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Wie viel Geld braucht man für ein Nomadenleben?

Wie viel Geld braucht man für ein Nomadenleben?

Welche Ausgaben haben digitale Nomaden? - Reisemagazin Bravebird

Irgendwo an einem sonnigen und warmen Ort im Ausland leben, am Laptop mit tollem Ausblick arbeiten und ansonsten das Leben in vollen Zügen genießen… das klingt für viele Menschen ziemlich verlockend. Den unzähligen Instagram-Posts zufolge sind die „digitalen Nomaden“ auch wahnsinnig glücklich. Wie kann man da selbst nicht ins Schwärmen kommen?

Vor einigen Jahren waren die Hot Spots für ortsunabhängiges Arbeiten Bali und Thailand, mittlerweile hat sich der Lifestyle überwiegend auf Wohnmobile („Vans“) rund um Europa verlagert. Im Laufe der Zeit habe ich mich häufig gefragt, warum viele digitale Nomadïnnen oftmals plötzlich nach ein paar Jahren aufhören und warum das Thema Geld nur selten angesprochen wird. Die Antworten ergeben sich aus diesem Artikel.

Welche Unterschiede gibt es?

Wie bei fast allem bietet uns die heutige Zeit unzählige Möglichkeiten unser Leben zu gestalten. Kostentechnisch sind die Modelle unterschiedlich, weshalb ich hier nur einige abbilden kann.

  • Angestellt oder Selbstständig? Wer angestellt ist und im Ausland für sein deutsches Unternehmen arbeitet, wird sich um Krankenkassen-, Sozial- und Rentenbeiträge keine Gedanken machen müssen. Wer hingegen selbstständig ist, muss für alles selbst sorgen.
  • Mit oder ohne Wohnsitz in Deutschland? Seinen Wohnsitz in Deutschland zu behalten, hat diverse Vorteile, birgt aber auch Verpflichtungen. Wer seinen Wohnsitz abmeldet, hat einige Risiken und organisatorische Herausforderungen.
  • Allein oder zu zweit? Alleinreisend hat man tendenziell wesentlich höhere Ausgaben, da man Ausgaben nicht teilen kann wie z. B. Unterkünfte, Fahrtkosten etc.
  • Dauerreise oder an einem Ort wohnen? Je schneller man reist, umso höher i. d. R. die Reisekosten. Die drei gängigsten Varianten dürften sein: One Way nach Asien, Mittelamerika, Kanaren o.ä. und dann Ferienwohnung; Vanlife in Europa; per Auto in Europa in Kombination mit Ferienwohnung.
  • Alter und Gesundheitszustand? Wer ein Nomaden-Leben mit 50 starten möchte, hat meist ganz andere Voraussetzungen als jemand mit 25. Z. B. können langjährig bediente Altersvorsorge- und Krankenversicherungs-Beiträge weiterhin hohe Beitragszahlungen erfordern.
Digitale Nomaden Aussagen Instagram - Reisemagazin Bravebird
Keine Fixkosten beim Vanlife, kann das wirklich sein? – Nein. Solche Posts stellen ein falsches Bild dieses Lifestyles dar.

1. Monatliche Fix-Kosten

Persönliche Ausgaben, von denen die meisten unverändert bleiben und immer anfallen – egal, wo man ist. Jahresbeiträge sind auf monatliche Kosten runtergerechnet. Die meisten Beträge stellen das Minimum dar.

Im Angestellten-Verhältnis

Wer angestellt ist und im Ausland für sein deutsches Unternehmen arbeitet, bedient seine Krankenkasse sowie Sozial- und Rentenbeiträge über den Arbeitgeber. Dennoch laufen viele Kosten auch auf Reisen im Ausland weiter:

