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Wie nachhaltig sind unsere Reiseportale?

Wie nachhaltig sind unsere Reiseportale?

  • 32 Buchungs-Plattformen im Test
Wie nachhaltig sind unsere Reiseportale? - Reisemagazin Bravebird

Tests über Reiseportale findet man im Internet jede Menge. Die Testsieger werden gerne mit entsprechenden Siegeln von n-tv, Finanztip, Focus und Chip ausgezeichnet. Bewertungspunkte sind Kriterien wie Reisevielfalt, Komfort, Angebotsumfang, Kundendienst, Preise und Transparenz. Dem Kriterium Nachhaltigkeit wird hingegen bei diesen Tests keine Beachtung geschenkt.

Selbst die Deutsche Gesellschaft für Verbraucherstudien DTGV mit ihren kostenpflichtigen Siegeln nimmt die Bewertungs-Kriterien rund um die Nachhaltigkeit trotz des enormen Einflusses des Tourismus auf den Klimawandel bei ihren Tests nicht mit auf. Vielleicht etwa aus dem Grund, weil die guten Noten, die ein Siegel nunmal attraktiv machen, dann ausbleiben würden?

Der Nachhaltigkeits-Check

Schauen wir uns die gängigen Reiseportale in puncto ökologische und soziale Nachhaltigkeit einmal im Detail an. Hier sind die 32 bekanntesten Plattformen für Nah-, Fern-, Flug- und Pauschalreisen. Die Sterne-Bewertung bezieht sich ausschließlich auf die Nachhaltigkeit. Je mehr Sterne, umso nachhaltiger das Portal.

1. 5 vor Flug (FTI Group)

Bewertung: 0.5 von 5.

Im Menü der Homepage gibt es alles: Super Last Minute, Pauschalreisen, Kreuzfahrten & Co. – nur nichts für Menschen, die nach nachhaltigen Reisen suchen. Bei den Hotels gibt es keinen Filter für nachhaltige Unterkünfte, dafür aber oft bis zu 20 detailverliebte Ausstattungs-Merkmale zum jeweiligen Hotel.

Über die Google Suche gelangt man auf eine Angebots-Seite mit vermeintlich nachhaltigen Reise-Angeboten, in dem jedoch nur Bio-Hotels empfohlen werden. Die dort empfohlenen Hotels sind allerdings größtenteils noch nicht einmal Biohotels bzw. es lässt sich anhand der Beschreibungen nicht erkennen.

2. ab in den urlaub

Bewertung: 0.5 von 5.

Unter den angebotenen Urlaubsreisen gibt es neben den 18 Optionen keine Rubrik für nachhaltige Reisen. Im Blog gibt es nur einen einzigen Artikel über zehn nachhaltige Reisetipps (Zitat: „Hierbei müsst ihr auf nichts verzichten, was Spaß macht, sondern lediglich respektvoller, achtsamer und bewusster unterwegs zu sein.“) und immerhin einen kritischen Beitrag zum Thema Kreuzfahrt. That’s it.

3. ADAC Reisen

Bewertung: 0.5 von 5.

Der ADAC vermittelt die klassischen Reisethemen. Die Pauschalreisen zielen auf die klassischen Massentourismusziele; Kreuzfahrten, Flüge, Wohnmobile, Fähren & Co. – hier findet man alles, was sehr, sehr viel CO2 verursacht. Bei den Hotels kann man aus 14 unterschiedlichen Zimmertypen wählen, Nachhaltigkeit ist jedoch nicht dabei; bei den 19 Themenreisen ebenfalls nicht. Nachhaltigkeit existiert auf der Homepage schlichtweg nicht.

4. alltours

Bewertung: 0.5 von 5.

Der nach eigenen Angaben größte, konzernunabhängige Reiseveranstalter in Deutschland bietet keine Rubrik für nachhaltige Reise-Optionen, keine Seite zu nachhaltiger Unternehmens-Philosophie und auch die Suche im Blog ergab lediglich ein „Leider nichts gefunden!“. Verrückt, dass das bei 1,45 Milliarden Umsatz im Jahr nicht drin ist.

5. Berge & Meer

Bewertung: 0.5 von 5.

