Vanlife Kritik über Märchen vom Vanlife - Reisemagazin Bravebird

10 Mythen, die uns über’s Vanlife erzählt werden

Als ich kürzlich einen Artikel in der ZEIT las, in dem die Autorin die Anhänger:innen des Vanlifes in die Schublade der Spießbürgerlichkeit steckte, war ich zunächst irritiert. Für mich passte das nicht so wirklich, aber als ich dann den dazu gehörigen Instagram-Post mit fast 24.000 Likes sah, ließ das für mich den Schluss zu, dass das fancy Vanlife mit seinen Boho-Decken, Lichterketten und Traumfängern sehr vielen Menschen mittlerweile ziemlich auf den Geist geht.

Wer sich Bücher oder Magazine zum Thema Vanlife anschaut, wird mit Sprüchen und überschwänglicher Begeisterung förmlich erschlagen. Vanlifer wirken immer überglücklich, sind eins mit der Natur und man wird den Eindruck nicht los, dass sie auch irgendwie die besseren Menschen sind: sie achten auf die Umwelt, sammeln Müll, sind achtsam, spirituell und selbstverständlich maximal nachhaltig unterwegs.

Frau und Lieferwagen = happy Vanlife - Reisemagazin Bravebird
Hätte man sich noch vor ein paar Jahren vorstellen können, dass „Frau + großer Lieferwagen“ zusammen auf einem Foto mal Trend werden? Wohl kaum. (Foto: Stephen Leonardi, unsplash)

Aber ist dieses Image wirklich echt und Realität? Oder werden diese Märchen möglicherweise nur so stark überzogen, weil sie etwas anderes überdecken sollen? Kommen wir hier zu den weit verbreitetsten Erzählungen und (Wider-) Sprüchen in der grenzenlos glücklichen Vanlife-Szene:

1. »Es ist die ultimative Freiheit«

Egal, welche Definition ich zu dem Begriff „Freiheit“ finde – warum sie speziell mit einem Van oder Wohnmobil größer sein soll als sonst kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Freiheit bedeutet, das Recht zu haben, etwas ungehindert zu tun und sich ungehindert entfalten oder betätigen zu können.

Wir haben in unserem demokratischen Land das unfassbar große Privileg, uns frei bewegen zu können. Ja wir sind sogar eine der drei Nationen weltweit, die die visumsfreie Einreise in die meisten Länder dieser Erde ermöglicht. Wir können mit dem Fahrrad, dem Zug, dem Auto oder dem Bus heute losfahren und jederzeit an (fast) jeder Stelle anhalten und die Aussicht genießen.

Hier ein paar Beispiele für die teils gar nicht so lustigen Widersprüche:

Privilegien der Vanlifer - Reisemagazin Bravebird
Wenig Geld und Leben im Auto - Reisemagazin Bravebird

Was viele offenbar vergessen oder wohl eher ausblenden: mit einem Wohnmobil bzw. „Van“ für mehrere Monate oder länger unterwegs zu sein, ist ein riesiges Privileg! Oftmals wird es als „einfaches Leben“ oder „Minimalismus“ deklariert, aber in Wirklichkeit können sich die wenigsten in Deutschland diesen Luxus leisten. Kauf- oder Mietpreis, Sprit, Steuer, Versicherung, Equipment und eventuelle Reparaturen sind alles andere als günstig, wie ich in diesem Artikel im Detail aufgelistet habe.

Vanlife und die Freiheit - Reisemagazin Bravebird
Vanlife und die Freiheit - Reisemagazin Bravebird

Portugal ist wahrscheinlich das beste und markanteste Beispiel für das Desaster, das die große Vanlife-Flut bislang angerichtet hat. Zugemüllte Küsten und Strände mit unschönen Kot-Einlagen haben dazu geführt, dass das Wildcampen dort heute eine Umweltstraftat darstellt. Aber Gott sei Dank ist Europa groß und nun weicht die Crowd nach Griechenland aus.

Vanlife Arbeiten und Leben auf kleinstem Raum ist ein Traum - Reisemagazin Bravebird
Vanlife bei großer Hitze - ein Traum - Reisemagazin Bravebird
Natürlich wissen das die klugen Vanlifer, die den Sommer im kühleren Norden verbringen. Und hier kann man sogar auch wild und damit kostenlos campen! Mit der Fähre geht’s direkt also in die #schwedenliebe.

Wie sieht es mit der großen Freiheit aus, wenn man sehr heißes oder längere Zeit sehr verregnetes Wetter hat? Während die eigene Wohnung daheim grundsätzlich nicht groß genug sein kann, macht hier plötzlich der kleine, beengte Raum selbst zu zweit mit Hund scheinbar gar nichts mehr aus. Ich habe noch nie gehört, dass Influencer:innen z. B. extrem kleine Wohnungen favorisieren. Obwohl sie doch nur so wenig brauchen.

Im Wohnmobil ist bei Regen alles klamm und verdreckt. Es gibt keine Spülmaschine, kein Kühlfach und keinen Backofen, dreckige Kleidung müffelt, Krümel und Sand fliegen überall herum. Jetzt mal ernsthaft: das soll man unter Freiheit verstehen? Das Ertragen von Hitze, der beengte Raum, das nervige Spülen draußen, Pinkeln auf Gemeinschafts-Klos, die permanente Suche nach Übernachtungsplätzen – all das hat in jedem Fall mal sehr viel mit Einschränkung zu tun.

Vanlife - die große Freiheit auf dem Campingplatz - Reisemagazin Bravebird

Das ist die „Freiheit“, wenn man es zumindest unter sozial nachhaltigen Gesichtspunkten richtig macht und zudem in Deutschland bleibt. Dank der massiven Werbung seitens Influencer:innen, Caravaning-Industrie, Autoherstellern, Magazinen und nicht zuletzt dem ADAC werden die Campingplätze immer voller und die Natur wird weiter stark belastet durch Wildcamping.

Glücklicher Weise werden die Natur, Wildtiere und Anwohner nicht zu ihrer persönlichen Vorstellung von Freiheit befragt, wenn es um ihr Verhältnis zu Wohnmobilen, umgebauten Kastenwagen, Lieferwagen, LKW und Vans geht.

Mythos Vanlife und die Freiheit - Reisemagazin Bravebird
Mythos Freiheit beim Vanlife - Reisemagazin Bravebird

Wo ist sie also, die Freiheit? Mit dem Gedanken einzuschlafen, dass nachts in jedem Moment jemand an die Tür klopfen kann und einen vom Platz verweist? Dass der Camper ausgeraubt wird, wenn man den Wagen abstellt und einkaufen geht? Auf einem Campingplatz zu übernachten, wo man dicht an dicht steht? Auf einem sterilen Stellplatz, Rastplatz oder Parkplatz zu stehen, der hässlicher oder lauter nicht sein könnte?

2. »Vanlife ist nachhaltig und umweltfreundlich!«

Da sitzen sie mitten im Wald vor ihrem Lagerfeuer für die perfekte Selbstinszenierung auf Instagram: Kleidchen an, Hut auf, aus der Thermoskanne dampft der Kaffee, auf dem Tischdeckchen liegen Äpfelchen und Einweggläser. Hach, fast so wie in den 60ern, ein echtes Hippie-Feeling. Im Hintergrund zwischen Bäumen dann ein riesiger Mercedes Truck, 5 Meter lang, mit seinen 3 Tonnen Gewicht auf den Waldboden drückend.

Es ist völlig egal, welche minimalistischen Öko Travel-Hacks Influencer:innen in die Kamera halten und damit ihren gesamten Lifestyle als „nachhaltig“ deklarieren wollen: sie reisen mit einem meist überdimensional großen Fahrzeug, das

  • in erster Linie eine große Menge fossile Energien (Diesel, Benzin, Gas, Strom) benötigt, was klimaschädliches CO2 verursacht
  • ohne Ende Mikroplastik und Feinstaub in die Gegend ballert (Reifenabrief und Bremsen)
  • insbesondere ohne Katalysator (bei älteren Fahrzeugen) massiv schädliche Gifte (Kohlenmonoxid, Stickoxide, Schwefeldioxid) in die Natur und die Gesichter von Menschen bläst
  • beim Wildcampen („autark Stehen“) und Parken Infrastruktur nutzt, was touristisch unsozial ist, weil man zwar jede Menge nimmt, aber nichts zurückgibt
  • unter Umständen Öl verliert, das in den Boden sickert

⇨ … all das kann niemals nachhaltig sein!

