht.“ Übrigens auch heute nicht, zwei Jahre später. Dies sind nur ein paar von sehr, sehr vielen Beispielen.

Aus meinem Artikel über Wohnmobile und Vanlife möchte ich einen kleinen Auszug teilen: Allein für die Produktion eines einzigen, normalen Autos, das durchschnittlich 1,5 Tonnen wiegt, werden im Schnitt 70 Tonnen Materialien und Ressourcen verbraucht. (Quelle: VCOE) PS: Bei SUV oder Wohnmobilen kann man nochmal ordentlich draufrechnen. Diese Informationen habe ich nicht vom ADAC…

Was kostet ein Auto wirklich - externe Kosten - aus 10 Milliarden - Reisemagazin Bravebird
© BRAVEBIRD

3. Der ADAC und der Umweltschutz

In der Öffentlichkeit wird in der Regel über Klimaschutz gesprochen, wodurch wichtige Aspekte des Umweltschutzes vernachlässigt werden. Themen wie Mikroplastik durch Reifenabrieb, die Auswirkungen der Abgase von Verbrennungsmotoren oder die Problematik der Ressourcen-Beschaffung bei der Fahrzeugherstellung werden zwar gelegentlich auf der Webseite des ADAC erwähnt, jedoch scheinen die Informationen eher aus Gründen der Vollständigkeit zu erfolgen; sonst wären die akut notwendigen Maßnahmen schließlich an der Tagesordnung und für alle deutlich sichtbar.

Auf der ADAC-Internetseite findet man zum Beispiel auch keine Informationen darüber, dass die Schadstoffe der Abgase sowie die Fahrt selbst zum Insektensterben beitragen – eines der größten Probleme unserer Zeit! Stattdessen gibt es einen Artikel über „den ADAC als Paradies für Bienenvölker“. Im Artikel wird dabei nicht transparent erwähnt, dass Unternehmen in der EU mit mehr als 500 Mitarbeitenden gem. CSR-Richtlinie verpflichtet sind, nachhaltige Leistungen zu erbringen und zu dokumentieren. (Video-Tipp: Image-Kampagnen durch Bee-Washing ZDF Magazin Royale)

ADAC Bewertung Mitarbeiter Kununu Screenshot
Quelle: Mitarbeiter-Bewertung auf Kununu von 2023

Ein weiteres Beispiel: der Motorsport. Der ADAC veranstaltet eine Vielzahl von Events europaweit und fördert den Motorsport in massivem Umfang. Unter der Überschrift „ADAC Motorsport: Innovativ und nachhaltig“ behauptet der ADAC, dass Nachhaltigkeit und Motorsport sich nicht ausschließen. Dabei werden Ansätze wie nachhaltigere Kraftstoffe, der Einsatz von Batterien statt Verbrennungsmotoren und das Vermeiden von Plastikflaschen erwähnt. Von einer Reduktion von Motorsport ist jedoch keine Rede.

Wie dreckig ist Motorsport?
Nur ein Rennen von vielen. Zum Artikel

Nachhaltigkeit bedeutet, das weiß auch der ADAC, natürliche Ressourcen zu schonen. Dies steht jedoch im klaren Widerspruch zur Förderung von mehr Rennveranstaltungen, mehr Logistik-Aktivitäten, mehr Umweltbelastung, mehr Abgasen, mehr Feinstaub, mehr Reifenabrieb und vielen anderen Umweltschäden. Hier ein interessanter Artikel zu diesem Thema, der auch die umstrittenen E-Fuels berücksichtigt von der Rheinischen Post.

Dabei fallen auch Charity-Aktionen auf: Solche Spendenaktionen für Afrika erinnern an einen modernen Ablasshandel, bei dem durch Wohltätigkeits-Bekundungen der Eindruck von Verantwortungsbewusstsein erzeugt wird, während die tatsächlichen umwelt- und klimaschädlichen Praktiken wie Motorsport-Veranstaltungen unvermindert fortbestehen – und möglicherweise sogar noch verstärkt werden.

Skurriler Spendenaktion beim ADAC Motorsport
Der Win-Win-Kreislauf in der heutigen kapitalistischen Zeit

4. It’s an Old Mans World

Ein Verein, bei dem man gar nicht erst gendern muss, weil hier bei den beiden großen Säulen ADAC Verein und AG ausschließlich Männer gehobenen Alters an der Macht sind: Das Präsidium des ADAC besteht aus 8 Männern. Sowohl der Vorstand des ADAC e.V. als auch der Vorstand des Konzerns ADAC SE (Autovermietung, Finanzdienste, Versicherungen, Camping etc.) setzen sich jeweils aus 2 Männern zusammen. Frauen? Fehlanzeige.