Der Spezialist für Rundreisen und Kreuzfahrten bietet bei seinen 19 Reisethemen keine Auswahlmöglichkeit für nachhaltige Reisen. Bei den Hotels gibt es ebenfalls keinen Filter oder überhaupt Angaben zum Thema Umwelt oder Soziales. Nachhaltigkeit spielt auf dieser Webseite offensichtlich keine Rolle.

6. Check24 Reise

Bewertung: 0.5 von 5.

In den Themenwelten gibt es alles, was man sich nur wünschen kann: Schlagerreisen, Flitterwochen, Partyurlaub, Silvester-Reisen und vieles mehr – aber keine nachhaltigen Reisen. Die findet man nur, wenn man aktiv danach sucht. Unter den nachhaltigen Reisezielen sind dann u. a. Fernreiseziele wie die Malediven, die Seychellen, die Karibik, Thailand oder Wochenendtrips nach Barcelona, Venedig, Lissabon & Co. angegeben – eben das, was sich auf dem Reiseportal gut verkaufen lässt; i.d.R. Massentourismusziele.

7. Dertour (Rewe Group)

Bewertung: 2 von 5.

Besucht man die Homepage der DERTOUR-Seite, findet man dort in erster Linie Last Minute, Kreuzfahrten, Pauschal-, Rund-, Luxus- und Flugreisen, Cluburlaub, Wohnmobile und Ferienwohnungen; keine Kategorie für nachhaltige Reisen. In der Reiseinspiration befindet sich gerade mal ein Punkt „Nachhaltige Hotels“ mit ein paar Angeboten. Auch Auswahlkriterien zum Anklicken für nachhaltigere Angebote (z. B. unter „Interessen“) gibt es nicht.

Unter dem Punkt „Nachhaltigkeit bei DERTOUR“ baut sich dann eine ganz andere Welt auf, die sich offenbar für fairen Tourismus einsetzt, Menschenrechte stärkt, Arbeitsbedingungen verbessert und sich für den Tier- und Umweltschutz einsetzt. Das erscheint zu dem oben beschriebenen Angebot nicht ganz stimmig. Dennoch scheint hier im sozial nachhaltigen Bereich etwas getan bzw. gefördert zu werden.

8. E-Bookers (Expedia)

Bewertung: 0.5 von 5.

Das Unternehmen der Expedia Group bietet überhaupt keine Informationen zur Nachhaltigkeit. Es gibt auf der Seite auch keine Suchfunktion, hier handelt es sich nur um eine Suchmaschine für Flug- und Kombireisen.

9. eDreams

Bewertung: 0.5 von 5.

Diese Plattform bietet nach eigenen Angaben die größte Auswahl an Flügen von 665 Fluggesellschaften, Hotels usw. Bis auf einen Blogartikel von 2012 über CO2-Emissionen im Flugverkehr findet man nichts zum Thema Umwelt oder Soziales.

10. Expedia

Bewertung: 0.5 von 5.

Keine Suchmöglichkeit für nachhaltige Reiseangebote vorhanden, keine Infos zur Philosophie. Nur über die Google-Suche kommt man auf einige ältere Artikel, teilweise mit fehlenden Fotos. Dann findet man noch ein Unesco-Programm für nachhaltiges Reisen, aber all das ist auf der Startseite auf Anhieb nicht zu finden.

11. FTI Touristik

Bewertung: 1 von 5.

Bereits 2015 lautete die Überschrift des einzigen Artikels über Nachhaltigkeit im Blog des nach eigenen Angaben mal drittgrößten, mal viertgrößten Reiseveranstalters Europas „Gut und wichtig: Umweltverträglich reisen“. Auf der Webseite selbst findet man lediglich einen einzigen Punkt mit nachhaltigen und Bio-Hotels. Hinweise zu den nachhaltigen Kriterien der jeweiligen Hotels, z. B. warum das riesige 5 Sterne-Hotel mit 500 Gästen und großem Pool nachhaltig sein soll, findet man nicht.