Vanlife ist nicht nachhaltig! - Reisemagazin Bravebird
Egal, welche Seifchen du benutzt, dich mit Regenwasser wäschst oder in eine Trockentrenntoilette machst – eine Reise mit solch einem großen und schweren Fahrzeug ist NIE nachhaltig! (Foto: Levi Stute, unsplash)

Auf das Thema bin ich in meinem Artikel „Warum Vanlife nicht nachhaltig ist“ ausführlich eingegangen. Kurioser Weise fahren oft die „Greenfluencer:innen“ die größten oder schädlichsten Fahrzeuge oder empfehlen sie via Werbe-Kooperation und/oder legen zudem nicht selten ultraweite Strecken zurück.

Leuten zu vermitteln, dass man mit einem Van der Umwelt oder dem Klima etwas Gutes tut (schließlich fliegt man ja nicht!), ist einfach nicht ok!

3. »Wir hinterlassen Orte immer besser als zuvor«

„Negativ stößt uns eigentlich nur der Umgang anderer Reisender mit der Natur auf. So müssen wir zum Beispiel immer wieder Stellplätze im Wald von Müll befreien. Schade, dass nicht jeder so umsichtig mit der Umwelt umgeht.“, sagt Maria im Interview mit The Fernweh Collective. Ja was denn nun? Hinterlassen Vanlifer nun viel Müll in der Natur oder nicht?

Vanlifer und Müllproblem - Reisemagazin Bravebird
Vanlifer und Müllproblem - Reisemagazin Bravebird

Beim Wildcampen geht’s ja in erster Linie ums Geldsparen und um Coolness. Ersteres wird aber nicht so rausgekehrt, denn kein Geld zu haben ist wiederum heute überhaupt nicht cool. Daher muss diese ungewöhnliche Naturliebe im Vordergrund stehen, die ist ohnehin gerade im Trend und was läge da näher, als gleich auch noch ein paar Öko-Heldentaten mit einzubinden, dass man den Müll der anderen wegräumt.

Vanlife und Park4Night Kritik - Reisemagazin Bravebird

Wie zahlreiche Reportagen auf Youtube berichten, sieht die Realität ganz anders aus. Portugal habe ich bereits erwähnt. Der Müll wird (wenn nicht einfach irgendwo abgestellt oder stehen gelassen) in normale Mülleimer gesteckt oder bestenfalls gesammelt und dann beim Campingplatz entsorgt, der dann die Kosten für die Entsorgung tragen darf. Zwangsläufig landet der Müll wo auch immer (ungetrennt) und das auf Kosten der Allgemeinheit. Meine Foto-Sammlung an Exkrementen mit Feuchttüchern erspare ich euch.

4. »Vanlife spart Wasser«

Noch nie habe ich in irgendeinem anderen Zusammenhang gehört, wie stolz Influencer:innen darauf sind, wenig Wasser zu verbrauchen. Sie trinken massenweise Kaffee, tragen Jeans und Baumwoll-Shirts – aber hey, sie sitzen nunmal nicht auf einem normalen Klo und duschen sich nur alle paar Tage im Bach. Darauf kann man schon stolz sein in der heutigen Zeit!

Ich frage mich, warum diese Influencer:innen dann nicht konsequenter Weise dafür werben, auch zu Hause ihre kleinen und großen Geschäfte auf einer Trocken-Trenntoilette mit Urinabscheider zu vollbringen. Oder ganz selten zu duschen. Denn »Alles, was gegen die Natur ist, hat auf Dauer keinen Bestand.«, schreibt das Fräulein Öko schließlich in ihrem Vanlife-Ratgeber über nachhaltiges Vanlife (Verlag: ADAC).

Vanlife und der Mythos Wasserverbrauch - Reisemagazin Bravebird
(Foto: Marta Rastovac, unsplash)
Vanlife und der Mythos Wasserverbrauch - Reisemagazin Bravebird
(Foto: Vaye Dris, unsplash)

Zelten spart ebenfalls Wasser, darüber redet aber irgendwie niemand. Warum wohl? Weil’s halt nicht so sexy ist. Und unbequemer. Und eben ohne des Deutschen liebstes Gefährt und Statussymbol: das (möglichst große) Auto.

5. »Vanlife ist nachhaltiger als Fliegen oder Hotel-Urlaub!«

„Nur Wandern wäre noch nachhaltiger.“, sagt Ella im Interview mit The Fernweh Collective auf die Frage, wie sie Vanlife mit Nachhaltigkeit verknüpft. Schließlich sei man Selbstversorger und es werden Maschinen-Wäschen und Büfett-Abfall vermieden. – Also mal abgesehen davon, dass zwischen dem Reisen mit einem großen Kastenwagen/Verbrenner und Wandern noch eine SEHR große Bandbreite nachhaltiger Alternativen besteht, fehlt hierbei etwas ganz Entscheidendes: die soziale Komponente der Nachhaltigkeit!

Der Tourismus gilt als einer der bedeutendsten Arbeitgeber. Jeder zehnte Job weltweit hängt am Tourismus, das sind rund 300 Millionen Arbeitsplätze (Quelle: Tourism Watch). Hotels können am besten wirtschaften bzw. sind weniger umwelt- und klimabelastend bei voller Auslastung ebenso wie Flugzeuge. Und Hotels können auch nicht nachhaltiger werden, wenn ihnen die für die Umstellung notwendigen Einnahmen fehlen.

Park4Night Problem für den Tourismus - Reisemagazin Bravebird
Über 230.000 teils illegale Übernachtungsplätze werden auf der App „park4night“ geteilt mit 6 Millionen Downloads – Ein kostenloses, touristisches Reise-Vergnügen zu Lasten der Umwelt, der Straßen und der Tourismus-Industrie.

Die autark lebenden Vanlifer und/oder Wildcamper tragen als Touristen – die sie nunmal sind – bis auf ein paar Einkäufe im Supermarkt und ihren diversen Tankstellen-Besuchen zum Tourismus überhaupt nichts bei und sind damit ein unsoziales Glied in der Tourismuskette.

Corona hat gezeigt, wie problematisch ausbleibender Tourismus in manchen Ländern sein kann. Die illegale Abholzung im Amazonas hat sich verzehnfacht, Nationalparks und indigenen Gemeinschaften fehlt es an Geld und unzählige Ranger, die für den Schutz von Wildtieren wichtig sind zur Vermeidung illegaler Jagd, verloren ihre Jobs.

Abgesehen von der sozialen Komponente werden hier außerdem bewusst zwei Reisearten miteinander verglichen, die vollkommen unterschiedlich sind. Es ist doch klar, dass ein Hotel mit Verpflegung mehr CO2 verursacht als eine Nacht im Wald mit Selbstverpflegung. Hier müsste man fairer Weise eine vergleichbare Übernachtung heranziehen, z. B. das Zelt, das Tiny House, der Wohnwagen auf dem Campingplatz, die Hängematte oder ggf. das Dachzelt.

Vanlife und die Nachhaltigkeit - Mythen und Märchen - Reisemagazin Bravebird
Zwischen Wandern und Vanlife gibt es so einiges, das (je nach Reisestrecke) erheblich nachhaltiger ist als Vanlife!

Und auch kann man nicht einfach sagen, dass das Hotel 17,2 kg CO2-Äquivalente verursacht und die Nacht auf dem Stellplatz nur 1,5 kg. Wenn der Hotelgast 14 Tage lang vor Ort bleibt und mit dem Zug anreist, der Wohnmobil-Mensch aber jeden Tag hunderte Kilometer zurücklegt, sieht die Rechnung vollkommen anders aus. Fazit: hier muss man auf die komplette Reise schauen, nicht nur auf die Übernachtung.

Allein 75% aller CO2-Emissionen, die dem Tourismus zugerechnet werden, stammen aus dem Verkehr und hier vor allem aus der An- und Abreise zum Urlaubsort.

Quelle: Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP)

6. »Wir pflanzen Bäume als Ausgleich.«

Die wenigsten Autoreisenden werden überhaupt einen Gedanken daran verschwenden, zusätzlich zu den hohen Spritpreisen auch noch ihren CO2-Ausstoß zu kompensieren. Aber wenn, steht hier Bäume pflanzen ganz hoch im Kurs, weil man ja ohnehin schon so „naturfreundlich“ unterwegs ist.

Fun Facts:

  • Ein Baum, der heute gepflanzt wird, braucht mindestens eine Generation, bevor er überhaupt CO2 aufnehmen kann. (Quelle: Prof. Pierre Eibisch, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde)
  • Um eine Tonne CO2 aufnehmen zu können, muss die Buche etwa 80 Jahre wachsen. (Quelle: Dr. Daniel Klein, Wald-Zentrum der Universität Münster)
  • Nur eine Hin- und Rückfahrt ins trendige Griechenland mit einem Van verursacht satte 2,5 t CO2. (Quelle: z. B. myclimate Rechner)

Na da hoffen wir mal, dass die 2-3 Buchen für den einen Urlaub die 80 Jahre auch überleben bei Waldsterben, Dürren, Waldbränden & Co., bis sie die entstandenen Emissionen in dieser Zeit abgebaut haben. Aber ist doch eigentlich auch egal, Hauptsache – es hört sich gut an und man macht überhaupt etwas.