Ein kleiner Einblick über die Verteilung der Vorstände und Geschäftsführung in den 18 Regionalclubs:

ADAC Berlin-Brandenburg: 8 Männer, 0 Frauen
ADAC Hansa: 5 Männer, 0 Frauen
ADAC Hessen-Thüringen: 4 Männer, 1 Frau
ADAC Mittelrhein: 7 Männer, 1 Frau
ADAC Sachsen-Anhalt: 7 Männer, 1 Frau
ADAC Nordbaden: 6 Männer, 2 Frauen
+ weitere Gremien: 14 Männer, 2 Frauen
ADAC Nordbayern: 7 Männer, 1 Frau
ADAC Nordrhein: 6 Männer, 2 Frauen
ADAC Ostwestfalen-Lippe: 6 Männer, 0 Frauen
+ weitere Gremien: 12 Männer, 4 Frauen
ADAC Pfalz: 6 Männer, 1 Frau
ADAC Saarland: 7 Männer, 1 Frau
ADAC Sachsen: 6 Männer, 0 Frauen
ADAC Schleswig-Holstein: 6 Männer, 2 Frauen
ADAC Südbaden: 7 Männer, 0 Frauen
+ weitere Gremien: 10 Männer, 0 Frauen
ADAC Südbayern: 7 Männer, 0 Frauen
+ weitere Gremien: 11 Männer, 2 Frauen
ADAC Weser-Ems: 5 Männer, 1 Frau
ADAC Westfalen: 8 Männer, 0 Frauen
ADAC Württemberg: 5 Männer, 3 Frauen

Gesamt: 160 Männer vs. 24 Frauen
Verteilung: 87% Männeranteil, 13% Frauenanteil

Das ist ziemlich weit entfernt von Gleichstellung, oder?

ADAC und die überwiegend männliche Führungsebene - Reiseblog Bravebird

Bei vielen Fotos der Führungsteams lächeln einem ausschließlich weiße Männergruppen entgegen. In den zahlreichen Vorständen, der Geschäftsführung und den Gremien von über 170 Mitgliedern ließ sich lediglich ein einziger Name finden, der nicht deutsch klingt. Das Thema Vielfalt scheint auf der Führungsebene nicht zu existieren. Lediglich in der dritten Säule des ADAC, der Stiftung, hat es eine Frau in den Vorstand geschafft. Das Kuratorium besteht hingegen wieder ausschließlich aus fünf Männern. Der Chefredakteur des Magazins Motorwelt ist ebenfalls ein Mann.

Wenn ein Verein wie der ADAC, der ein Viertel der Bevölkerung als Mitglieder zählt, überwiegend von männlichen, älteren, biodeutschen Führungskräften geleitet wird, müsste diese einseitige Besetzung eigentlich Fragen zur Vorbildfunktion in Bezug auf moderne Sichtweisen, Diversität und Gleichberechtigung aufwerfen. Besonders in Anbetracht des breiten Einflusses des Unternehmens in die verschiedensten Lebensbereiche unseres Alltags.

Zwei Beispiele von Personal-Bewertungen auf Kununu von 2023:

ADAC Bewertung Mitarbeiter Kununu Screenshot
ADAC Bewertung Mitarbeiter Kununu Screenshot

5. Die große Unzufriedenheit

Schlechte Erfahrungen und Bewertungen ADAC
Stand 02/2024

Trotz zahlreicher negativer Erfahrungsberichte scheinen viele Menschen den Service des ADAC zu nutzen. Ob bei Trustpilot (aktuell 2 von 5 Sternen), bei Finanzfluss (aktuell 2,4 von 5 Sternen) oder bei Trusted Shops (aktuell 1,74 von 5 Sternen) zu Pannendienst, Reiseversicherungen, Rechtsschutz und anderen Dienstleistungen – die große und ständige Präsenz in den Medien scheint die Menschen trotz allem zu überzeugen, dass dieser Verein die richtige Wahl sei.

Auch lohnt sich ein Blick in die Mitarbeiter-Bewertungen auf Kununu. Obwohl es in diesem Artikel hier in erster Linie um die ADAC-Mitgliedschaft geht, möchte ich jedem und jeder, die/der sich für eine Kfz-Versicherung interessiert empfehlen, sich auf Plattformen wie Check24 anhand der 1- und 2-Sterne-Bewertungen ein Bild über die nachträgliche Preisgestaltung nach Vertragsabschluss und eine mögliche, extreme Rückstufung von SF-Klassen zu machen.

6. Vorsicht: Monopol

Wie ein Krake erweitert der ADAC kontinuierlich sein Angebot und bietet eine immer breitere Palette von Dienstleistungen an: von Versicherungen über Autovermietung, Reisevermittlung, Reisebüchern und -magazinen, Atlanten, Landkarten und Apps bis hin zu Arzt- und Apothekensuche, Motorsport, Skipper-Portal (Schiffe, Boote, Yachten etc.), Finanzdienstleistungen, Bonus- und Partnerprogrammen bis zu einem Campingportal.

Neu hinzugekommen sind ein Schlüsseldienst und ein Fahrrad-Pannendienst. Die Expansion des ADAC in immer mehr Geschäftsbereiche sollte eigentlich dringend kritische Fragen hinsichtlich seiner Monopolstellung aufwerfen.