Zu nachhaltigen Kombi-Angeboten keine Rubrik, keine Auswahl, keine Inspiration. Bei den Hotels keine Möglichkeit, nachhaltige Unterkünfte zu filtern. Nur über die Google Suche gelangt man zu einer FTI-Seite namens „Umwelt und Nachhaltigkeit“ mit einigen Features wie der Mitgliedschaft beim Futouris e.V. etc. Auch wird dort angegeben, dass man bei der Flugbuchung einen freiwilligen Beitrag zur CO2-Kompensation seiner Flüge leisten könne. Dies wird aber bei einer aktuell durchgeführten Test-Anfrage jedoch nicht angezeigt.

12. HolidayCheck

Bewertung: 0.5 von 5.

Bereits Oktober 2015 heißt es in einer Pressemeldung „Eine aktuelle Umfrage unter Usern des Reiseportals HolidayCheck zeigt: Mehr als die Hälfte (64 %) legt auf Reisen Wert auf Umweltschutz.“ Auf der Webseite hingegen: Pauschalreisen, Last Minute, Mietwagen, Hotels. Hier dreht sich eigentlich alles um beliebte Reiseziele, viele davon leiden unter Massentourismus.

Von 22 aufgeführten Reisethemen (FKK, Baby usw.) hat es das nachhaltige Reisen nicht in diese lange Liste geschafft. Auch bei den 11 Hotelkriterien ist der Filter für Nachhaltigkeit nicht dabei. Im Holiday-Magazin wird Nachhaltigkeit nur indirekt erwähnt. Bei der HolidayCheck AG, eins der größten deutschen Reiseportale, scheint die Klimakrise nicht existent zu sein.

13. ITS (Rewe Group)

Bewertung: 0.5 von 5.

Der Schwerpunkt dieses Anbieters liegt bei 4 Sterne-Hotels und die Zielgruppe sollen junge Familien sein. Zehn Minuten auf der Seite verbracht und durch die verschiedenen Seiten geklickt, jedoch keinen einzigen Beitrag zu Nachhaltigkeit gefunden. Hotels haben keinen entsprechenden Filter.

14. Jahn Reisen (Rewe Group/DER Touristik)

Bewertung: 1 von 5.

Lieblingsstrand, Wasserbungalows auf den Malediven, „Glücksamkeit“, Genuss- und Luxusreisen… hier wird mit allen Urlaubswelten geworben, aber die nachhaltige Welt ist nicht dabei. Unter den 12 besonderen Interessen bei Hotels steht eine nachhaltige Auswahl ebenfalls nicht zur Verfügung.

Dann wiederum gibt es einen Unterpunkt „Der Welt verpflichtet“. Hier findet man Informationen, dass sie sich „in ihrem Rahmen aktiv in den Urlaubsländern im Umwelt- und Artenschutz“ engagieren (ohne weitere Informationen) und dann findet man gleich ein Spendenkonto, mit dem man etwas Gutes tun soll. Na ja.

15. Justaway

Bewertung: 1 von 5.

Begrüßt wird man auf der Homepage gleich mit der Antarktis-Kreuzfahrt, die pro Person etwa 20 t CO2 verursacht – Chapeau. Immerhin gibt es direkt darunter als Themen-Special nachhaltiges Reisen, hier werden jedoch nur 14 Hotels gefeatured. Ansonsten kann man bei der klassischen Hotelauswahl bei den sieben vorhandenen Kriterien nicht nach Nachhaltigkeit filtern.

16. Kayak (booking Holding)

Bewertung: 1 von 5.

„KAYAK revolutioniert die Reisebranche seit 2004.“, heißt es im About. Die Sidebar links lässt das nicht unbedingt vermuten, denn hier sind genau die gleichen Suchmöglichkeiten wie bei allen anderen auch – von der Pauschalreise über Fernflüge. Dennoch, es gibt ein paar kleine Unterschiede, wenn man einige Seiten besucht: Bei der Hotelsuche kann man sich nur nachhaltige Hotels anzeigen lassen.

Allerdings handelt es sich bei vielen Hotels in dieser Auswahl gar nicht um nachhaltige Hotels und es ist auch nicht ersichtlich, warum diese Hotels überhaupt nachhaltig sein sollen. Ansonsten kann man sich bei der Flugsuche die Flüge nach CO2-Ausstoß anzeigen lassen. Aber natürlich werden hier dennoch kurze Zubringerflüge angezeigt statt der umweltfreundliche Zug. Eine CO2-Kompensation wird nicht angeboten. Von einer „Revolution“ kann man hier sicher nicht sprechen.