Vanlifer pflanzen Bäume - Reisemagazin Bravebird
Vanlife - Abgase und die Umwelt - Reisemagazin Bravebird
Waldbrandgefahr durch Vanlife und Mikroabenteuer - Reisemagazin Bravebird
Lagerfeuer = das krasse Gegenteil von Wald- und Baumschutz

Auch manche Vermieter von Vans werben mit ihrem großen Herz für die Umwelt und bieten die CO2-Kompensation für das Reisen mit grenzenlos gutem Gewissen an. Auf meine Nachfrage bei einem Anbieter wird die Herstellung des Fahrzeugs selbst nicht kompensiert und auch erhalten die Mieter keine Bestätigung für die Kompensation bei oder nach der Buchung.

Roadsurfer beschreibt seinen nachhaltigen Einsatz z. B. mit dem Pflanzen eines einzigen Lavazza-Kaffeepflänzchens je Buchung und das kann man sicher nicht als Ausgleichskompensation bezeichnen. Das ist Greenwashing mit Hilfe eines Unternehmens, das selbst ebenfalls Greenwashing mit einer einzelnen „grünen Kaffee-Edition“ betreibt.

7. »Vanlife ist pure Entschleunigung«

Kaffee spielt immer eine große Rolle beim Vanlife. Fast immer ist eine Thermoskanne oder Tasse im Spiel. Auch Decken sind neben der Lichterkette wichtige Accessoires und der Traumfänger darf eigentlich auch nicht fehlen. Gitarre ist top. Das Ganze bearbeitet mit einem weichen Boho-Fotofilter und der Sehnsuchtsmoment ist perfekt. Sie stehen am Strand, schauen in die Ferne – die natürlich immer menschenleer ist. Sie lesen, lachen, genießen.

Perfekte Vanlife-Inszenierung - Reisemagazin Bravebird
Die klassischen 08/15-Vanlife-Accessoires: Kaffee, Bücher, Hut, Karo-Hemd, Lichterkette und Gitarre

Die Realität jenseits von Instagram sieht dann aber doch meist ziemlich anders aus. Karla Margeson beschreibt es in ihrem Artikel so: „Wie schön und abenteuerlich der Wechsel von Landschaft, Klima und Gefährten auch sein mag, er ist immer auch eine Belastung für unser Nervensystem.“ Man wird vom Wildcamping-Platz verscheucht, hat kein Netz, der Campingplatz ist zu teuer für einen längeren Aufenthalt, mal braucht man mehr Infrastruktur, der Ort ist zu einsam oder was auch immer – von Ruhe und Erholung kann sehr oft keine Rede sein.

Gerade die, die Rundreisen unternehmen, müssen ständig ein- und auspacken, aufräumen, irgendwo spülen, Entsorgungsmöglichkeiten für Müll suchen, sich immer und immer wieder auf eine neue Infrastruktur einstellen und verbringen zum Teil sehr, sehr viel Zeit in ihrem Van allein mit der Suche nach einem neuen Stellplatz. An manchen Stellen hat man möglicherweise nachts Angst, kann bei der Hitze die Fenster nicht geöffnet lassen oder wenn man mal krank werden sollte, wird’s richtig ungemütlich.

All das hat NICHTS mit Entschleunigung zu tun, auch wenn die Leute es noch so oft wiederholen und der Community weis machen wollen. Apropos Entschleunigung – wie harmoniert das eigentlich mit der Tatsache, dass viele unterwegs als Digitale Nomad:innen auch Geld verdienen müssen und erfolgreich sein wollen (was auch immer man darunter verstehen mag)?

Innenleben und Unordnung im Van - Reisemagazin Bravebird
Bilder wie diese bekommt man nur sehr selten zu Gesicht. Normaler Weise wird für’s Foto alles rausgeräumt für die vermeintlich perfekte, minimalistische Einrichtung. Diese Optik hier ist allerdings die Realität: Tüten mit Obst, Gemüse, Müll und Kleidung, Lebensmittel, Geschirr und Töpfe, Kabel usw. – alles liegt und fliegt ständig irgendwo rum. (Foto: Brina Blum, unsplash)

8. »Vanlife ist absolute Naturverbundenheit«

Ultimative Schwärmereien von Reiseorten und -erlebnissen gehören bei Social Media und Blogs zwar dazu, aber selten habe ich sie so ausufernd wahrgenommen wie beim Vanlife. Da wird es poetisch, romantisch und verträumt, bis sich die Van-Balken biegen. Das Spiel von Sonne und Wolken, Wald und Einsamkeit, Stille am Morgen und Vogelgezwitscher… das ist alles so wunderbar.

Und das sogar auf nackten, langweiligen Stellplätzen. Ganz egal, es ist immer ein Traum. Bei all den Schwärmereien frage ich mich allerdings: Waren die vor ihrem Vanlife noch nie in der Natur? Noch nie zelten? Noch nie mal einfach auf zwei Füßen im Wald oder wandern? Und was mich in Zeiten der Klimakrise umso mehr interessiert: Wie sieht es eigentlich mit der Verantwortung aus? Mit dem Wissen, dass man mit seinen ganzen Schwärmereien unzählige andere Menschen dazu bringt, es ihnen gleich zu tun?

Für Lifestyle-Fotos wird mit dem riesigen Koloss Mercedes LKW in den Wald und damit über sämtliche Pflanzen gefahren inklusive Abbruch von Ästen (Hashtag #achtsamkeit), das GEO Walden Magazin parkt mit einem alten VW-Bus fett im Rapsfeld (sind ja nur Lebensmittel) und es gibt nahezu kein Vanlife-Magazin oder -Buch, bei dem auf die waldbrand-gefährlichen und verbotenen Lagerfeuer auf Waldboden verzichtet wird.

Vanlife zerstört - Reisemagazin Bravebird
Mit dem Bus immer mitten rein ins Gebüsch! Es gibt da so einen bekannten Spruch… „Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet.“ (Magnus Enzensberger) (Foto: Daniel J. Schwarz / unsplash)

Ich weiß beim besten Willen nicht, was Menschen unter Naturverbundenheit verstehen wollen… ich sehe hier sehr häufig das Gegenteil.

Ach ja, »Unser Van heißt …«

Forscher haben in dem Journal „Psychological Science“ nachgewiesen, dass eher einsame Menschen dazu neigen, ihren Autos Namen zu geben. Das Vermenschlichen von Autos haben viele vielleicht noch aus ihrer Kindheit mit Herbie und den Wagen aus dem Film Cars verinnerlicht; vielleicht gehört das im Autoland Deutschland einfach dazu. Aber ist das nicht auch irgendwie peinlich?

Wir reden hier über eine Blechkiste auf vier Rädern, die nicht nur auf vielfältige Weise umweltschädlich ist, sondern mit der auch jedes Jahr jede Menge Menschen im Straßenverkehr getötet werden. Braucht so ein Ding echt eine Vermenschlichung? Sehr schön thematisiert vom ZDF Magazin Royale in dieser Sendung.

Warum also der Name beim Vanlife? Vielleicht, weil man einem personifizierten Buddy weniger übel nimmt… Mein „Olaf steht auf der Wiese“ hört sich schließlich freundlicher an als mein „Mercedes 407D LKW steht auf der Wiese“. „Adriano braucht noch ein bisschen neuen Kraftstoff“ klingt eben niedlicher als „ich muss bald wieder mit meinem Pössl Wohnmobil zur Tankstelle“.

Echte Vanlife-Liebe auf dem Kastenwwagen - Reisemagazin Bravebird
Sich für Instagram bei Vollmond auf dem Dach von »Oskar«, »Fred« oder »Manni« küssen klingt auf jeden Fall romantischer als auf einem klobigen, alten Kastenwagen (Foto: Levi Stute, unsplash)

Bei der quantitativen Befragung von Verbrauchern aus 15 Ländern kam heraus, dass die Deutschen weltweit die stärkste Bindung zum Auto haben.

