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Fair Reisen – Warum ich wieder Flugreisen empfehle

Fair Reisen – Warum ich wieder Flugreisen empfehle

Nachhaltig reisen und Flugreisen - Reiseblog Bravebird

Seit mittlerweile sieben Jahren beschäftige ich mich mit den Themen Klima und Umwelt. Meine Liebe zur Natur war eigentlich immer schon groß, nur fehlte mir ein umfassenderes Wissen in diesem Bereich. Mit meinem wachsendem Bewusstsein habe ich meinen Alltag und meine Pläne seitdem sukzessive privat und beruflich umgestellt. Die meisten Schritte sind mir nicht unbedingt leicht gefallen, aber der positive Effekt überwog die Trägheit zur Veränderung. Meine wesentlichsten Umstellungen in den vergangenen Jahren waren:

Während ich mich Schritt für Schritt veränderte, passierte in meinem Umfeld diesbezüglich irgendwie nicht so viel. Wenn ich mich an die vielen Gespräche und Kommentare erinnere, scheint mir Verzicht oder Veränderung allgemein einfach nicht so viel auszumachen wie anderen Menschen. Irgendwie hatte ich auch gedacht und gehofft, dass wir jetzt alle an einem Strang ziehen und das wuppen… ok, vielleicht ein wenig naiv.

Nachhaltigkeit macht Druck - Reiseblog Bravebird

Nachhaltiges Leben, anstrengendes Leben

Mein Lebensstil kommt meist nicht gut an. Mit jeder Veränderung, die für mich logisch und notwendig erschien, bin ich für viele Menschen fremder bzw. zu „anders“ geworden. Obwohl ich es selbst einfach nur besser machen wollte, um meinen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, bin ich für andere automatisch und vor allem ungewollt zu einer moralischen Instanz geworden.

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Auch beruflich habe ich etliche Einschränkungen in Kauf genommen. Was kann ich noch vertreten und was nicht? Darüber habe ich mir lange den Kopf zerbrochen. Das Fazit ist ernüchternd. Ich liebe das Reisen und meine Art zu leben, aber ich bin des Diskutierens müde geworden. Es bringt meist nichts und produziert jede Menge schlechte Laune.

Ich möchte einige Aspekte beschreiben, die mir erst seit einiger Zeit bewusst geworden sind und meine Sichtweise auf das Thema Reisen und Nachhaltigkeit verändert haben. Dazu haben natürlich auch die Erfahrungen durch Corona und den Ukraine-Krieg beigetragen. Kommen wir daher zu den Beweggründen, warum ich wieder Fernreisen empfehlen werde.

1. Vernachlässigt: Die soziale Nachhaltigkeit

Die anfänglichen Einschränkungen zu Beginn der Corona-Pandemie haben einen guten Eindruck vermittelt, wie es denn wäre, wenn wir z. B. alle nicht mehr fliegen würden. Natürlich sparen wir damit jede Menge CO2 ein, nur was geschieht mit den Menschen, die normalerweise aus den Einnahmen im Tourismus ihren Lebensunterhalt bestreiten? Um mal Dirk Steffens zu zitieren:

Die Corona-Krise zeigte, was ohne Tourismus passiert: Nationalparks und indigene Gemeinschaften stehen ohne Geld da, weltweit jeder 5. Ranger ist ohne Job, in Indonesien und im Regenwald im Amazonas verzehnfacht sich die illegale Abholzung und auch die Wildtiere in Afrika verschwinden schneller denn je. Klimaschutz ohne Naturschutz ist sinnlos.

– Dirk Steffens, Wissenschafts-Journalist und Moderator von Terra X

Der Tourismus generiert 319 Millionen Arbeitsplätze weltweit, also ungefähr jeder zehnte Mensch verdient damit in irgendeiner Form sein Geld (Quelle: WTTC). Das bedeutet, dass wir das Reisen bzw. Fliegen schon irgendwie beibehalten sollten. Zur Nachhaltigkeit gehört eben auch die soziale Gerechtigkeit, die von uns erwartet, als Tourist:in im Reiseland etwas beizutragen.