17. lastminute.de

Bewertung: 0.5 von 5.

Auf diesem Portal, das „ein 5-Sterne-Leben zum 3-Sterne-Preis“ bietet, gibt es alles (mein Favorit darunter: „Warm und billig“), nur keine Nachhaltigkeit. Das einzige, was man diesbezüglich positiv hervorheben kann, ist das Angebot für Radreisen in der Menüleiste. Inhaltlich findet Nachhaltigkeit auf diesem Portal jedoch nicht statt.

18. Lidl Reisen

Bewertung: 0.5 von 5.

„Lidl Reisen bietet Urlaub ohne Grenzen“ und deckt nach eigenen Angaben das gesamte Urlaubsspektrum ab. Kreuzfahrten und Rundreisen stehen hoch im Kurs, aber um es kurz zu machen: Nachhaltigkeit ist nicht Bestandteil des Lidl-Urlaubsspektrums.

19. Ltur

Bewertung: 0.5 von 5.

Pauschal- und Luxusreisen, Last Minute, Super Last Minute, Dubai, große Bunker, Massentourismusziele… keine Unternehmens-Philosophie und eine Filter-Funktion bei den Hotels findet man auch nicht.

20. Meiers Weltreisen (Rewe Group/DER Touristik)

Bewertung: 0.5 von 5.

Der nach eigenen Angaben führende Veranstalter für Fernreisen und ferne Pauschalreisen. Während man im allgemeinen Angebot auf der Webseite keine nachhaltigen Reisen oder Angebote findet, wird man auf einer Infoseite zur Nachhaltigkeit um Spenden gebeten und ansonsten zu Unterseiten von DER Touristik weitergeleitet. Filtern nach nachhaltigen Reisen kann man nicht. Es gibt lediglich eine Seite mit weniger als zwanzig nachhaltigen Hotels.

Auf einer weiteren Seite liest sich der Spruch „Gerade in der Reisebranche ist Nachhaltigkeit ein zentrales Thema.“ Warum ist die Nachhaltigkeit dann nicht unter den zehn Interessen bei der Angebotssuche vertreten? Warum gibt es keine nachhaltigen Reisen? Da ist z. B. von Eco-Lodges die Rede, aber in den Angeboten werden überwiegend riesige Resorts mit ebenso riesigen Pools angezeigt.

21. Momondo (booking Holding)

Bewertung: 0.5 von 5.

Sage und schreibe 78% der Deutschen möchten lt. einer Umfrage von Momondo umweltfreundlicher reisen. „Es fehlt ihnen einfach an klaren Informationen darüber, wie sie das tun können.“, wurde dabei festgestellt. Trotz dieses Wissens gibt es jedoch kein spezielles Angebot über nachhaltige Reisen. Ähnlich wie bei Kayak gibt es zwar eine Filter-Möglichkeit für nachhaltige Hotels, die jedoch i.d.R. keine zertifizierten, nachhaltigen Hotels sind.

Wenn also z. B. unter einer nachhaltigen Unterkunft in Mexiko das riesige All Inclusive Riu Palace oder das Paradisus Sun (beides spanische Hotelketten) verstanden werden soll anstelle einer familiengeführten Pension mit lokalen Mitarbeitern und Gerichten, dann bestätigt sich damit genau das beschriebene Problem, dass Menschen in Sachen nachhaltigem Reisen irritiert sind.

22. Olimar

Bewertung: 3.5 von 5.

Das Angebot dieses seit 2016 durch TourCert zertifizierten Reiseveranstalters besteht aus Mittelstreckenflügen bzw. -reisen in die Mittelmeerregion und Kapverden. Wenngleich es bis auf die Zertifikats-Erwähnung nicht viel zum Thema Nachhaltigkeit auf der Angebots-Seite gibt (konkrete Suche notwendig) und man bei den fast 60 Urlaubskriterien z. B. keine Öko- oder Biohotels finden wird, ist das Angebot nicht mit den klassischen Reiseportalen zu vergleichen:

In Berichten wird sich z. B. kritisch mit dem Golfsport auseinandergesetzt, es gibt einen Nachhaltigkeitsbericht, Busrund- und Gruppenreisen minimieren den ökologischen Fußabdruck, es gibt Icons zu Nachhaltigkeit und Slow Travel, der Blog enthält einige Artikel zum Thema und auch sonst erweckt es den Anschein, dass bei dem Angebot mitgedacht wird. Eine Möglichkeit der CO2-Kompensation wird nicht angeboten und das Portal bietet Kurztrips für z. B. nur zwei Nächte in Lissabon & Co. an (was nicht nachhaltig ist).