Wissenschaft.de: Das Konsumverhalten der Deutschen

9. »Der Van-Ausbau ist so nachhaltig!«

Mit Stolz wird stets die große Leidenschaft vermittelt, die man beim Van-Ausbau hat oder hatte. „Ich glaube, es gibt nur wenige Dinge, die ich mir jemals so sehr gewünscht habe, und kaum Ziele, die ich so stur und ausdauernd verfolgt habe wie das Projekt „eigener Van““, schreibt die Autorin Anna Tiefenbacher in ihrem Buch Vanlife. Äh ja, okay…

Mit der Instagram-Ära der Zehnerjahre verlor das Im-Auto-Wohnen so sein schäbiges Image und wurde zum Lifestyle-Trend. Seitdem kaufen Millenials mit wenig Lust auf Schreibtischjobs Caddies und Sprinter, fahren zum Baumarkt, besorgen sich Armaturen, Spanplatten und Dämmwolle und basteln am besseren Leben auf der Landstraße.

aus „Vanlife: Das ist der Alptraum vom postmodernen Aussteiger“ des ZEIT Magazins

Nicht selten wird auf Instagram betont, wie wahnsinnig wichtig diesen Ausbauer:innen die Nachhaltigkeit der verwendeten Materialien ist. Da wird für den Boden Kork statt Laminat verwendet, und selbstverständlich wird auf umweltfreundliche Farben und natürlich nicht zuletzt nachhaltiges Holz geachtet. Das ist in etwa so, als wenn Lufthansa in Zukunft nur noch Stoff- statt Ledersitze verwenden würde. Trotzdem wird das Flugzeug an sich damit nicht nachhaltiger.

Trotz alledem: sie bauen ein Fahrzeug um, das als Verbrenner keine dauerhafte Zukunft hat bzw. haben sollte. Ein Fahrzeug, mit dem sie weite Strecken zurücklegen wollen, das aber Umwelt und Klima schadet. Abgesehen davon: Es ist ein Lifestyle-Trend, der wie jeder Trend nur ein paar Jahre andauert. Nachhaltig bedeutet ja auch eigentlich auch „lang anhaltend“.

Wohnen im Lieferwagen - Reisemagazin Bravebird
Wohnen im Lieferwagen: Für viele Menschen z. B. in den USA eine Notlösung, weil sie sich die Wohnung nicht mehr leisten können; für die Privilegierten ist es gelebter Minimalismus. (Foto: Clay Banks / unsplash)

10. »Life is too short to not have a VAN«

Dieser Spruch stammt aus dem Vanlife-Magazin von The Fernweh Collective. Die Redaktion hatte ein Jahr zuvor noch ein nachhaltiges Reise-Handbuch veröffentlicht, 2021 folgte dann eine krasse Promotion für das Reisen in Lieferwagen, LKW und Bussen mit Hilfe von überglücklichen Vanlifern, die während der Pandemie gereist sind, und Fokus auf weit entfernte Ziele wie Griechenland, Fuerte und Marokko.

Wir schreiben das Jahr 2022. Spätestens seit 2018 ist durch die laute Fridays for Future-Bewegung eigentlich jeder und jedem klar, dass fossile Energien keine Zukunft mehr haben dürfen. Wir wissen, dass

  • ein Verbrenner-Aus für neue Pkw kommen wird (bzw. muss)
  • wir Emissionen im Straßenverkehr massiv senken müssen
  • das Insektensterben auch durch Feinstaub und Luftverschmutzung der Autos verstärkt wird
  • Autos wahnsinnig viel Fläche und Bodenversiegelung erfordern
  • Mikroplastik durch Reifenabrieb der Natur nicht mehr entzogen werden kann
  • immer mehr Asphalt für Autos die Städte stark aufheizt
  • Wohnmobile und Vans (= Lieferwagen) zum Leidwesen anderer große Dauer-Parkflächen in Anspruch nehmen

Und mit diesem Wissen empfehlen wir anderen heute wirklich noch mit Geigenklängen, sich ebenfalls ein riesiges Auto zuzulegen und mit ihrem „Karl“, „Heinz“ oder „Otto“, bestenfalls ohne Kat, durch ganz Europa zu brettern? Mich macht das sprachlos.

Ein riesiges Problem für Anwohner – und das nicht nur optisch: Wohnmobile und „Vans“ dürfen ohne zeitliche Begrenzung geparkt werden und belegen wertvollen Platz; Wohnwagen hingegen nur zwei Wochen (Foto: Octavian Dan / unsplash)

Weiterführende Reportagen und Links:

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Als Gründerin und Inhaberin dieses Reiseblogs teile ich hier seit 2013 meine Begeisterung fürs Reisen und persönliche Geschichten aus meinem Leben.

Kommentare

  • Patrick

    Hi Ute,

    meinen Respekt für diesen ehrlichen, „entlarvenden“ und augenöffnenden Artikel. War ja nicht der erste indem Du sehr kritisch, aber stets sachlich, Themen komplett auseinander nimmst. Von Deiner Authentizität, Ehrlichkeit und vor allem Deiner (Selbst)reflektion können sich viele Menschen eine Scheibe abschneiden. Ich verfolge schon lange Deinen Lebensweg, lese immer wieder gerne Deine Berichte und freue mich jedes Mal immer wieder aufs neue, „mit Dir“ diesen Weg zu gehen.

    Schönes Wochenende.

    LG

    • Avatar-Foto
      Ute

      Hi Patrick,
      vielen Dank für dieses schöne Feedback! Das motiviert mich, so weiterzumachen.
      Dir auch ein schönes Restwochenende und viele Grüße zurück!
      Ute

    • Jasmin

      Dem ist absolut nichts hinzuzufügen. :)

      LG,
      Jasmin

  • Edgar O

    Meeeensch Ute, ENDLICH spricht es mal jemand konkret aus! Ich bin früher gerne campen gegangen, ertrage den Anblick und die Massen aber nicht mehr. Vieles von dem, was du schreibst, wusste ich selbst noch nicht, daher DANKE, dass du so viel Arbeit, Mühe und sicher auch Kraft in diese so wichtige Aufklärung steckst! Weiter so!

    • Avatar-Foto
      Ute

      Hallo Edgar,
      Danke Danke für den Zuspruch! Deine Eindrücke habe ich in ähnlicher und zahlreicher Form auch schon bei anderen kritischen Beiträgen zum Thema gefunden. Es macht mich traurig und wütend zugleich, wie mit der Natur umgegangen wird. Aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben…
      Viele Grüße und Danke für deinen Zuspruch,
      Ute

  • Friederike

    Danke danke danke für diesen Beitrag, liebe Ute! Ich habe mir vor drei Jahren (vor Corona) mal mit meinem Mann einen Camper gemietet und es war einfach schrecklich. Wir wollten auch bewusst nicht wild campen und die Plätze waren derart voll, dass wir genervt früher nach Hause gefahren sind. Nicht unser Ding. Auf so kleinem Raum länger zu zweit leben und arbeiten stelle ich mir als absolute Unmöglichkeit vor. Wir sind also im Grunde auch auf die vielen ‚tollen‘ Fotos und Berichte reingefallen und ich hoffe sehr, dass Magazine und Influencer sich Beiträge wie deine zu Herzen nehmen.

    • Avatar-Foto
      Ute

      Liebe Friederike,
      oh je, das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich habe einen Bekannten, der zwei Vans vermietet. Er sagt, viele Paare mieten sich bei ihm erstmal einen Van, um auszutesten, ob es das Richtige für sie ist. Und er meinte kürzlich, dass viele bei der Rückgabe sagen „Danke, aber das haben wir uns echt anders vorgestellt.“ Leider der Effekt eines sehr einseitig dargestellten, völlig überromantisierten Lifestyles.
      Ich wünsche euch weiterhin gute Reise!
      Liebe Grüße, Ute

  • Hallo Ute,
    ich habe deinen Artikel mit großem Interesse gelesen. Du hast wieder mal das entscheidende auf den Punkt gebracht. Der in letzter Zeit herrschende Boom läuft im Moment wirklich aus dem Ruder.

    Ich erinnere mich noch an meiner Reise durch Australien, die nun schon 10 Jahre her ist. Damals hatte ich mir einen Campervan gekauft und bin durch das ganze Land gefahren. Was ich dabei gelernt habe ist, dass im gesamten Land überall wildes Camping bei Strafe verboten ist. Ich hatte das Gefühl nach der Hoch-Zeit des Campings dort zu sein. Die Leute hatten bereits überall wild gecampt, Dreck hinterlassen und sich daneben benommen. Das ist vorbei. Das Land ist eingeschritten und hat das verboten. Klimamäßig ist Australien ja perfekt geeignet dafür, wundert mich also nicht, dass die uns da voraus sind. Ich könnte mir vorstellen, dass sich das bei uns früher oder späte auch zu Verboten hin entwickelt.