2. Der Kollateralschaden der Flugscham: Vanlife

Die Abhängigkeit von Likes in den sozialen Medien hat einen Trend auf den Plan gerufen, dessen Auswirkungen nicht unglücklicher hätten sein könnten. Durch die Flugscham erfreute sich plötzlich das Wohnmobil einer großen Beliebtheit. Noch nie wurde im Reisebereich der Begriff „Freiheit“ so häufig verwendet wie beim Vanlife – und alle sprangen auf: Influencer:innen, Magazine, Fernsehsender.

Was wir so zusammenfliegen, ist ein ziemlich kleiner Teil des weltweiten CO2-Ausstoßes. Es kursieren hier verschiedene Zahlen, zwischen 2,7% und 5%. Der Autoverkehr ist dagegen für ein Fünftel der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich.

– Katarina Schickling aus dem Buch „Der Konsumkompass“

Was wir momentan in Zeiten einer notwendigen Verkehrswende gar nicht gebrauchen können, sind entweder noch mehr neue Autos oder weite Strecken mit sehr alten, sehr umweltschädlichen Autos. Und da staunt man nicht schlecht, dass gerade die Influencer:innen mit den Hashtags #nachhaltigkeit, #öko und #greenlifestyle in den größten und umweltschädlichsten Diesel-Kisten (meist ohne Kat) ihr großes Glück unterwegs präsentieren.

Das Problem des Vanlifes, wie es die meisten auf Instagram & Co. darstellen, ist in erster Linie, dass sie (i.d.R.) wild campen und das einer riesigen Community zur Nachahmung ans Herz legen. Warum? Na, weil es kostenlos ist! Die Hauptkosten ihrer Reise sind schließlich schon die teuren, fossilen Energien Benzin, Diesel, Gas. Das macht die Wildcamping-Variante zur unsozialsten und egoistischsten Reiseform, die man wählen kann.

Als Tourist:in sollte man dem Land auch etwas zurückgeben (= soziale Nachhaltigkeit). Ist es sozial und gerecht, wenn ich als Tourist:in durch ein Land fahre, Müll produziere, die Umwelt belaste, Infrastruktur und sonstige Annehmlichkeiten nutze, ohne dem Land bzw. den Leuten etwas zurückzugeben? Nein. Etliche Reportagen berichten darüber hinaus über die negativen Auswirkungen des Trends: Störung der Anwohner und Wildtiere, Müll-Hinterlassenschaften usw.

Warum Vanlife nicht nachhaltig ist
10 Mythen, die uns über’s Vanlife erzählt werden
Wie Outdoor-Trends der Natur schaden: Wildcamping, Vanlife, …

3. Abwälzung großer Probleme auf kleine Leute

Die Personalisierung von Verantwortung ist eigentlich der wichtigste Punkt, der mir lange nicht klar war und der, einmal verinnerlicht, die Sicht auf viele Dinge im Leben vollkommen verändert! Wer sich nachhaltig verhalten will, lebt im Prinzip mit einem permanent schlechten Gewissen: zu viel Plastik beim Einkauf, Papiertüten, Coffee to go-Becher, Einwegverpackung, Einweg-Flaschen, um nur ein paar zu nennen.

Unzählige Bücher weisen uns den Weg durch den Dschungel zu einem ökologisch bewussten, richtigen Einkauf. Viele von uns wollen es besser machen, scheitern jedoch kläglich und täglich. Thilo Bode warnt beispielsweise vor dem schlechten Dauergewissen, hier sagt er im Interview der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:

Flugverzicht bringt nichts! Es muss Schluss sein mit der Irreführung, dass Appelle an das Verhalten von Einzelnen einen spürbaren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Nur eine entschlossene Klimapolitik gegenüber Energie- und Autokonzernen sowie der Landwirtschaft kann die CO2-Emissionen drastisch und schnell senken.

– Thilo Bode, ehemaliger Greenpeace Geschäftsführer und Gründer von Foodwatch

Hätten wir Corona in den Griff bekommen, wenn es keine Impfung gegeben hätte? Nein. Hier konnte man sehr eindrücklich feststellen, wie viele Menschen sich nicht an die einfachsten Regeln halten, die eine Eigenverantwortung erforderten. Wir können zwar bewusster konsumieren und handeln, aber die großen Probleme können niemals durch freiwillige Verzichtsforderungen gelöst werden.