1. Haftpflichtversicherung4 €
2. Hausratversicherung4 €
3. Rechtsschutzvers. (Verkehr, Privat)13 €
4. Auslandskrankenversicherung1 €
5. Mobilfunk29 €
6. Lagerraum (z. B. 4 m³)80 €
7. Private Altersvorsorge
Insgesamt131 €
  1. Haftpflicht: Jeder sollte eine private Haftpflichtversicherung abschließen, denn sie schützt vor Schäden, die in die Millionen Euro gehen können.
  2. Hausrat: Ohne sie ist man auch auf Reisen nicht abgesichert bei Raub, Einbruch-Diebstahl (Sachen in Auto, Ferienwohnung, Camping etc.); Wertsachen und Fahrrad auch nicht. Reisegepäckvers. ist meist wesentlich teurer.
  3. Rechtsschutz: Ein Rechtsstreit durch einen Verkehrsunfall, Probleme mit Verträgen oder sonstige private, heutzutage nicht unwahrscheinliche Unannehmlichkeiten oder Streitigkeiten können schnell in die Tausende gehen.
  4. Auslandskranken: Im Ausland kann man auf seinen Behandlungskosten sitzen bleiben, wenn die Krankenkasse sich sträubt. Daher wichtig und für den kleinen Betrag lohnenswert.
  5. Mobilfunk: Wer unbegrenztes Datenvolumen im Ausland (z. B. für Streaming) ohne WLAN brauchen sollte, liegt schnell bei monatlichen Gebühren um die 59 €.
  6. Lagerraum: Lagerfläche ist in den letzten Jahren sehr teurer geworden. Wer sein letztes Hab und Gut nicht bei Freunden oder Familie unterbringen kann, muss hier in den sauren Apfel beißen.
  7. Private Altersvorsorge: Bedienen meines Wissens die wenigsten, obwohl echt wichtig. Man sollte etwa 10-15% des Nettogehalts einzahlen (Beispiel: Nettogehalt 1.500 € = 150 € bis 225 € für die private Altersvorsorge)!

Zusätzliche monatliche Fixkosten bei Selbstständigkeit

Bei der Selbstständigkeit muss man für alles selbst und zu 100% aufkommen (und vorsorgen).

1. Auslandskrankenversicherung150 €
2. Private Altersvorsorge300 €
3. Unfallversicherung5 €
4. Berufsunfähigskeitsversicherung70 €
Insgesamt525 €
Optional:
– Berufs-Haftpflichtversicherungab 28 €
– Berufs-Rechtsschutzversicherungab 34 €
  1. Krankenvollversicherung: Sehr umfangreiches Thema, daher hier nur kurz: es gibt sog. Expat-Krankenversicherungen für eine bestimmte Zeit; wichtig ist, dass man auch noch im Heimatland versichert bleibt (z. B. bei Krankheit, Rücktransport etc. nach Deutschland). Wer schon vorher privat krankenversichert war, zahlt wesentlich höhere Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung: je nach Alter und Tarif ab 350 € monatlich. Wer länger im Ausland lebt, muss u. U. einen Aufschlag zahlen.
  2. Private Altersvorsorge: Wenn man nur für eine gewisse Zeit unterwegs sein möchte (z. B. Auszeit, Sabbatical), kann man das sicher mal schleifen lassen. Grundsätzlich aber muss man als Selbstständige:r schauen, dass man unbedingt für’s Alter vorsorgt, wenn nicht mehr in die gesetzliche Rente eingezahlt wird.
  3. Unfallversicherung: Die private Unfallversicherung umfasst alle Unfälle des täglichen Lebens, also sowohl in der Freizeit als auch während der Arbeit. Der Schutz gilt weltweit.
  4. Berufsunfähigkeitsversicherung: Wer als Selbstständige:r krank wird, verdient kein Geld! Wer länger ausfällt (psychische Erkrankungen, Krebs, Unfall etc.), sollte sich daher absichern.

Bei nicht zwingend erforderlichen Versicherungen (Unfall, Rechtsschutz etc.) ist es immer so eine Sache: hat man sie und braucht sie nicht, ärgert man sich; hat man sie nicht und braucht sie, ärgert man sich ebenfalls.

2. Monatliche, variable Ausgaben

Lebensmittel, Kleidung, Reinigungsmittel, Hygiene-Artikel und viele weitere Ausgaben variieren von Monat zu Monat (und von Land zu Land) und hier kann man bei den meisten Punkten nur vage schätzen. Daher beruhen die Angaben auf statistischen Durchschnitts-Angaben. Nur gelegentlich anfallende Kosten wie Frisör sind auf den Monat runtergerechnet.