    Ich überlege auch in Deutschland, ob es nicht schön wäre wieder einen Van zu besitzen. Dann stellt sich aber direkt dir Frage, ob sich das lohnt. Mit einem Job in Köln würde das bedeuten, dass ich immer von Köln los fahren muss. Da mein Ziel üblicherweise die Berge sind hätte ich also immer ein paar hundert Kilometer zu überwinden. Will ich das? Wenn ich zum Zelt greife kann ich ja einfach die Bahn nehmen. Du musst wissen, dass ich nicht gerne längere Strecken fahre. Dann schon lieber gemütlich in der Bahn gefahren werden.

    Aus social Media und alten Medien kommen regelmäßig diese neuen Trends, die zu einem besseren Leben führen. Damals war es einfach nur „Um die Welt reisen macht glücklich“. Dann war es „Auswandern macht glücklich“. Jetzt ist es „Vanlife macht glücklich“. Ich denke es ist wie mit allem: Zuviel davon ist ungesund. Außerdem frage ich mich, welche Themen die Influencer als nächstes Exploiten werden.

    Ich habe meinem Van übrigens nie einen Namen gegeben. Ich fand es schon immer seltsam so etwas zu tun.

    Viele Grüße!

    • Avatar-Foto
      Ute

      Hallo Markus,
      super, dass du dich mit dem Thema und der Problematik offensichtlich auch schon viel befasst hast. Und alles absolut nachvollziehbar. Die Frage, was da wohl als nächster Trend kommt, stelle ich mir auch schon länger und hoffe, dass er nicht so schädlich ist wie die bisherigen. Momentan ist ja Tiny House und Gardening ganz in, das ist immerhin eine gute Entwicklung. Warten wir es ab…
      Bis dahin, viele Grüße zurück

  • Finja

    Hmm da ist sicherlich vieles dabei was stimmt, aber es ist auch ganz schön hart. Ich bin keine Influenzerin und lebe im Van. Ich will Europa erkunden und finde es wunderschön auf diese Art und Weise unterwegs zu sein. Und ja ich fühle mich sogar entschleunigt, wenn man das so nennen will. Sicherlich wäre das auch von zuhause aus möglich gewesen, aber manchmal braucht es halt eine Veränderung für einen selbst. Wir haben auch nicht das Gefühl zu wenig Platz zu haben, auch nicht bei Regen. Auch unsre Klamotten stinken nicht:D Im Moment liege ich z.B. erkältet im Bett und auch das geht. Der Bus ist schließlich seit fast einem Jahr unser Zuhause. Kann schon sein, dass das privilegiert ist, aber wir haben auch viel dafür getan, um so unterwegs zu sein und uns diese Auszeit zu nehmen.
    Ich stimme dir absolut zu, dass es nicht nachhaltig ist 1000 von km so zurück zu legen, aber das würde ich auch nicht behaupten. Wir sind dafür sehr langsam unterwegs und genießen es die Kulturen kennenzulernen. Geben auch nicht nur Geld im Supermarkt oder an der Tankstelle aus. Das Müll Thema in Portugal ist schlimm. Aus eigener Erfahrung kann ich aber sagen, dass das nicht nur an Touristen, sondern auch an Einheimischen liegt.
    Sicherlich ist dieses Vanlife nicht für jeden was und das ist auch gut so. Aber es ist auch nicht alles bloß schwarz-weiß.
    Wir genießen es so sehr gerade so zu leben und es macht uns sehr glücklich. Auch wenn nicht immer alles rosig und einfach ist. Aber wann ist es das schon.
    Liebe Grüße

    • Avatar-Foto
      Ute

      Hallo Finja,
      Danke für deine Meinung. Vor dem Social Media-Trend Vanlife, der schätzungsweise seit 2015 unaufhörlich und massiv wächst, war das Reisen mit einem Camper oder Wohnwagen meiner Meinung nach noch überhaupt kein Problem. Da war es eine Leidenschaft von Naturliebhabern, die auf dem Campingplatz meist für mehrere Wochen ihre Erholung suchten. Die Probleme seit der leider anhaltenden Social Media-Welle habe ich in meinen beiden Artikel sehr ausführlich dargelegt und will ich hier nicht nochmal aufzählen. Und all das – diese extreme Romantisierung, die Vermittlung eines „grünen Reisens“, dass diese Wagen immer und immer größer werden und so vieles mehr finde ich persönlich gerade in dieser Zeit „hart“. So unterschiedlich können Perspektiven sein. Meine hat einen gesamtgesellschaftlichen Hintergrund.
      Beste Grüße zurück
      Ute

  • Tatjana

    Liebe Ute, nur vier Worte: Ich liebe Deine Artikel!

    • Avatar-Foto
      Ute

      Tatjana, das sind vier Worte, die ich wahnsinnig toll finde!
      Danke für deine Wertschätzung <3

  • Ewan

    Liebe Ute,

    vielen lieben Dank für diesen Artikel!
    Das Thema hast du professionell und umfangreich auf- und ausgearbeit. Es macht Spaß und ist außerdordentlich interessant und hilfreich deine Artikel zu lesen.

    Ute, ich hätte einen Herzenswunsch an dich.. für ein neues Artikelthema. Das Thema betrifft uns alle, beschäftigt bisher (leider) nur wenige:

    Wie nachhaltig und umweltverträglich sind Reisen?!

    Hierbei geht es mir weniger um die Aufarbeitung, welche Reiseformen in Bezug auf Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit das geringere oder geringste Übel darstellen, sondern ganz allgemein eine authenisch objektive Betrachtung des Reises an sich.

    Ich bin mir zwar nicht sicher ob man das so klassisch einfach strukturieren kann, mich beschäftigt dieser Aspekt aber seit Langem. Ich stelle mir die Frage oft selbst vor einer Reise und bin dann mitunter (manchmal) auch sehr verunsichert.

    Meine Hoffung bzw. mein Wunsch: Ich glaube, ein journalistisch fokusierter Blick wie deiner würde mir und vielleicht auch manch anderen in dieser Unsicherheit helfen die richtige(re) Entscheidung zu treffen. Und unserer Umwelt und dem Planeten hilft das allemal…

    Dankeschön für dein Engagement!

    Liebe Grüße
    Ewan

    • Avatar-Foto
      Ute

      Hallo Ewan,
      ich danke dir für dein tolles Feedback!
      Deinen Herzenswunsch erfülle ich sehr gerne, die Frage liegt mir selbst am Herzen und ich habe mir in den letzten Jahren viele Gedanken zu dem Thema gemacht. Kann noch ein wenig dauern, aber der Artikel kommt bald, versprochen :)
      Alles Liebe und bis bald
      Ute

      • Ewan

        Wow, Ute vielen lieben Dank! Das wird bestimmt ganz toll! :)
        Ich freue mich wirklich sehr auf diesen Artikel und bin supersuper gespannt auf dein Ergebnis!
        Bis bald und viele liebe Grüße
        Ewan

  • Jella

    Liebe Ute,
    ich bin schon länger stille Mitleserin und habe den allergrößten Respekt davor, mit wie viel Wissen, Reflektiertheit und Struktur du dich mit Themen wie diesem auseinandersetzt und das in so umfangreiche Artikel verpackst. Ein riesengroßes Dankeschön hierfür schonmal. In einem Kommentar hattest du erwähnt, dass dieser Beitrag kommen wird, und hier ist er nun. Da ich derzeit für eine dieser großen Van-Vermietungen arbeite und mich aus vielen von dir genannten Gründen gerade in einem moralischen Zwiespalt befinde, hatte ich sogar ein bisschen „Bammel“ davor, den Artikel zu lesen. Weil ich wusste, dass ich vielleicht Dinge lesen werde, die ich eigentlich nicht hören will, die ich aber im Grunde weiß. Es ist halt immer (erstmal) einfacher, auf der „coolen Welle mitzusurfen“, und sich nicht so viele Gedanken zu machen. Aber ich merke, wie es in mir brodelt und die inneren Widersprüche zum äußeren Handeln immer stärker werden und ich das so auch nicht mehr verantworten kann und will. Ich bin einfach nur dankbar, dass es solche Menschen wie dich gibt, die einem die unbequemen Wahrheiten auch mal vor Augen halten und Menschen wie mir dabei helfen, das eigene Handeln und Denken zu hinterfragen und ein bisschen klarer zu sehen. Ich hab auf jeden Fall noch viel zu tun.
    Beste Grüße

    • Avatar-Foto
      Ute

      Liebe Jella,
      vielen Dank für deinen Kommentar und das, was du schreibst, hat mir kürzlich schon eine andere Mitarbeiterin eines Van-Vermieters mitgeteilt. Ich finde diese Überlegungen und das Hinterfragen des eigenen Wirkens (und nicht zuletzt der eigenen Authentizität) klasse und auch mutig, falls sich dadurch eine Veränderung ergeben sollte. Wer weiß, vielleicht kommt danach etwas viel Besseres :) Auch das habe ich in anderen Zusammenhängen schon häufig gehört. Ich drücke dir dafür beide Daumen und freue mich auf unseren nächsten Kontakt.
      Ganz liebe Grüße!
      Ute

  • Du hast in diesem Artikel so viel Infos gegeben, die ich in wochenlanger Suche in etlichen Ratgebern nicht gefunden habe. Vielen vielen vielen Dank. Einige Dinge, die ich so noch nicht kannte, waren auch dabei. Du hast einen neuen Follower =) LG Daniel

    • Avatar-Foto
      Ute

      Hi Daniel,
      das freut mich sehr, vielen lieben Dank für das tolle Feedback!
      Viele Grüße zurück und dann bis bald :)
      Ute

  • Katha

    Liebe Ute,
    ich habe eine Frage: ich würde gerne meinen Segelschein machen auch weil ich denke, dass Segeln, wenn man größtenteils mit dem Wind segelt und sich Zeit lässt umweltfrreundlicher ist, als Vanlife.
    Wäre das vielleicht eine Alternative?