Ein gutes Beispiel dafür ist Recycling. Das eigentliche Problem ist die Massenproduktion von Plastik durch Großkonzerne und seine Verbreitung im Einzelhandel. Konsument:innen wird aber vorgegaukelt, dass persönliche Verschwendung für das Plastikproblem verantwortlich sei und entsprechende Verhaltensveränderungen beim Konsum zu einer Lösung beitragen könnten.

– Prof. Ronald E. Purser aus dem Buch „Wie Achtsamkeit die neue Spiritualität des Kapitalismus wurde“

4. In der Bubble: Verhältnismäßigkeit

Während wir uns vielleicht gerade den Kopf darüber zerbrechen, ob wir nun die eine Flugreise im Jahr antreten sollen oder nicht, dreht sich die Flugwelt unaufhörlich und rasant weiter: Weltweit gibt es über 75 Vielfliegerprogramme. Für den Frequent Traveller Status bei Lufthansa Miles & More muss man z. B. 30 Flüge im Jahr absolvieren. Rund ⅓ aller Flugreisenden sind Geschäftsreisende. Jeden einzelnen Tag sind 200.000 Flugzeuge unterwegs für Passagiere und Fracht.

Flugscham Kritik - Reiseblog Bravebird

Auch hier dreht sich wieder alles um die soziale Gerechtigkeit und die Verantwortung seitens der Politik. Ich bin nicht der Meinung, dass einem alles egal sein sollte, nur weil sich andere auch nicht um ihren ökologischen Fußabdruck scheren. Dennoch sollte man sich selbst nicht geißeln, nur weil es an einer verantwortungsbewussten Klima- und Umweltpolitik der Regierung(en) bislang mangelt.

Wenn wir die maßgeblichen Probleme der Welt verstehen wollen, müssen wir unseren Blick über ein schuldiges Individuum hinaus auf das System richten.

– Prof. Hans Rosling aus dem Buch „Factfulness“

5. Prioritäten setzen: Wenn die Seele weint

Die Zeiten haben sich durch die Ereignisse der vergangenen Jahre verändert. Etwa 14 Mio. Menschen in Deutschland fühlen sich häufig oder ständig einsam. Etwa 9 Mio. Frauen und 4 Mio. Männer in Deutschland leiden derzeit an Depressionen. Auch Angststörungen nehmen immer mehr zu. Das sind erschreckend hohe und alarmierende Zahlen!

Ich selbst bin nicht betroffen, wenngleich ich in den vergangenen Jahren häufig mit schlechter Laune, Frust und Traurigkeit zu kämpfen hatte. Die ständig schlechten Nachrichten, das erwähnt permanent schlechte Gewissen… all das drückt aufs Gemüt. Die häufig empfundene Gleichgültigkeit unserer Gesellschaft macht mich oft betroffen und erzeugt Fluchtgefühle auf die „einsame Insel“, wo noch alles in Ordnung ist bzw. zu sein scheint.

Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Obwohl wir es einerseits noch nie so gut hatten, gibt es unglaublich viele Probleme, Krieg und Ungerechtigkeiten. Und natürlich hat auch Social Media viel verändert. Dennoch sollten wir den Mut nicht verlieren. Und wenn uns nach einer Fernreise ist, sollten wir sie unternehmen. Ohne schlechtes Gewissen! Die Entwicklungen sind nicht unsere persönliche Schuld.

Wir können versuchen, auf unserer Reise bestmöglich lokale Hotels, Restaurants, Garküchen, Mitarbeiter:innen, Tourleiter:innen usw. zu unterstützen. Wir sollten wieder in Kontakt mit anderen Kulturen kommen und uns austauschen. Hören, was Menschen an anderen Orten bewegt. Wir können neue Pfade gehen anstatt für die Selbstvermarktung zu einem Instagram-Ziel mit Kleid und Hut zu reisen. Wir haben es in der Hand!