23. Opodo (eDreams Gruppe)

Bewertung: 0.5 von 5.

Die Webseite ist ähnlich aufgebaut wie bei eDreams, nur etwas umfangreicher im Angebot. Nachhaltigkeit ist nicht zu finden. Im Travel Moments Blog (2014) heißt es „70% sind bereit, für umweltfreundliche Leistungen im Urlaub mehr zu bezahlen. Am großzügigsten sind dabei die Deutschen mit 76%.“ Da stellt sich die Frage, wo diese 70% ihre Reisen buchen, denn spezielle, nachhaltige Angebots-Optionen oder Auswahlkriterien findet man auf dieser Seite jedenfalls nicht.

24. Schauinsland Reisen

Bewertung: 1 von 5.

Das Unternehmen zählt sich nach eigenen Angaben zu den größten Pauschalreiseveranstaltern Europas. Im Angebot selbst findet man weder Angebote noch Auswahlmöglichkeiten für nachhaltige Optionen. Auf der Seite Nachhaltigkeit, Unterpunkt Klima- und Umweltschutz, wird angegeben, dass man bei der Buchung eine Kompensation der Flugemissionen durchführen kann. Bei einem aktuell durchgeführten Test-Buchungsprozess wird einem jedoch nichts dergleichen angezeigt. Die auf Unterseiten erwähnten Spendenbeiträge lassen sich nicht überprüfen (z. B. durch Zertifikate, Bescheinigungen o.ä.).

25. Sonnenklar TV

Bewertung: 0.5 von 5.

Unter den 16 Urlaubsoptionen hat Nachhaltigkeit keinen Platz gefunden. „Umso wichtiger ist es, dass die Umwelt dabei möglichst wenig belastet wird.“, heißt es in einem recht aktuellen Blogartikel. Das war es dann aber auch schon.

26. Studiosus

Bewertung: 4.5 von 5.

Das einzige Portal, das „Nachhaltig reisen“ in der Menüleiste auf der Startseite anbietet. Es ist auch das einzige Unternehmen, das alle CO2-Emissionen aller Reisen bei myclimate kompensiert. Zudem stehen sämtliche Nachhaltigkeits-Berichte zum Download bereit. Darüber hinaus gibt es eine Foundation mit 120 Projekten, die lt. Angaben des Unternehmens alle besucht werden können.

Bei jeder Reise werden die entstandenen CO2-Emissionen transparent in Anreise, Transport vor Ort und Unterkunft/Verpflegung deutlich sichtbar aufgeschlüsselt. Die wenig klimafreundliche 2-Nächte-Flugreise wird nicht angeboten. Kulturelle Annäherung, Austausch und Begegnungen und Achtung der Menschenrechte stehen im Vordergrund. Das einzige, was theoretisch noch verbesserungsfähig wäre, wäre eine Filtermöglichkeit nach nachhaltigen bzw. Öko- oder Biohotels.

27. Swodoo (Kayak/booking Holding)

Bewertung: 0.5 von 5.

Die gleiche Suchmaske wie bei Kayak und Momondo. Auch hier kann man sich die Flüge nach CO2-Ausstoß anzeigen lassen. Den Nachhaltigkeitsfilter bei den Hotels gibt es hier allerdings nicht.

28. Travelix (Rewe Group/DER Touristik)

Bewertung: 0.5 von 5.

„Wir erfüllen ihre Erwartungen an einen perfekten Urlaub!“, werden Besucher, die nach nachhaltigen Angeboten Ausschau halten, nicht bestätigen können. Nachhaltigkeit findet hier nicht statt. Beim Klick auf „Umwelt & Soziales“ auf der Unternehmens-Seite wird man zu DER Touristik mit einem „Ups! Die Seite konnte leider nicht gefunden werden.“ weitergeleitet.