Lebensmittel, Kosmetik, Hygiene350 €
Essen außerhalb (Café & Co.)20 €
Bücher, Hörbuch-Abo, Magazine15 €
Streaming (Netflix, Prime o.ä.)8 €
Kleidung, Schuhe, Accessoires30 €
Geschenke, Gastgeschenke10 €
Frisör10 €
Apotheke, Medikamente5 €
Waschen, Waschsalon5 €
Verhütung (Pille etc.)
Insgesamt453 €

Die meisten Ausgaben wie Kleidung, Bücher etc. reduzieren sich ohne eigene Wohnung zwar deutlich und auch Deko, Küchenutensilien, Elektrogeräte, Möbel, Einrichtungsgegenstände oder Pflanzen fallen nun weg, dennoch bleiben viele Ausgaben – wenn auch in reduziertem Umfang – wie bisher bestehen.

3. Auto fahren & pflegen

Jetzt heißt es stark bleiben, denn selbst ein kleines Auto kostet viel Geld (zumindest im Verhältnis zu den anderen lebensnotwendigen Grundlagen). Hier ein Beispiel der Kosten für einen der fünf umweltschonendsten Kleinwagen (VW up, Benzin):

Haftpflicht-/Vollkasko-Versicherung33 €
Kfz-Steuer1,50 €
TÜV/AU5 €
Inspektionen, Reparaturen, Ölwechsel15 €
Wertverlust20 €
Avd Automobilclub6,50 €
Wäsche9 €
Benzin vor Ort, ohne Reise70 €
Insgesamt160 €

Da ich den Anschaffungspreis des Pkw hier nicht mit einkalkuliert habe, habe ich wenigstens den etwaigen Wertverlust mit eingepreist. Reparaturen sind schwer vorhersebar, daher nicht eingepreist. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung hat sogar errechnet, dass bei einem geschätzten monatlichen Betrag von 204 € die tatsächlichen Kosten bei 425 € mtl. liegen (s. Grafik des VCD).

4. Wohnen & Reisen

Ohne eigene Wohnung in Deutschland fallen einerseits viele Kosten weg wie Miete, Nebenkosten, Strom, DSL, Rundfunk-Gebühren usw. – in Köln waren das insgesamt mindestens 700 € monatlich (Möbel, Deko & Einrichtung und Wertverlust nicht eingerechnet). Dafür gilt es jetzt preisliche Alternativen bei Ferienwohnungen zu finden.

Deutlich günstiger ist der Lebensunterhalt z. B. in vielen asiatischen Ländern oder Mittelamerika. Hier lassen sich Wohnungen für 200 bis 300 € pro Monat finden. Wer aber in Europa auf die bisherigen 700 Euro kommen wollte, müsste Unterkünfte finden, die pro Nacht maximal 23 Euro kosten und die gibt es heute so gut wie gar nicht mehr; schon gar nicht in der Hochsaison (s. Screenshots unten).

Ferienwohnung (ca. 26 € pro Nacht)800 €
Fahrt-/Reisekosten, Ausflüge100 €
Ggf. Maut, Vignette, Parkgebühren20 €
CO2-Kompensation für 0,6 t CO21,50 €
Autowäsche8,50 €
Insgesamt930 €

Gedanklich muss man hier ein wenig umstrukturieren: früher waren die klassische Miete samt Nebenkosten und Urlaube bzw. Reisen separate Ausgaben, heute sind sie eine Mischung aus beidem. Anders gesagt: da man bei diesem Lebensstil keinen Urlaub mehr braucht und bisherige Ausgaben für Einrichtung & Co. wegfallen, lebt es sich trotz zusätzlichen Kosten für den Lagerraum dennoch günstiger als vorher. Nichtsdestotrotz: Ein teures Vergnügen!

5. Vanlife (alternativ zu 3+4)

Ein fahrendes Wohnzimmer klingt für viele Menschen trotz des geringen Platzes verlockend. Hier müsste man vermuten, gleich viele hundert Euro einzusparen. Hier braucht man jedoch erst einmal das Geld für den Anschaffungspreis und den eventuellen Ausbau einschließlich der vielen Einrichtungs-Gegenstände.

Das alles kann ich hier aufgrund der Vielfalt leider nicht darstellen, daher gibt es nur ein Beispiel für die monatlichen Kosten nach dem Reise-Start und ich verwende hierfür das meist zugelassene Fahrzeug in Deutschland, einen Fiat Ducato Camper, Diesel. Dieser Umfrage zufolge fahren die meisten im Schnitt 10.000 km pro Jahr und das nehme ich als Grundlage.