Fazit

Wie eigentlich in allen Bereichen sind Extreme nie wirklich zielführend. Wir leben nunmal in einem Land mit vielen Privilegien und wenn wir etwas für andere tun können – sofern wir weiterhin reisen bzw. fliegen möchten – ist es die Unterstützung der Menschen im Reiseland. Eine Fernreise ist und bleibt keine ökologisch nachhaltige Reise, sondern kann bestenfalls eine sozial nachhaltige (= faire) Reise sein.

Bei mir bleibt eigentlich alles wie gehabt. Eine Flugreise ist nach wie vor nicht geplant, ich halte es mir aber offen. In Zukunft gibt es im Blog Inspiration für faire Fernreisen, worauf ich mich sehr freue. Ein wichtiger Aspekt, über den ich auch noch mehr schreiben möchte, ist der Abbau eines permanent schlechten Gewissens und gegenseitiger Schuldzuweisungen, die uns allen mehr schaden als nutzen. Über Greenwashing werde ich ebenfalls weiter berichten mit kritischen Artikeln und Faktenchecks.

Alles Liebe und guten Flug ♥

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Zeige Kommentare (11)
  • Liebe Ute!
    Ich kann den „Flucht-Reflex“ gut nachvollziehen und auch verstehen. Ich habe selbst 30 Jahre auf einer Insel im Wattenmeer gelebt (Insel Pellworm). Dort war das Thema „Nachhaltigkeit“ schon Thema, als es noch nicht in „Mode“ gekommen war. Die Insel produziert mit Windenergie auf der Insel soviel Strom, dass Überschüsse erzielt werden. Die Einnahmen werden dann in den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien investiert ect. Auch in Sachen Tourismus hat man schon vor über 30 Jahren auf den „sanften Tourismus“ gesetzt. Und das im Schatten der bekannten Inseln Sylt und St. Peter-Ording. Pellworm wäre eine Reise wert, wenn Du nicht schon dort warst??
    Spirituell interessante Orte, wo Menschen andere Wege gehen als die Mehrheit, sind Klöster. Zum Beispiel die Benediktinerabtei Plankstetten (das „Öko-Kloster), wo konsequent neue Wege beschrieben und umgesetzt werden. Klöster sind meistens Rückzugsorte, um in die Tiefe zu gehen und beispielhaft nach außen zu wirken. Oder die Benediktinerabtei Münsterschwarzach mit Pater Anselm Grün. Auch hier gilt das „simple life“ in Gemeinschaft, aber nicht verschlossen, sondern zur Welt hin geöffnet. Gestern war ich in der Benediktinerabtei Montserrat und habe mir ansehen können, dass Glaube und Hoffnung zwar NICHT Berge versetzen können, aber eine Klosteranlage kreieren können, wo die Anlage im Berg integriert ist. Und das auf über 700 Meter Höhe. Womit ich beim Punkt „Reiseverhalten“ wäre. Du siehst die Dinge vollkommen richtig. Ich reise wieder mit einem kleinen Wohnwagen, vorher mit Zelt. Und selbstverständlich sollen die Menschen, die vom Tourismus leben bzw. in die Infrastruktur investiert haben, etwas zurückbekommen. So gewinnen beide Seiten etwas. Es ist mir unverständlich, wenn – wie öfter gehört UND erlebt (!)- nicht nur die Van-Lifer mit einer Gratismentalität unterwegs sind, sondern die Eigentümer monströser Dickschiffe, Überlebensmobile ect., die mindestens 150.000 Euro und mehr gekostet haben, einen Youtube-Kanal unterhalten, wo sie der Community mitteilen können, auf welchen Stellplätzen sie „gratis“ übernachten können.
    Eine neue Form von „Geiz-ist-geil-Mentalität“. Und je höher die Spritpreise sein, desto „erfolgreicher“ sind sie mit ihren Botschaften für ihre Follower.
    Ja, es gilt geradezu als „clever“ sich SO zu verhalten und als „Rosinenpicker auf Rädern“ seine Reise zu organisieren. LEIDER! Diese Klientel wird man sehr wahrscheinlich nicht mit Botschaften erreichen, die Dir wichtig sind. Aber es gibt sicherlich genügend andere Leute, die offen dafür sind und auch Schritt um Schritt umsetzen. Vor diesem Hintergrund zählt das Gleichnis vom Sämann: „es ging ein Sämann aus zu säen. Und es begab sich, indem er säte, fiel etliches an den Weg; da kamen die Vögel und fraßen’s auf. Anderes fiel auf felsigen Boden, wo es nicht viel Erde hatte, und ging bald auf, weil es keine tiefe Erde hatte. Da nun die Sonne aufging, verwelkte es, und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es. Und anderes fiel unter die Dornen, und die Dornen wuchsen empor und erstickten’s, und es brachte keine Frucht. Und all das Übrige fiel auf das gute Land, ging auf und wuchs und brachte Frucht, und einiges trug dreißigfach und einiges sechzigfach und einiges hundertfach. Und er sprach: Wer Ohren hat zu hören, der höre!“
    Sei weiterhin eine gute „Sähfrau“, die „geistige Samen“ aussäht. Und dies mit guter Laune – wie die Mönche in Plankstetten oder Münsterschwarzach.
    Liebe Grüße aus Montserrat