    • Avatar-Foto
      Ute

      Hallo liebe Katha,
      oh wow, ja das auf jeden Fall! Besser geht’s nicht und Segeln ist eine ganz wundervolle Fortbewegung!
      Wünsche dir viel Erfolg für den Schein!
      Liebe Grüße
      Ute

  • jkb

    Schöner Artikel, mag die Ehrlichkeit und Wahrheit. Ja Vanlife klingt auf den ersten Moment toll, doch von den Kosten die dahinter stehen erwähnen die wenigsten…

    Wahre Freiheit geht für die meisten leider nur ohne Fahrzeug, ohne Wohnung und ohne Geld. Mit Gitarre Schlafsack und Rucksack. Alles andere wäre eine Lüge. Doch bereits nach 6 Monaten hat mans irgendwie gesehen und wünscht sich das alte Leben zurück. Man wünscht sich etwas mehr Sicherheit, und einen Ort den man Zuhause nennen kann.

    Daher hab ich mir einen kleinen Flecken im Wald „gepachtet“, wo ich tun und machen kann was ich will. Für mich sind diese Wochenenden im Wald die schönsten. Da fühl ich mich richtig frei und erhole mich bestens. Nach drei Tagen hat mans dann irgendwie gesehen und freut sich wieder auf das Stadtleben. :)

    Grüsse aus der Schweiz…

  • Peter

    Hallo Ute,

    vielen Dank für diesen Artikel. Ich bin 26 und gerade dabei, abzuwägen, ob das fahrende Zuhause etwas für mich ist. Es waren viele nützliche Informationen darin, die mich in meiner Recherche weitergebracht haben. Du setzt dich sehr kritisch mit dem Thema auseinander, was mir gefällt. Allerdings fehlt mir insgesamt etwas Differenziertheit, Sachlichkeit und Verhältnismäßigkeit.

    Zum Thema Differenziertheit: In diesem Artikel wird lediglich die negative Seite dieses Lifestyles beleuchtet. Es ist leicht, eine Meinung zu stärken und ein Thema anzugreifen, wenn nur die entsprechende Seite beleuchtet wird.

    Zum Thema Sachlichkeit: Ehrlich gesagt liest sich ein großer Teil dieses Artikels als Gebashe. Und damit meine ich nicht, dass nur die negativen Argumente beleuchtet werden. Sondern, dass Leuten bestimmte Absichten unterstellt werden und vieles unsachlich formuliert und damit wenn überhaupt halb korrekt dargestellt wird. In deinem Text finden sich zum Teil Vorurteile, Generalisierungen und manchmal auch ein überheblicher Tonfall.

    Beispiel-Zitat aus dem Artikel:

    „Beim Wildcampen geht’s ja in erster Linie ums Geldsparen und um Coolness. Ersteres wird aber nicht so rausgekehrt, denn kein Geld zu haben ist wiederum heute überhaupt nicht cool. Daher muss diese ungewöhnliche Naturliebe im Vordergrund stehen, die ist ohnehin gerade im Trend und was läge da näher, als gleich auch noch ein paar Öko-Heldentaten mit einzubinden, dass man den Müll der anderen wegräumt.“

    Wieso sollte es beim Wildcampen um Coolness gehen? Es geht vor allem um die Naturnähe und ja, ums Geldsparen. Da wären wir beim nächsten Punkt: Wieso sollte es uncool sein, kein Geld zu haben? Meines Eindrucks nach glänzt man heutzutage nicht mehr durch materiellen Besitz, sondern wie schon immer durch Charisma, Tatkraft und Willensstärke. Naja, Ansichtssache. Aber darüber hinaus würde ich außerdem sagen, dass das Gefährt an sich schon materiellen Besitz zeigt. Wieso sollte es dann uncool sein, wegen Geldersparnis auf einen Campingplatz zu verzichten? Dadurch erscheinen mir die Argumente ziemlich aus dem Nichts gegriffenen. Sie werden dann im Laufe dieses Absatzes aufgeschaukelt, um dann am Ende eine wirkliche gute Tat unterbuttern zu können. Denn wenn jemand verhältnismäßig nachhaltig unterwegs ist (verglichen mit dem Durchschnittsdeutschen), was Camper, die den Müll anderer aufheben, durchaus eher sein können, und dann auch noch freiwillig den Müll anderer entsorgt, ist das meiner Ansicht nach eher wie eine moderne, wenn auch sanfte Form von „… dann halte ihm auch die andere Wange hin.“

    Zum Thema Verhältnismäßigkeit: So vieles, was du an Problemen aufführst, liegt gar nicht am Van-Life, sondern an der gesamten modernen Gesellschaft. Man muss diesen Lebensstil natürlich auch in den modernen Kontext einsetzen und vernünftig mit entsprechenden Lebensstilalternativen vergleichen.

    Nur, um mal ein Beispiel zu zeigen, wo es mir so scheint, als würdest du alles aus der Van-Life-Kritik rausholen wollen, was nur geht, und es damit meiner Meinung nach übertreiben; hier deine Punkte gegen wild parken:

    • Ist in vielen Ländern aus gutem Grund verboten (wird nur meist nicht erwähnt) – ok, aber aus welchem Grund? Da dieser nicht genannt wird (lediglich, dass er gut sein soll), sagt dieses Argument einfach nur aus, dass andere, die das Sagen haben, es verbieten. Wenn die weiteren von dir genannten Punkte die Verbotsgründe darstellen, dann ist dieses hier kein zusätzliches Argument, sondern lediglich die Feststellung, dass es im Gesetz steht. Warum etwas verboten ist, sollte meiner Meinung nach immer ethisch begründbar sein und nicht einfach nach dem Gesetz, „weil es halt festgeschrieben wurde“.

    • Schadet Waldboden (Ölverlust, giftige Gase, Pflanzen und Gräser werden geschädigt) – ok, absolut valides Argument, aber hier kann man den Schaden bewusst minimieren, indem man sein Auto vernünftig wartet und nicht zu weit in die Natur eindringt. Und da kommen wir an den Punkt, was durch den gesamten Artikel scheint: In so gut wie all deiner Kritik gehst von unbewusst lebenden, nicht kritisch hinterfragenden oder inkonsequent handelnden Menschen aus. Ob man den Müll nicht trennt; mit wem man wie handelt, wenn man im Ausland ist (z.B. große Hotel-Kette vs AirBnB von Privatperson vs Campingplatz oder Supermarkt vs regionaler, saisonaler Wochenmarkt vs Restaurant); ob man unterm Strich wenig Wasser spart, weil man ja immer noch Kaffee trinkt, … Der entscheidende Faktor ist nicht, ob man im meistens sowieso schon irgendwo geparkten Auto auch schläft und arbeitet, sondern wie bewusst, kritisch und konsequent man insgesamt lebt. Also sollte doch auch daran die Kritik geleistet werden! Was nämlich meiner Meinung nach ein Pluspunkt des unterwegs seins ist: es schafft etwas mehr Bewusstsein, allein durch den Perspektivwechsel. Auch natürlich durch Transparenz des eigenen Verbrauchs, weil man dazu gezwungen ist, alles mit sich herumzufahren, was man an Luxus haben möchte. Wasserverbrauch, fossile Brennstoffe, Strom, Müll. Das alles ist ein deutlich größerer Aufwand und man muss alles bewusst in irgendeiner Form selbst besorgen und Wasser und Müll auch loswerden. Das schafft ein anderes Bewusstsein und auf ein ganzes Menschenleben bezogen kann eine Phase von ein paar Jahren „im Auto unterwegs sein und sich nachhaltig einen minimalistischen Lebensstil aneignen“ dazu führen, den vorher unbewussten und (sind wir mal ehrlich, in den meisten Fällen auch) übermäßigen Konsum im gesamten Rest des Lebens durch einen bewussteren, gemäßigten Konsum zu ersetzen. So sollte man das nutzen. Das ist eine Sache, die das Reisen uns lehren kann.
    Und das geht auch noch um einiges tiefer: Bevor die Menschheit sesshaft wurde, war sie den überwältigenden Großteil der Geschichte nomadisch. Das unterwegs sein liegt uns so sehr in den Genen, dass uns übertrieben sesshaft gewordenen Menschen heutzutage „Bewegung“ verschrieben werden muss, weil unser Körper so sehr dafür gemacht ist, dass er sie braucht. Dass wir so viele Transportwege für Güter brauchen, die zu uns kommen, obwohl wir eigentlich diejenigen sind, die sich bewegen können. Dass Studien zeigen, dass Stress der Hauptdegradierungsfaktor des Organismus Mensch ist und andere wiederum zeigen, dass es beruhigend wirkt, wenn das Blickfeld an einem vorbeistreift und nicht starr immer gleich bleibt. Das alles sehe ich als Hinweise darauf, dass das Nomadentum ganz tief in uns steckt. Ich bin ein wenig abgeschweift, aber das ist Teil meines menschlichen Verständnisses und kann auch hierauf bezogen werden.