29. Travelscout24

Bewertung: 1 von 5.

Der letzte Punkt bei den Urlaubsthemen in der Menüleiste: „Nachhaltig Reisen“. Hier werden Eco- und Bio-Hotels vorgestellt; zwar nur 15 Angebote, aber immerhin mal durch einfache Klicks auf der Startseite zu finden. Ansonsten gibt es weder Filter-Möglichkeiten bei Hotels für Nachhaltigkeit noch sonstige Informationen zum Thema.

30. TUI

Bewertung: 0.5 von 5.

Der größte Reiseveranstalter der Welt mit Reisebüros, Hotels, Kreuzfahrtschiffen und Fluggesellschaften. „Der Fokus beim Thema Emissionen ist klar: Wir setzen auf die Vermeidung und Reduktion von Emissionen statt auf Kompensation.“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Und „Wer führt, muss auch Verantwortung übernehmen.“

Inzwischen ist die TUI zu 1/3 in den Händen einer russischen Oligarchen-Familie, die Emissionen allein von den TUI Kreuzfahrtschiffen betrugen 2019 beachtliche 475.000 t CO2 (10% mehr als im Vorjahr), die Emissionen der TUI-Flotte von 2020 auf 2021 stiegen um bis zu 27% (TUI Group Annual Report 2021), sie verkaufen trotz vehementer Proteste von Tierschutz-Organisationen weiterhin Tickets zu Sea World, zahlten Kund:innen während Corona lange Zeit ihr Geld nicht zurück… klingt alles in allem nicht sonderlich sozial oder ambitioniert.

Zur Webseite: Weder bei den 25 Themen zum „Urlaub buchen“ noch bei den 20 Themen zur „Inspiration“ hat es das nachhaltige Reise-Angebot in irgendeiner Form auf die Startseite geschafft. Bei der Hotelsuche liegt bei den 12 Reisethemen kein Filter für Nachhaltigkeit vor. Beim Buchungsprozess wird keine Möglichkeit einer freiwilligen CO2-Kompensation angeboten. Kleinere, familiengeführte Unterkünfte haben im Programm der TUI keinen Platz.

Zu Nachhaltigkeit werden viele Punkte aufgeführt, die sich gut anhören sollen. Hier belegt aber z. B. die Marella Cruises im Nabu Kreuzfahrtranking 2022 den letzten Platz. Die soziale Nachhaltigkeit beim Thema Kreuzfahrt, nehmen wir nur mal das Thema Mindestlohn, Arbeitsbedingungen etc., findet keine Erwähnung. Die Erweiterung der Flotte ist mit weiteren riesigen Schiffen ist mit einer Klimagerechtigkeit zudem sicher nicht vereinbar. Bevor es hier zu lang wird: es erfordert mal einen gesonderten Artikel zu dem Thema.

31. Urlaubsguru

Bewertung: 0.5 von 5.

„Nachhaltiges Reisen ist im Trend“, heißt es auf einer ganz unten auf der Homepage anklickbaren Seite zu nachhaltigem Reisen. „Gerade nachhaltige Hotelangebote sind gefragt, aber auch Alternativangebote zu Flugreisen und Urlaubsschnäppchen in Deutschland werden immer beliebter.“ Wenn das alles so trendy und gefragt ist… warum gibt es dann auf der Startseite keine Angebote?

Es existieren etliche Filtermöglichkeiten, nur Nachhaltigkeit ist nicht dabei. In 15 Such-Kategorien findet Nachhaltigkeit keinen Platz. Auf einer Schlagworte-Seite mit alphabetisch sortieren Themen auch nicht; kein Eco-Resort oder Bio-Hotel zu finden. Hier sind vor allem die Themen All Inclusive, Pauschalurlaub, Last Minute, Luxus mit Secret Escapes und günstige Kreuzfahrten im Programm.

32. weg.de

Bewertung: 0.5 von 5.

Die Webseite ähnelt der von lastminute.de (beide Portale sind Teil der IM Group). Das Ergebnis ist daher nicht anders aus auf der anderen Webseite: Nachhaltigkeit existiert hier nicht.