Haftpflicht-/Teilkaskoversicherung85 €
Kfz-Steuer59 €
TÜV/AU/Gasprüfung6 €
Inspektionen, Reparaturen, Öl20 €
Wertverlust (jährlich ca. 8-10%)
Kraftstoff 130 €
Fähren
Maut, Vignette, Parkgebühren20 €
CO2-Kompensation für 4,7 t CO210 €
Automobilclub, Schutzbrief5 €
Autowäsche10 €
Ggf. Gasflaschen
Ggf. Kosten für WLAN
Ggf. Knöllchen (Falschparken o.ä.)
Insgesamt345 €

Diese Gesamtkosten sind sehr optimistisch, jede kleine Reparatur und jedes Ersatzteil erhöht die Kosten eines solchen Fahrzeugs zum Teil erheblich. In den zahlreichen Instagram-Posts liest man regelmäßig von diesem und jenem technischen Problem. Und wer z. B. mit einem T3 Benziner die jährlich 10.000 km fährt, müsste allein mit 210 € monatlich rechnen bzw. 2.500 € jährlich nur für Kraftstoff.

Campingplatz (30 Tage x 20 €)600 €

Huch! Wer sich fragt, warum Wildcampen so gehypt wird, liegt das sicher nicht nur immer an den Orten irgendwo mitten in der Natur und dem vermeintlichen Mut, sich mit etwas (häufig) Verbotenem auf Social Media zu brüsten, sondern hier geht’s auch ganz klar ums Sparen. Darüber wird nur nicht gesprochen, weil so etwas nicht fancy rüberkommt. Da Wildcamping in Portugal inzwischen eine Umweltstraftat ist, verwundert es daher nicht, dass nun plötzlich Griechenland das neue Vanlife-Traumziel geworden ist.

Campingplätze kosten je nach Land zwischen 15-45 Euro pro Nacht, die meist recht kargen Stellplätze zwischen 10-25 €. Hund manchmal 2-4 € pro Nacht extra. Auf Parkplätzen darf man in vielen Ländern für einige Stunden übernachten, muss allerdings permanent weiterziehen und nach einem neuem Platz suchen. Inwiefern das mit Genuss und Lebensqualität vereinbar ist, gibt’s bald ausführlicher in einem weiteren Artikel.

5. Berufliche Ausgaben

Das digitale Nomaden-Leben bringt zumindest für die Selbstständigen ein paar weitere, zusätzliche Kosten mit sich. Die meisten haben eigene Webseiten, Blogs, Shops oder Portale oder arbeiten zum Beispiel als Virtual Assistant oder Content Creator für Unternehmen oder Magazine. Und dann kann das in etwa so aussehen im Monat:

Webseiten, Domaingebühren, SSL 35 €
Apps, Grafik, Photoshop, Lightroom15 €
Steuerberatung, Steuererklärung45 €
Bürobedarf, Porto10 €
Fortbildung, Coaching
Insgesamt105 €

Nicht zu vergessen sind hier die weiteren notwendigen Aspekte wie Kamera-, Drohnen- und/oder Video-Ausrüstung, Aufnahmegerät für Podcasts usw. mit meist umfangreichem Zubehör. Ggf. noch Kameraversicherung und spezielle kostspielige Software kommt hier und da vielleicht auch noch hinzu.

6. Hund

So toll ein Leben mit Hund ist – es ist auch teuer. Das Reisen mit Hund benötigt einiges an Zubehör und bringt zudem einige Nachteile mit sich, die ich in diesem Artikel aufgeführt habe.

Hundesteuer (z. B. Köln)13 €
Haftpflichtversicherung4 €
Futter, Leckerchen70 €
Tierarzt, Impfung, Wurmkur18 €
Zubehör15 €
Insgesamt120 €

Ein durchschnittliches Hundeleben kostet demnach je nach Alter zwischen 12.000 und 20.000 €. Und auf Reisen können bei einem fremden Tierarzt allein bei einem akuten Durchfall schnell mal 200 € nur für die Untersuchung, ein Spritzchen und Medikamente anfallen.

7. Anschaffungen & Außerplanmäßiges

In den Tabellen ist lediglich jeweils der Idealfall abgebildet. Manches lässt sich jedoch entweder nicht vorhersehen oder fällt nur ein Mal in vielen Jahren an. Für all das braucht es über die monatlichen Ausgaben hinaus noch ordentlich Puffer.