    • Verscheucht Wildtiere (nachts bei ihren Routen) – guter Punkt. Habe ich vorher noch nicht so sehr drüber nachgedacht. Man ist temporär der neue Platzhirsch und stört dadurch die Tiere. Allerdings muss ich dazu auch sagen, dass der Mensch ja ein Tier ist. Wir entfremden uns zwar immer mehr und kommen mit Blechkästen in Umgebungen an, in denen wir meilenweit überlegen sind – allerdings basiert die ganze Natur auf Überlegenheit: Bussarde fangen Mäuse, denen sie momentan überlegen sind. Rehe fressen Blätter, deren Besitzern sie momentan überlegen sind. Nur der Mensch hat dieses selbstbremsende Ding namens „Vernunft“, „Gewissen“ oder „Ethik“ (wovon ich übrigens großer Fan bin). Denn bitte nicht falsch verstehen, mir ist es sehr wichtig, Rücksicht auf die Natur zu nehmen. Aber wir sind ja auch die Natur! Alles, was diesen Blechkasten fahrbar macht, alles, was ich auch an Plastik an mir trage, kommt aus der Natur. Stark verarbeitet zwar und viel zu schnell in viel zu großen Massen hergestellt, sodass die Welt sich nicht anpassen konnte. Aber wenn man an die Evolution glaubt, muss das auch heißen, dass alles, was auf der Welt existiert, natürlich ist. Ok, viel weiterentwickelter als die Werkzeuge mancher Tierarten. Und schädlich, ganz klar! Ich möchte hier kein Argument schaffen, die Überlegenheit gegenüber Tieren in all ihren Aspekten (Massentierhaltung, Kastration, Genmanipulation, übertriebene Bewaffnung, …) auszunutzen. Lediglich eine ganzheitliche Perspektive schaffen, in der der gemäßigte Umgang größtenteils als vertretbar gesehen werden kann. Alle geben ihr bestes und der Mensch hat momentan einen Vorteil. Nobel ist es natürlich, diesen nicht maßlos auszunutzen und das ist Vernunft angetrieben von Gewissen, welches wiederum auf Bewusstsein aufbaut. Und dieses entspringt meiner Meinung nach der kritischen Auseinandersetzung mit der Welt. Welche durch den Kontakt mit der Natur, welchen auch das Van-Life fördert, verstärkt werden kann und damit sollte, wenn man bewusst lebt.
    Uns Menschen sollte man die Natur nicht vorenthalten. Man sollte aber immer nur so weit vordringen, wie man sich mit gemäßigtem Schutz und Bewaffnung wagt. Ich finde nicht, dass es verwerflich ist, komplett nackt und unausgerüstet in alle Tiefen der Natur einzudringen. Denn da kommen wir schließlich her. Sobald man Schutzkleidung trägt, sollte man sich mäßigen. Sobald man Waffen trägt, wäre es unverantwortungsvoll, sich unnötigerweise in Gebiete zu begeben, in denen man diese gegen deren dann unterlegene, aber eigentlich heimische Bewohner verwenden muss. Also zusammengefasst: Es ist begrenzt ethisch, sich in die Sesshaftigkeit und Zivilisation zurückzuziehen und dann mit deren Produkte auf die in der Wildnis gebliebenen loszugehen.

    • Lagerfeuer können Waldbrände auslösen – klar, in brandgefährdeten Gebieten einfach lassen.

    • Lagerfeuer lösen Fluchtreflex bei Wildtieren aus – sofern das Brandrisiko gering ist, sehe ich meiner Meinung nach keinen Grund, ein Verbot von einem der ursprünglichsten Verbindungsmedien der Menschheit auszusprechen. Lagerfeuer wurden schon vor über 1 Mio. Jahre gemacht und seitdem bringen sie Menschen zusammen, schaffen Verbundenheit, fördern Liebe. Müssen wir uns dazu zwingen, diese Verbindung in anderer Form zu machen, oder können wir akzeptieren, dass Tiere manchmal Angst vor uns haben, so wie wir manchmal Angst vor ihnen haben? Die Natur ist halt die Natur. Natürlich nur in super brandungefährdeten Landschaften wie auf Stein (Sand, Felsen), oder am Ufer von Gewässern. Und dieses dann auch nur unter Ausnahmen nicht für die Geselligkeit nutzen, denn alleine ist es viel schwieriger, das Feuer sicher im Blick zu behalten.

    • Touristisch gesehen unsozial (Infrastruktur wird umsonst genutzt und z. T. belastet) – Naja, meine Wirtschaftskraft fließt trotzdem ins Land, wenn ich Sprit und Essen kaufe. Natürlich sollte man lieber regional, kleingeschäftlich und saisonal einkaufen. Aber das spielt ja bei konventionellen Touristen genauso eine Rolle. Außerdem müssen Leute, die in ihrem Auto wohnen, auch Eintritt ins Museum zahlen. Sie müssen auch den Tour-Guide bezahlen, wenn sie mehr über die Geschichte aus dem Mund eines Einheimischen hören wollen. Sie werden auch lokale Handwerkskunst erwerben (vielleicht sogar noch eher, als die, die mit dem Flugzeug zurückfliegen müssen). Und sie zahlen Maut! Das ist im Ausland nämlich ein wirkliches Ding… Lediglich bei Unterkunft und Fortbewegung sind sie lieber autark, um Verwaltungsaufwand und Kosten zu vermeiden, dafür aber von Zuverlässigkeit und Flexibilität zu profitieren.

    • Müll wird oft liegen gelassen oder in herkömmlichen Mülleimern entsorgt – ok, klar. Generelles Bewusstsein gegenüber dem eigenen Konsum und den damit einhergehenden Folgen wird dringendst benötigt. Hat aber in diesem Kontext nur insofern mit dem Auto zu tun, dass dieses Teil der Gesellschaft ist, in der das Problem besteht.

    • Gegend wird vollgekackt mit Feuchttüchern & Co. – kann man einfach anders machen. Ist also kein Argument gegen Van-Life, sondern wiederum nur ein Argument gegen unbewusstes Handeln.

    • Belästigt Spaziergänger, Wanderer und Anwohner – ok, valider Punkt. Einen gewissen Grad von Belästigung muss man aber auch einfach aushalten, wenn es 8 Mrd. Menschen auf der Welt gibt. Doch natürlich ist es gerade als privilegierter Nomade wichtig, auf Anwohner Rücksicht zu nehmen.

    • Essensreste werden in der Natur entsorgt und kann Wildtieren schaden – guter Hinweis, werde ich mich mehr zu informieren. Bisher habe ich auch oft nicht groß darüber nachgedacht, wie etwas bestimmte Wildtiere beeinflusst, solange es biologisch abbaubar ist. Natürlich sollte man sich am besten einfach lokal, saisonal und unverarbeitet ernähren – dann sollte das Risiko für Wildtiere gegen Null gehen (ohne das zu wissen oder recherchiert zu haben, muss ich gestehen).

    • Nur, weil Wildcampen in einigen Ländern erlaubt ist, heißt das nicht, dass es auch gut ist! – Ja gut, das ist jetzt wieder der erste Punkt. Ich möchte ja nicht auf den Schlips treten, aber es kommt mir so vor, als würde man hier Argumente aus dem Boden stampfen. Die Aussage dieses Punktes betrifft die Regulierung des Sachverhalts, nicht den Sachverhalt selbst. Ich persönlich möchte nur Argumente mit Selbstwert annehmen und kein „der sagt…“ oder „… ist nicht gut“. Das sind die Schlüsse, die aus den eigentlichen Argumenten gezogen wurden. Diese sollte man nicht mit den Argumenten selbst verwechseln.

