Von der Reisebloggerin zur Inhaberin einer Reiseagentur in Bosnien und Herzegowina

  • Über die Entdeckung der Langsamkeit
Kathrin Numic Reiseagentur cheyf-Reisen Bosnien und Herzegowina - Reiseblog Bravebird

2017 haben wir uns auf einer Pressereise in China kennengelernt, Ute und ich. Wer noch nie auf einer Pressereise war, der kann sie sich ungefähr so vorstellen: ein viel zu vollgepacktes Programm, wodurch die ganze Reisegruppe ständig im Zeitverzug ist und von Ort zu Ort geeilt wird. Eine Pressereise soll dazu dienen, in ein Land, seine Kultur und seine Leute einzutauchen. Am Ende jedoch kratzt man noch nicht einmal an der Oberfläche.

Mein Motto lautete damals: So viel reisen wie möglich!

Aufregend war es trotzdem. Schließlich gab es mir die Möglichkeit, neue Länder zu entdecken. Vielleicht nicht in der Tiefe, aber immerhin war ich dort! Ich wollte mehr von der Welt sehen, viel mehr. Und dabei nicht zweimal das gleiche Land bereisen – was für eine Verschwendung von sowieso immer zu knappen Urlaubstagen.

Seit jener Pressereise füllte sich mein Reisekalender weiter. Jedes lange Wochenende musste genutzt und die “Places I’ve been App” gefüllt werden. Solange, bis ich den Sommer (nicht ganz freiwillig – es war 2020) im Heimatland meines Partners verbrachte: Bosnien und Herzegowina.

Kathrin Numic Reiseagentur cheyf-Reisen Bosnien und Herzegowina - Reiseblog Bravebird
Der Kiosk-förmige Brunnen „Sebilj“, das Wahrzeichen von Sarajevo im Herzen der Altstadt

Ich freute mich darauf, dieses kleine herzförmige Land auf dem Balkan, seine Heimat, zu erkunden. Ein Land, über das kaum jemand viel wusste, dem kaum ein Reiseführer oder eine Bucket-List Aufmerksamkeit schenkten; gerade mal so groß wie die Schweiz, aber mit lediglich einem Drittel der Einwohner.

Dieser Sommer in Bosnien und Herzegowina veränderte alles!

Wir bereisten jeden Winkel des Landes: vom grünen Norden bis in den mediterranen, karstigen Süden. Von Wasserfällen und tiefgrünen Flüssen bis zu UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten und lebhaften Altstädten, in denen der muslimische Gebetsruf und die Kirchenglocken zur gleichen Zeit erklingen und stets der Duft von frisch gebackenen Brot und Čevapćiči durch die Gassen zieht. 

Und ich verliebte mich! Nicht nur in Bosnien und Herzegowina (obwohl es da schnell um mich geschehen war), sondern auch in die Langsamkeit des Reisens. Wir zogen an langen Wochenenden noch immer los, aber jetteten nicht in ein Nachbarland, sondern fuhren zwei oder drei Stunden – und entdeckten, dass es schon 100 Kilometer weiter so viel Neues zu entdecken gibt.

Bosnien und Herzegowina Reisetipps - Reiseblog Bravebird
Der Rakitnica-Canyon – der zweittiefste Canyon Europas

Nur langsam reisend lässt sich ein Land in der Tiefe kennenlernen 

Ich verstand, dass Menschen aus dem Süden Bosnien-Herzegowinas ganz anders ticken als Menschen aus dem Norden. Wie das Klima das Leben beeinflusst und Menschen auch heute, mitten in Europa, noch im Einklang mit der Natur leben. Ich lernte Leute kennen, die ihre Finance-Jobs kündigten, um Wein anzubauen. Menschen, die aus Weltmetropolen in winzige Bergdörfer auf 1.500 Metern zogen, um wieder mehr mit den Händen zu arbeiten.

So viele unterschiedliche Lebensrealitäten, Charaktere, Wünsche und Träume. Das machte mir eins bewusst: es gibt nicht nur den einen Weg, sein Leben mit Sinn zu füllen. Im Gegenteil: es gibt jede Menge unterschiedlicher Lebenswelten, selbst in so einem kleinen Land. Auch nach 10 Jahren Reisen in Bosnien und Herzegowina würde ich noch immer nicht all die spannenden Orte gesehen und all die spannenden Lebensgeschichten um mich herum gehört haben.