→ Reparatur oder Neukauf Laptop, Handy oder Kamera
→ Reparatur Auto, neue Reifen oder kleinerer Unfallschaden
→ Ersatz von Kleidung oder anderen Gebrauchsgegenständen
→ Besondere Geschenke z. B. Jubiläum, Hochzeit
→ Neukauf wegen Verlust
→ Hund krank, ggf. OP oder größere Untersuchungen
→ Etc.

Soll heißen: bei all den ohnehin nicht geringen Ausgaben sollte man auch noch Puffer zur Verfügung haben.

Gesamtkosten im Überblick

Klar, viele Aspekte und Zahlen sind nur theoretisch, da jede:r andere Prioritäten hat, anders verdient, viel oder wenig Wert auf eine gute Absicherung legt und schlichtweg andere Lebensgrundlagen hat als jemand anders. Daher stellen die aufgeführten Kosten nur Richtwerte dar, um in erster Linie eins deutlich zu machen:

Dieser oft als minimalistisch bezeichnete Lebensstil ist alles andere als günstig!

Hier nun vier Beispiele aus den oben genannten Blöcken. (Anmerkung: Da ich Wildcamping nicht unterstütze und Vanlife aus ökologischen, sozialen und touristischen Gründen nicht empfehlen möchte, sind die geschätzten Kosten für Camping- und Stellplätze bewusst aufgeführt.)

1. Angestellt, allein unterwegs, Vanlife

Monatliche Fixkosten (Vers. etc.)131 €
Variable Ausgaben (Lebensmittel & Co.)453 €
Vanlife – Kosten Fahrzeug345 €
Vanlife – Camping- u. Stellplätze600 €
Anschaffungen, Außerplanmäßiges
Gesamtkosten monatlich1.529 €

→ Zu zweit würde man hier gleich ca. 470 € (rund 30%) einsparen können
→ Plus Hund 120 €
→ Plus privater Altersvorsorge ca. 150 €

2. Solo-Selbstständig, allein unterwegs, Vanlife

Monatliche Fixkosten (Vers., Vorsorge)656 €
Variable Ausgaben (Lebensmittel & Co.)453 €
Vanlife – Kosten Fahrzeug345 €
Vanlife – Camping- u. Stellplätze600 €
Berufliche Ausgaben105 €
Anschaffungen, Außerplanmäßiges
Ggf. Steuer-Vorauszahlungen
Gesamtkosten monatlich2.159 €

→ Zu zweit würde man auch hier ungefähr 470 € (ca. 22 %) einsparen können
→ Plus Hund 120 €
→ Je nach Beruf lassen sich einige Punkte steuerlich absetzen

3. Angestellt, allein unterwegs, Ferienwohnung, Kleinwagen

Monatliche Fixkosten (Vers. etc.)131 €
Variable Ausgaben (Lebensmittel & Co.)453 €
Auto160 €
Wohnen & Reisen930 €
Anschaffungen, Außerplanmäßiges
Gesamtkosten monatlich1.674 €

→ Diese Variante ist nur unwesentlich teurer, dafür aber wesentlich komfortabler
→ Zu zweit würde man hier ungefähr 550 € (also mehr als 30%) einsparen können
→ Plus Hund 120 €
→ Plus privater Altersvorsorge ca. 150 €

4. Solo-Selbstständig, allein unterwegs, Ferienwohnung, Kleinwagen

Monatliche Fixkosten (Vers., Vorsorge)656 €
Variable Ausgaben (Lebensmittel & Co.)453 €
Auto160 €
Wohnen & Reisen930 €
Berufliche Ausgaben105 €
Anschaffungen, Außerpanmäßiges
Ggf. Steuer-Vorauszahlungen
Gesamtkosten monatlich2.304 €

→ Diese Variante ist nur unwesentlich teurer, dafür aber wesentlich komfortabler
→ Zu zweit würde man hier ungefähr 550 € (also mehr als 30%) einsparen können
→ Plus Hund 120 €
→ Je nach Beruf lassen sich einige Punkte steuerlich absetzen

Beispiel für Monats-Mietpreise in Europa

Auswahl an Ferienwohnungen bei AirBnb für Juni 2023 (Preis für eine Monatsmiete, hinzu kommt dann noch die Service-Gebühr)

Beispiel Angebot Ferienwohnungen AirBnb 06/2022 - Reisemagazin Bravebird
Beispiel Angebot Ferienwohnungen AirBnb 06/2022 - Reisemagazin Bravebird

Was muss man denn dann verdienen?