Fazit

Es erscheint paradox: Obwohl Reiseveranstalter wie keine andere Branche speziell auf die Natur- und Kulturschätze der Urlaubs­länder angewiesen sind, befeuern sie mit ihrem massiven Angebot an Billigflügen, Pauschalreisen, Kreuzfahrten und Reisen zu Massentourismuszielen den Klimawandel in nicht unerheblichem Maße. Der Tourismus ist für 8% der Klima-Emissionen verantwortlich.

Den Begriff Flugscham gibt es seit inzwischen fünf Jahren und in der ruhigen Corona-Zeit hätte es sicher Möglichkeiten gegeben, sich diesem Thema auf der eigenen Webseite intensiver zu widmen. Doch Fehlanzeige. Nachhaltige Themen findet man bei fast allen Portalen nur über die externe Suche via Google & Co., ansonsten sind Ansätze kaum bis gar nicht vorhanden; es gibt es noch nicht einmal erwähnenswerte Greenwashing-Ansätze.

Auch müsste man vielleicht erwarten können, dass in speziellen Rubriken einfach mal Inspirationen für unbekanntere Reiseländer (die dringend mehr Tourismus gebrauchen könnten!) gegeben werden. So eine Seite zusammenzustellen würde maximal einen Tag in Anspruch nehmen; aber noch nicht einmal das ist drin. Kleine, familiengeführte Hotels findet man selten; internationale Hotelketten hingegen häufig.

Lediglich Studiosus kompensiert die gesamten CO2-Emissionen der Reisen; eine freiwillige CO2-Kompensations-Möglichkeit habe ich ansonsten auf keinem Portal gefunden. Wenn der Vorsitzende des Ausschusses Nachhaltigkeit beim Deutschen Reiseverband DRV (2021) sagt »Ich erlebe den Wandel in der Branche als extrem schnell.« und dass »die TUI erstaunlich weit« sei, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, was damit gemeint sein soll.

Fakt ist jedenfalls:

Menschen, die sich im Alltag nicht viel mit Reisen beschäftigen und auf einem der 30 von 32 oben genannten Portale landen, werden mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit keine nachhaltige oder zumindest faire (also sozial gerechte) Reise finden und buchen können.

Wenn wir uns also fragen, warum sich das nachhaltige resp. umweltfreundliche und faire Reisen so schleppend entwickelt, warum Massentourismus entstanden ist und Massentourismus kein Ende findet, ist die Antwort einfach: die großen Portale sind ein wesentlicher Grund, warum wir in Bezug auf eine dringend notwendige Verbesserung in Bezug auf soziale und ökologische Nachhaltigkeit auf Reisen nicht weiterkommen!

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Hinweis: Dieser Artikel wurde mit hohem Zeit- und Recherche-Aufwand sowie nach bestem Wissen und Gewissen ohne jegliche Beeinflussung erstellt. Sollte eine Darstellung wider Erwarten nicht der Beschreibung entsprechen, bin ich selbstverständlich zu einer Korrektur bereit.

Zeige Kommentare (5)
  • Liebe Ute, danke für die Zusammenfassung. Unglaublich, dass sich nur ein Unternehmen mit dem Thema aktiv und nicht nur scheinbar auseinandersetzt.
    Sehr traurig. Und wie Leute immer noch Kreuzfahrten buchen können, geht auch nicht in mein Kopf rein.
    Ich habe zwar noch keine Reise über den Anbieter gebucht, aber schon mehrfach Reise-Ziel-Vorschläge auf Anfrage erhalten. Das kann man über einen Fragen-Katalog machen.
    Amavido – hier geht es gezielt um Reisen in Italien (mittlerweile auch Deutschland). Es steckt sehr viel Liebe darin und die Angebote sind individuell. Die ausgewählten Unterkünfte sind klein und meist familiengeführt. Irgendwann werde ich sicher mal über amavido buchen. Jetzt, wo ich mal wieder einen Blick auf die Seite geworfen habe: Nachhaltigkeit und Soziales ist hier definitiv Thema.