Monopol ADAC Kritik

Angesichts der oben genannten Punkte und Berichte in den vergangenen Jahren dürfte fraglich sein, ob der ADAC tatsächlich stets im Interesse aller Verbraucher:innen handelt oder eher dazu neigt, eine dominierende Position einzunehmen. Dies könnte den Wettbewerb einschränken und anhand der vielen kritischen Standpunkte (s. Punkt 1) die dringend benötigte Verkehrswende möglicherweise teilweise blockieren oder verzögern.

Warum die potenziellen Auswirkungen des ADAC auf den Wettbewerb und die Interessen der Allgemeinheit so selten thematisiert werden, konnte ich nicht herausfinden. Es ist schwer nachzuvollziehen, warum viele Medien (insbesondere öffentlich-rechtliche Sender) den Lobbyverband ADAC so prominent unterstützen, zitieren und integrieren, anstatt den Einfluss, die Ausrichtung und den Kern des Unternehmens kritisch zu beleuchten und zu hinterfragen.

7. Die Clubzeitschrift ADAC-Motorwelt

Eine der wenigen erfreulichen, sichtbaren Veränderungen beim ADAC hin zu mehr Umweltschutz betrifft die umständehalber drastische Reduzierung der kostenlosen Mitgliederzeitschrift „Motorwelt“. Bis Ende 2019 wurde sie noch in einer Auflage von 13 Mio. Exemplaren nach Hause geliefert. Ab 2020 lagen nur noch 5 Mio. Exemplare pro Quartal bei Edeka oder Netto zur Mitnahme bereit. Mit der Zeit sank die Auflage weiter auf 2,7 Mio. Exemplare. Laut Geschäftsführer des Magazins werden derzeit ’nur‘ noch 1,5 bis 2 Mio. Exemplare in 9.000 Filialen ausgeliefert.

Intern geht man beim ADAC davon aus, dass ein Viertel der Empfänger die Motorwelt ungelesen wegwirft.“

Für Selbstabholer, Süddeutsche Zeitung (2019)

Die Wirtschaftswoche schreibt 2021: Zwei Millionen Hefte für die Mülltonne. Die Anzahl der Bäume oder besser gesagt Wälder, die für dieses Magazin in den vielen, vielen Jahren bereits gefällt werden mussten, sollte man vermutlich besser nicht ausrechnen. Als Mitglied unterstützt bzw. finanziert man diese enorme Verschwendung von Ressourcen indirekt mit. Und natürlich verdient der ADAC mit diesem Magazin auch Geld: eine Seite Werbung in Farbe kostet 70.500 Euro netto.

Emissionen Verkehr wer hat Schuld
Zum Artikel

Fazit: Wen du unterstützt, macht einen Unterschied!

Bei der Betrachtung der aktuellen Herausforderungen hierzulande müssen wir einen Blick auf die Kräfte zu werfen, die maßgeblich Einfluss nehmen – und damit unseren Alltag und unsere Zukunft gestalten. Warum kommen wir ausgerechnet im Bereich Verkehr so unfassbar schlecht voran? Sowohl Scheuer (CDU) als auch Wissing (FDP) als Verantwortliche für die Verkehrspolitik stehen bzw. standen in der Kritik.

Der Einfluss auf die Verkehrspolitik beschränkt sich nicht allein auf den Verkehrsminister. Der ADAC agiert als einflussreiche Interessen-Vertretung und als Konzern in vielen Bereichen und mit zahlreichen Kooperationspartnern. Zusätzlich verfügt er über eine immense mediale Reichweite, die durch Medien verstärkt wird. Selbstverständlich ist er nicht der einzige Einfluss, jedoch spielt er eine bedeutende Rolle bei der Gestaltung und Umsetzung von Verkehrspolitik sowie bei der Beeinflussung der öffentlichen Meinung und Diskussionen über dieses Thema.

Mehr Menschen sterben auf Autobahnen ohne Tempolimit
Der ADAC enthält sich, obwohl lt. Umfrage die Mehrheit seiner Mitglieder dafür ist; die Parteien FDP, CDU/CSU und AfD blockieren bislang ein Tempolimit. Zum Artikel, oder Statista

Wenn du also lediglich einen einfachen Abschleppdienst suchen solltest und nicht den Einfluss eines großen Vereins und Konzerns unterstützen möchtest, gibt es einige Alternativen: den AvD, den ACE oder den ACV. Falls du bereits Mitglied beim ADAC sein solltest und erwägst zu wechseln, kannst du dich hier über deine Kündigungsmöglichkeiten informieren. Einen Schutzbrief kannst du übrigens auch häufig über eine Kfz-Versicherung abschließen.

Weitere informative Links:

Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde vor seiner Veröffentlichung der Presseabteilung des ADAC e.V. vorgelegt und anschließend nochmals überarbeitet. Mehrere Presseanfragen zur Stellungnahme bezüglich des ADAC bei verschiedenen Sendern wie dem ZDF oder Unternehmen wie Edeka sind bis zum aktuellen Stand unbeantwortet geblieben. Dieser Artikel spiegelt meine persönliche Meinung und Recherche wider.

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