Als Angestellte:r kann man sich das Bruttogehalt mit Online-Rechnern leicht ausrechnen lassen, als Selbstständige:r heißt es, dass man etwa 30-40% für Steuern beiseite legen sollte (s. Übersicht Gründerplattform). Wenn man dann noch Puffer für unvorhersehbare Ausgaben haben möchte, muss man diesen Betrag auch nochmals addieren. Nicht zu vergessen, dass man vor der Abreise möglicherweise einige Investitionen tätigen muss.

Kurzum: Wer als digitale:r Nomadïn ein recht komfortables Leben in Europa führen, gut abgesichert sein und vorsorgen möchte, wird – zumindest allein unterwegs – zwischen 2.000 bis 4.000 Euro brutto verdienen müssen. Einige weitere Informationen zum Thema Blog und Geld habe ich in diesem Artikel dargelegt. Steuern muss man übrigens auch bei einem Auslandsaufenthalt weiterhin bezahlen (s. Artikel des BDAE).

Aber es geht doch auch deutlich günstiger, oder?

Mir ist bewusst, dass es viele digitale Nomadïnnen gibt, die mit deutlich weniger Geld zurechtkommen als oben aufgeführt. Das ist für eine Zeitlang möglich und vielleicht auch aufregend, jedoch auf lange Zeit wenig praktikabel und sicher auch die Antwort auf meine eingangs erwähnte Frage, warum viele Nomadïnnen plötzlich von der Bildfläche verschwinden und andere Wege gehen.

In Thailand, auf Bali, in Mexiko oder in anderen Ländern mit sehr günstigen Lebenshaltungskosten kann man seine variablen Ausgaben zwar deutlich minimieren, muss aber eben auch diverse Einschränkungen in Kauf nehmen (z. B. wenig Komfort, schwaches Gesundheitswesen, mangelnde Vielfalt an Lebensmitteln etc.) Einige der Probleme und Herausforderungen hat Patrick von 101places in seinem Artikel „Mein Nomadenleben ist vorbei“ beschrieben.

Ich hatte diese Liste eigentlich zunächst nur für mich erstellt, um meine Finanzplanung für die kommende Zeit zu erstellen – und war überrascht, wie hoch die einzelnen Ausgaben (heute geworden) sind. Vielleicht helfen dir die Tabellen ja auch für deine eigene Planung. Gleichzeitig ist es auch ein Appell an die eigene Lebensplanung:

→ Finanzplanung und -kontrolle ist in jedem Lebensalter superwichtig
→ Ob bewusst oder ungewollt: Allein leben und/oder reisen ist ein großer Luxus
→ Mit Altersvorsorge und Sparen kann man nicht früh genug anfangen

Zeige Kommentare (9)
  • Ich weiß nicht. Ich komme so mit 500 € im Monat gut über die Runden.
    Maximal 200 € Miete, manchmal umsonst wohnen, dann bleiben 10 € pro Tag. So viel kann man doch gar nicht essen.
    Diese ganzen Versicherungen zum Beispiel, die braucht kein Mensch.

    • Hey Andreas,
      wie gesagt ist alles möglich – es ist dann aber eben ein komplett anderer, extrem reduzierter Lebensstil.
      Ich weiß nicht so genau, wen du mit „kein Mensch“ meinst, aber ich habe z. B. viele Jahre in einer Branche gearbeitet, in der sich Kunden regelmäßig extrem geärgert haben, weil sie die eine oder andere Versicherung nicht hatten, da die Streitsumme ein Vielfaches des eigentlichen Versicherungsbeitrags ausgemacht hat.
      Die Lebensmittel-Angaben beruhen wie erwähnt auf statistischen Durchschnittswerten.
      Da du ja dann offenbar nicht in eine private Vorsorge investierst, wünsche ich dir von Herzen, dass du bis ins hohe Alter gesund und fit bleibst.
      Frohe Weihnachtstage
      Ute

    • Natürlich braucht man die Versicherung nicht – bis man sie braucht. Gerne nachzulesen in den zahlreichen Auswandererforen, wenn was schiefläuft (Gesundheit, Unfall, Haftplicht, etc.), geht das Geheule los. Aber jung und hipp und gesund – dann paßt das schon – irgendwie – schöngeredet. Interessanter Artikel übrigens, solide recherchiert, so scheint es.