    Ganz liebe Grüße
    Tatjana

    • Liebe Tatjana,
      vielen Dank für deine Meinung. Über die Reiseportale, die überwiegend oder sogar ausschließlich nachhaltige Reisen anbieten, werde ich in Kürze mal einen Artikel schreiben.
      Daher Danke für den Tipp, den nehme ich mit rein!
      Viele Grüße!
      Ute

  • Moin Ute,

    auch wenn der Mensch sich gerne als selbst bestimmtes und freies Lebewesen sieht, das sind wir nicht. Wir werden durch unsere Emotionen, Wünsche, Leidenschaften und Sehnsüchte geleitet. Das wiederum nutzen nahezu alle Unternehmen aus um gezielt zu manipulieren, gerade in der Reisebranche… wie oft klaffen Vorstellung und Realität hier auseinander? Eine schöne Aufbereitung von Prospekten, angenehme Bilder die unsere Sehnsucht nach Urlaub wecken sollen und eine möglichst einfache Plattform, dass die Buchung mit ein paar Klicks erledigt ist und der Deal schnell unter Dach und Fach ist. Wie überall geht es hier nur um die Kohle. Gewinnmaximierung und Wachstum. Die Umwelt ist hier Scheißegal. Leider haben wir (gerade in Deutschland) auch eine Geiz ist Geil Mentalität. Man möchte alles so billig wie möglich erhalten und mit dem geringsten Aufwand. Naja, man muss ehrlich sagen, bei den Preisen momentan kann man es den Menschen nicht mal verübeln, aber das steht auf einem anderen Blatt. Ich kann mich erinnern, dass es einige Unternehmen gab, die eine freiwillige zusätzliche Gebühr bei den jeweiligen Buchungen abgefragt hatten für z.B. CO2 Ausgleich, soziale Projekte, Unterstützung der Menschen vor Ort usw. Man darf jetzt mal raten wie viele der Buchungen mit dieser freiwilligen Abgabe getätigt wurden… Angebot und Nachfrage. Der Markt richtet sich nach den Wünschen der Marktteilnehmer, und diese Wünsche wurden vorher akribisch mit psychologischem Marketing gelenkt. Das die Menschheit verblödet ist kein Geheimnis. Wie schnell das jedoch geht, und wie sehr dies von Unternehmen ausgenutzt und noch befeuert wird, ist jedoch erschreckend.

    Ich schweife ab, sorry :-) Guter Artikel.

    • Hi Lorenz,
      trotz meiner Recherche und der Beschäftigung mit dem Thema Nachhaltigkeit kann ich nicht nachvollziehen, warum es hier so ist wie es ist – zumal ja die (sogar eigens initiierten) Umfragen doch eine deutlich andere Richtung zeigen. Wahrscheinlich ist es Desinteresse oder die Angst, dass potentielle Kund:innen woanders buchen. Keine Ahnung, aber es ist in der Tat deprimierend. Danke aber für deine kritische Meinung und bis bald einmal!
      Viele Grüße
      Ute

  • Hallo Frau Kranz,

    vielleicht noch ein anderer Gedanke.

    Wenn man die Buchungsportale aufruft und nach eine Ferienwohnung oder einem Hotel sucht, hat man vermutlich schon die Entscheidung getroffen wohin man in den Urlaub will. Wie schwer es hingegen ist zu dieser Entscheidung zu kommen, hat vermutlich jeder schon mal erlebt, welcher versucht hat die Masse an Informationen im Internet abzurufen. Und hat man dann den Ort gefunden ist dann noch die Frage ob das mit den versprochenen tollen Rad- und Wanderwegen stimmt.

    Enttäuschung die wir selber so erlebt haben hat uns dazu bewogen einen eigenen Ausflugsführer zu erstellen. Hier werden nur die „Rosinen“ der Gegend raus gepickt und auch auf weniger bekannte Orte hingewiesen. Für Reisende welche mit der Bahn und dem Fahrrad anreisen wollen haben wir dort wo es möglich ist Touren erkundet und in einer eigenen Rubrik eingestellt. Für den weiteren Ausbau in andere Gegenden suchen wir noch Enthusiasten welche den Ausflugsführer mit ihren tollen Touren ergänzen.

    Viele Grüße
    Veikko Jungbluth

    PS. Schöner Artikel über das Wendland welches wir demnächst auch erkunden wollen.

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