    • Hallo Matthias,
      vielen Dank für deine Meinung und von Pellworm habe ich schon gehört – da muss ich auf jeden Fall mal hin :) Tja, wir leben in einer ganz schön verkorksten Welt gerade… ich bin gespannt, was da noch so kommt in den nächsten Monaten und Jahren.
      Viele Grüße und weiterhin gute Reise
      Ute

      • „Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen!“ Ob das Zitat wirklich von Martin Luther ist, sei dahingestellt. In jedem Fall bietet es e i n e Perspektive in dieser Zeit, Ute!

  • Liebe Ute,
    was für ein reflektierter, durchdachter und einfach großartiger Artikel! Das mit dem schlechten Gewissen ist absolut zutreffend und stört mich tatsächlich schon lange, auch, wenn ich bzw. wir wirklich unser Bestes im Alltag geben. Dank Dir herzlich für die Offenheit, Deine Gedanken und die Zitate, die mich in den nächsten Tagen sicher noch begleiten werden. Bin auf die Reisetips gespannt!
    Beste Grüße von einem langjährigen Verehrer deiner Beiträge :D

      • Ute,
        auf der von dir erwähnten Insel ist es so dermaßen einsam, man(n) hört irgendwann einfach damit auf zwischen den Zeilen zu lesen. Das kann Frau auch.
        Ist gar nicht mal so weit.

  • Liebe Ute,
    die gleichen Gedanken beschäftigen mich auch schon die ganze Zeit, aber ich hätte sie nicht so gut definieren können. Seit dem Krieg stelle ich so ziemlich alles in Frage, was die Menschheit so treibt, und was die Lenker uns alles zumuten und das Ende ist nicht absehbar. Das erreichte wird wieder zunichte gemacht, damit alles beim Alten bleibt.
    Wie generiert man neues Wachstum und mit was verdient man Geld: mit Krieg. Unser Unverpackt Laden wird bald aufgeben, da die Hersteller die Preise derart angehoben haben, dass die Waren nicht mehr gekauft werden, Bsp. eine Rolle Toilettenpapier kostet jetzt 3,30 Euro.
    Warum soll ich also genau so leben, wie Du es beschrieben hast? Genau diese Frage stellen sich gerade sehr viele Menschen und wir werden die Antwort sicherlich bald kennen.
    Lasse Dich nicht unterkriegen, wer Veränderung lebt, beschreitet immer den steinigeren Weg.
    Viele Grüße Joachim

  • Vielen Dank für deinen Artikel. Leider kann ich vielen deiner Argumente nicht folgen.

    Grundsätzlich denke ich, dass „wir“ für diesen Planeten gemeinschaftlich einen Lebensstil finden müssen, der nachhaltig ist für ungefähr alle 10 bis 11Mrd Menschen, die es vielleicht mal irgendwann geben wird. Das heißt wir Privilegierten können nicht so weitermachen wie bisher, da unser Lebensstil den Planeten ruinieren würde. Gleichzeitig streben immer mehr Menschen – verständlicherweise – diesen Lebenssitl an. Eine Spirale.

    Wenn die soziale Nachhaltigkeit mit der ökologischen kollidiert, ist auf lange Sicht nichts gewonnen, wenn ich Menschen jetzt Arbeit gebe, in ein paar Dekaden der Planet aber ruiniert ist.