    –> Das lässt für mich zusammenfassend folgende Kritik am Van-Life übrig:
    – Sämtliche vom Auto ausgestoßene und abgeriebene gesundheitsschädliche Chemikalien werden verstärkt produziert und kommen tiefer in die Natur (Valider, sehr wichtiger Punkt und damit für mich der Hauptpunkt, der das Thema fraglich macht.)
    – Wildtiere werden gestört (Wenn man sich entsprechend mäßigt, sollte das akzeptabel sein. Wir sind schließlich auch ein Wildtier.)
    – Risiko von Lagerfeuern (Welches durch vernünftigen Umgang aber stark reduziert werden kann. Auch hier ist nämlich, wie in vielen Bereichen heutzutage, Verzicht zu üben, wenn ein Lagerfeuer unvernünftig wäre.)
    – Belästigung von anderen Naturbesuchern, die ihre Wohnung nicht mitnehmen (Wenn man Rücksicht nimmt, sollte das akzeptabel sein. Andere nehmen schließlich auch irgendwo einen Platz mit ihrer Wohnung ein.*)

    (* Argumente der Art („aber die machen es ja auch“) sind natürlich keine selbstwerten Argumente, sondern vergleichende. In meinem Ansatz, die Materie zu verstehen, geht es nicht darum, Beweise für dessen Nachhaltigkeit zu finden. Denn Nachhaltig (sozial gerecht und umweltschonend) mit dem Auto unterwegs zu sein, ist quasi unmöglich. Es geht vielmehr darum, den Vergleich zu den Alternativen zu schaffen. Ich werde ja nicht plötzlich Asket, nur weil ich mit etwas liebäugele und dann aber herausfinde, dass es sehr umweltschädlich (und dann auch noch als umweltschonend dargestellt(!)) sein kann. Nein, ich würde mir stattdessen eine Wohnung suchen, die im Winter mit Erdgas oder -öl beheizt wird, ich würde weiterhin mehrere Liter Wasser die Toilette hinunterspülen und trotzdem irgendeine Form der Fortbewegung nutzen. Also geht es um den Vergleich zweier Lebensformen. Und in diesem Kontext ist das Argument nicht nur valide, sondern wichtig. Denn wie bereits genannt können durchaus wichtige Nachhaltigkeitsimpulse aus dem Reisen gewonnen werden.)

    Diese Punkte können also in die zwei Kategorien „Abfallprodukte der Fortbewegung“ und „Störung durch temporäres Erscheinen“ eingeteilt werden. Wenn man sich dennoch bewusst für diesen Lifestyle entscheidet, gilt es, den angerichteten Schaden in diesen Kategorien zu minimieren.

    Kommt also zu dem Schluss: Wenig fahren. Hotspots meiden. Rücksicht auf andere Menschen und Tiere nehmen. Müll mitnehmen – generell allen Abfall korrekt entsorgen.

    Ich würde aber gerne auch die positiven Aspekte ergänzen, die ich sehe:
    – Es schafft eine neue Art der Naturverbundenheit: Regelmäßig mit der inneren nomadischen sowie mit der äußeren wilden Natur. Wie wichtig das ist, lässt sich schwer sagen. Aber ich sehe es als positiv, sofern es verantwortungsvoll praktiziert wird.
    – Es schafft ein wenig mehr Transparenz im eigenen Konsumverhalten und regt dadurch zum Minimalismus an, welcher eine der gesündesten und praktikabelsten Gesamtlösungen auf Konsumentenseite für viele moderne Probleme sein kann.
    – Es ermöglicht, an mehreren Orten zu Hause zu sein und dabei insgesamt wenig Platz einzunehmen, da keine Wohnungen leerstehen. (In meinem Fall haben sich die Leute in meinem Leben gut über Deutschland verteilt. Wenn ich gerne für mich lebe, also nicht immer im Gästezimmer, sondern in meinem eigenen Heim, aber auch gerne meine Freunde regelmäßig besuche, kann dieses Problem durch ein fahrendes Zuhause gelöst werden)
    – Es regt die Diskussion zur Nachhaltigkeit weiter an (sonst wären wir nicht hier)

    Lässt sich in die Kategorien „Konsumbewusstsein“, „Naturverbundenheit“ und „Flexibilität“ einteilen. Wenn man sich nun bewusst für diesen Lifestyle entscheidet, gehört für mich dazu, das meiste aus diesen Vorteilen zu machen.

    Also: Mal alleine in den Bergen wandern. Fremde Umgebungen mit privatem, bekannten Rückzugsort kennenlernen und so besser reflektieren und lernen können. Sich den eigenen ökologischen Fußabdruck bewusst machen, durch Transparenz und Steuerungsmöglichkeit so gering wie möglich halten und (zumindest materialistischen) Minimalismus praktizieren. Freiheit erleben und sich selbst erfahren. Die genaue Balance zwischen Abenteuer und Routine finden. Über den Tellerrand hinausblicken.

    Meiner Meinung nach gehört dieser Artikel überarbeitet, denn hier werden systemische Probleme als Ursache von systemischen Problemen dargestellt. Ja, verantwortungslose Camper verteilen mehr Müll in der Welt, verbrauchen mehr Platz mit ihren Wohnmobilen, verpesten mehr die Umwelt, als es sowieso schon geschieht. Aber für viele Punkte ist eben der Teil „verantwortungslos“ Relevant, und nicht der Teil „Camper“.
    Dennoch ist dieser Artikel (vor allem aber „10 Gründe, warum Vanlife nicht nachhaltig ist“) sehr wichtig, denn so werden wir uns bewusster, was gewisse Trends mit sich bringen und können uns vorher die entsprechenden Gedanken machen, die die Nachhaltigkeit so umfassend wie möglich miteinbeziehen. Deshalb danke dafür.

    Bitte sehe diese jetzt doch sehr umfangreich geratene Kritik nicht als Angriff. Das ist das letzte, was wir brauchen. Wir wollen ja gemeinsam Besserung schaffen und nicht Krieg führen. Außerdem dient dieser Text auch der Ausformulierung meiner Gedanken und Standpunkte zu diesem Thema. Dieser Artikel war ein guter Kontrapunkt.

    Lieber Gruß,
    Peter

    • Hallo Peter,

      vielen Dank für dein Feedback und schön, dass du dir die Zeit genommen hast, deine Gedanken mitzuteilen.

      Du betonst die Wichtigkeit von Ausgewogenheit. Konsequenterweise würde das dann für dich aber auch bedeuten, dass diese Ausgewogenheit ebenso bei der überwältigenden Anzahl ausschließlich positiver Berichte und Posts über Vanlife im Netz und auf Social Media gefordert werden müsste. Das wäre zweifellos eine anspruchsvolle Aufgabe :)

      Wie du selbst schreibst, hast du bisher keine persönlichen Erfahrungen im Bereich Vanlife gemacht. Dennoch wünschst du dir, dass der Artikel, der auf einer langjährigen praktischen Erfahrung und ebenso langen Social Media-Einblicken basiert, aufgrund deiner individuellen Sichtweise überarbeitet wird. Hierzu gern ein paar Einblicke: Ein Blog bietet die einzigartige Möglichkeit, Artikel auf eine persönliche Art und Weise zu verfassen, abseits der Normen klassischer Medien. Ute zeigt mit ihrem Engagement immer wieder den Mut, sich gegen gängige und oftmals umwelt-, klima- oder gesellschaftsschädliche Trends zu positionieren und darüber aufzuklären. Dabei ist es selbstverständlich, dass die Inhalte nicht jedem zusagen. Eine ausgewogene Darstellung war in diesem Kontext nicht vorgesehen, sonst wäre zum Beispiel allein die Überschrift eine andere gewesen. Dieser Blog widmet sich durch aufwändige und kostenlose Inhalte nicht der Erfüllung von Erwartungen, sondern dem Teilen von persönlichen Perspektiven – die nicht den Anspruch haben, dass andere sie gut finden müssen. Wenn ich dir nun sagen würde, dass du deinen Kommentar ändern solltest, weil du verschiedene Punkte vielleicht vergessen oder wichtige Argumente weggelassen hast, würdest du dich sicher auch auf deine Meinungsfreiheit berufen und dem nicht nachkommen. Nichts anderes gilt für diesen Blog oder andere Seiten, wo Menschen ihre Meinung äußern.

      Dies waren lediglich einige Klarstellungen und Informationen. Viel Erfolg auf deiner Reise und weiterhin alles Gute für dich!

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