  • Liebe Ute,
    wieder mal ein sehr interessanter Beitrag. Bei Versicherungen muss natürlich jeder es selbst wissen. Dass das Van Life nicht günstig ist oder im Zweifel von dem ein oder anderen auf Kosten der Natur und der Mitmenschen „vergünstigt“ wird, habe ich schon vermutet. Und in Bezug auf die Altersvorsorge kann man nicht genug betonen, wie wichtig es ist und dass man möglichst früh damit anfangen soll. Gerade, wenn man selbstständig ist. Die Kosten des Selbstständig-Sein darf man auch nicht unterschätzen. Danke für diese Übersicht, viele Grüße und frohe Weihnachten

    • Hallo liebe Katja,
      über Versicherungen habe ich vor ein bis zwei Jahrzehnten auch noch anders gedacht, heute sind mir verschiedene Absicherungen wichtiger geworden. Wenn man sich die Zeit nimmt, Preise und Leistungen ausgiebig zu vergleichen und den günstigsten Tarif findet, ist das meiner Meinung nach ein guter Kompromiss – aber will natürlich auch bezahlt werden.
      Vielen Dank auch für das schöne Kompliment!
      Ich wünsche dir auch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr, alles Liebe
      Ute

  • Hallo Ute,
    ein sehr interessanter Artikel! Vielen Dank für deine Transparenz. Dieser Einblick hinter die Kulissen ist meiner Meinung nach sehr wichtig, weil viele das Nomadendasein sehr romantisieren. Geld allein macht nicht glücklich, aber ganz ohne funktioniert es eben nicht.
    Liebe Grüße aus Köln
    Anna

    • Hallo liebe Anna,
      das Grundproblem liegt bei Instagram & Co. leider darin, dass man seine Followerïnnen für sein Thema begeistern möchte und mit einem „puh, ganz schön teuer“ bekommt man weder Likes noch Followerïnnen. Daher wird leider in vielen Bereichen so selten über die Schattenseiten gesprochen. Freut mich jedenfalls, dass dir die Transparenz gefällt.
      Viele Grüße aus Italien und frohe Weihnahchtstage!
      Ute

  • Vielen Dank für den wichtigen Artikel, liebe Ute! Vor allem für die realistische Einschätzung der Situation – weg von der rosaroten Insta-Brille. Solch eine Aufstellung finde ich auch für Solo-Selbstständige interessant, die „ganz normal“ an einem festen Ort in Deutschland arbeiten, denn die Kosten werden oft unterschätzt, gerade was die Versicherungen und die Altersabsicherung angeht (also zumindest für diejenigen ohne die rosarote Brille:-)). Und ganz allgemein möchte ich dir sagen, dass ich deinen Blog sehr schätze! Danke für deine Arbeit und ein frohes und entspanntes Weihnachtsfest!
    Liebe Grüße,
    Maike

  • Liebe Ute,
    vielen Dank für diesen und all deine anderen Artikel. Und danke für deine Authentizität. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass du die Blogosphäre bunter machst. Ich stimme zwar oftmals nur teilweise mit deiner Sicht der Dinge überein. Aber darauf kommt es auch gar nicht an. Empfinde es als mutig, immer wieder die eigene Meinung konstruktiv zu vertreten. Damit regst du Diskussionen an. Es geht doch auch gar nicht darum bzw. nur teilweise, wer Recht hat, sondern miteinander ins Gespräch zu kommen. Im besten Fall auch außerhalb der eigenen Bubbles. Danke für deine Art, Themen aufzugreifen. Als seit langem beruflich und privat viel gereister Frau mit nach wie vor großer Reiseleidenschaft kann ich bestätigen, dass dieser Lebensstil neben vielen Sonnen- auch diverse Schattenseiten hat – persönliche und gesellschaftliche (incl. Natur, Umwelt und Tiere). Es ist immer wieder ein Austarieren, wie frau / man das am besten händelt. Letztendlich fühle ich mich in meinem Inneren jedoch als “Halbnomadin“, zu deren Lebensaufgaben es gehört, (auch) unterwegs zu sein. Alles Liebe & nochmals herzlichen Dank!

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