    Fast Fashion argumentiert auch mit den wertvollen Arbeitsplätzen in Bangladesch. Das ist für mich nicht akzeptabel.

    Dass im Vanlife der Egoismus der Menschen nur woanders hingetragen wird, ist für mich auch nur ein schwaches Argument. Natürlich müssen wir uns auch gegen diesen Egoismus wehren.

    Ist nicht der größte Teil des Tourismus ein Massentourismus, der die Umwelt stark belastet? Und zwar auch durch Vor-Ort-Konsum? Zusätzlich zur Fliegerei? Und macht es wenigstens einen Unterschied, ob ich mit dem Van ein paar Hundert Kilometer fahre oder mit dem Flieger ein paar Tausend? Selbst der älteste Diesel verpestet die Umwelt weniger als ein Jet-Triebwerk. Wie groß ist der Beitrag des Vanlife am CO2 Ausstoß und an der Schadstoffbelastung? Der Vergleich von Katarina Schickling ist mir nicht nachvollziehbar.

    Klar macht ein schlechtes Gewissen schlechte Laune und Schuld ist ein Entwicklungshindernis. Gleichzeitig ist es nicht nachhaltig, im Warten auf die Politik weiter zu machen wie bisher. Die klimatischen Veränderungen sind zu dringlich als dass wir dem zögerlichen Agieren der Politik weiter zuschauen können. Die Politik ist weitläufig geprägt von Konservatismus, der zum Beispiel stark mit der überalterten Wählerbasis und Wohlstandsgewohnheiten in Deutschland zusammenhängt. Der Frust darüber zeigt sich bei Extinction Rebellion und Last Generation. Angst und Depression entstehen durch Ohnmacht und Ausweglosigkeit. Hoffnung entsteht im Handeln, nicht im Abwarten und Weiterkonsumieren. Leider sehe ich keinen wesentlichen, der Dringlichkeit angemessenen, politischen Druck.

    Wenn doch wenigstens, die von der Selbstgeisselung der Flugscham befreiten Menschen nach der erholenden und breichernden Fernreise aktiv werden würden und wirklich alles, das in ihrer Macht steht, für eine Systemänderung zu tun. Auch das sehe ich leider nicht.

    Welcher Teil der fernreisenden Menschen kommt wirklich mit einer anderen Kultur ungefiltert in Kontakt und landet nicht in dem Touristenghetto eines großen Reiseveranstalters mit einer Folkloredarbietung oder Safari? Zum Glück kommen immer mehr Kulturen – und auch Spiritualitäten – zu uns ins Land. Da muss keiner weit fahren, um sich dieses Erlebnis zu gönnen. Oder?

    Daher gibt es weiter für mich kein Argument gegen Flugscham und Konsumverzicht. Bei gleichzeitigem Engagement für einen Systemwechsel.

  • Hallo Ute,

    reflektierend auf deinen Artikel habe ich mir Gedanken gemacht. Natürlich nicht erst seit deinem Beitrag, sondern auch schon lange davor. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich kein schlechtes Gewissen haben muss. Weder dafür, dass ich versuche, nachhaltig zu leben, noch dafür, dass ich allein durch meine Lebensweise einen entsprechenden negativen (oder auch positiven) Einfluss auf die Welt habe.

    Ich verzichte auf bestimmte Dinge, weil ich es kann (z.B. das eigene Auto) oder möchte (z.B. auf Fleisch) – nicht weil ich es muss. Wenn ich Tiere sehen möchte, gehe ich in unsere Natur oder in den Zoo (wenn ich nicht fliegen mag / kann). Wenn ich aber Elefanten in einem Nationalpark in Afrika sehen möchte, muss ich wohl oder übel fliegen. Dafür gebe ich dann aber der Natur und der Welt etwas zurück – ausdrücklich durch Machen oder durch Verzicht in anderen Bereichen. Vom grünen Ablasshandel halte ich nicht viel.

    Es wird nie gelingen, dass alle Menschen ein nachhaltiges Leben führen. In gewissen Maßen kann der technische Fortschritt helfen. Aber ob es dafür nicht bereits zu spät ist? Ich weiss es nicht.

    Beste Grüsse

    Torsten

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