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Auf dem Weg nach Lukomir, Bosniens abgeschiedenstes Bergdorf auf 1.500 Höhenmetern

Die kleinen Momente genießen – und bei sich ankommen. Anderswo.

Statt Stress löste dieser Gedanke auf einmal eine tiefe Ruhe in mir aus: Wenn ich sowieso noch Jahre brauche, um dieses Land wirklich kennenzulernen, dann kann ich mich auch erst einmal hinsetzen, einfach einen Kaffee trinken und vor mich hinschauen, oder nicht? 

Ohne einen strengen Terminplan, eine Bucket List, eine ganze Litanei von Sehenswürdigkeiten zum “Abarbeiten” hatte ich auf einmal auch wieder mehr Zeit für mich selbst: ein Buch in der Hängematte unserer Unterkunft lesen, obwohl die Golden Hour dann vorbei sein würde; jetzt in diesem süßen kleinen Café noch einen Kaffee trinken, bewusst das Handy weglegen. 

Ćejf nennen die Bosnier das – die kleinen Momente zu genießen, die das Leben lebenswert machen. Auf all meinen bisherigen Reisen hatte ich entschieden zu wenige dieser Augenblicke gehabt. Doch wenn man einmal die Fühler nach ihnen ausstreckt, dann fallen einem mehr und mehr Möglichkeiten zu genießen, zum achtsamen Erkunden auf. Warum bin ich eigentlich nicht schon immer so gereist?

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An den Martin Brod Wasserfällen in der Region Krajina

Aus einer Erfahrung gegründet: eine Reiseagentur für achtsames Reisen

Ob ich diese “neue” Art zu reisen, das aktive Auseinandersetzen mit der Kultur, die echte Entspannung im Urlaub, das Eintauchen in ein fremdes Land nicht irgendwie weitergeben könnte? Die Idee von .Cheyf war geboren – eine achtsame Reiseagentur für Reisen nach Bosnien und Herzegowina!

Seit Februar 2022 können neugierige Reisende uns nun buchen – für Wanderungen, kulinarische Genusserlebnisse und für personalisierte Reisen durch das kleine herzförmige Land auf dem Balkan. Und wir sind bei der Reiseplanung schonungslos ehrlich. Wir empfehlen, ganz nach dem Motto „Weniger ist mehr“ längere Aufenthalte und entzerrte Reiserouten. Das kommt an. Nicht nur bei unseren Gästen, sondern auch bei unseren Partnern.

Bewusst haben wir uns für die Zusammenarbeit mit kleinen, bosnisch geführten Reiseanbietern, lokalen Guest Houses und Handwerkern entschieden. So können wir keine sehr große Nachfrage erfüllen, aber unsere Touren bleiben persönlich, privat und sind am Ende nachhaltiger als ein großer Reisebus mit 40 Touristen. 

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„Sarajevo, meine Liebe“

Mein neuer Anspruch ans Reisen: etwas Positives hinterlassen

Wir lernen jeden Tag dazu, lernen das Land Stück für Stück noch weiter kennen. Und hoffen, mit unseren Touren Positives zu bewirken: in den Herzen der Menschen von Bosnien und Herzegowina, die sehen, dass sie nicht vergessen wurden vom Rest der Welt. Die sehen, dass ihr Land, ihre Natur und ihre Traditionen etwas wert sind. Und in den Herzen unserer Gäste, die etwas lernen, etwas mit nach Hause nehmen und über ihren Aufenthalt nachdenken, wenn die Koffer längst ausgepackt sind.

Und ich? War in den letzten zwei Jahren in Summe vielleicht insgesamt vier Wochen außerhalb von Bosnien und Herzegowina unterwegs. Und weißt du was? Mir fehlt tatsächlich überhaupt nichts! Aber wenn ich wieder losziehe, dann weiß ich, dass ich mein ćejf mit mir nehme – und hoffentlich auch an einem anderen Ort etwas Positives hinterlassen kann. Das ist vielleicht das Schönste aller Gefühle!


Vielen Dank, liebe Kathi für diesen wundervollen Beitrag! ♥ Wenn ihr gerne mal nach Bosnien und Herzegowina reisen wollt (was ich wärmstens empfehlen kann!) und Inspiration sucht, schaut doch mal bei Kathis Instagram-Profil vorbei.

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